Alternativer Nobelpreis

Die internationale Jury betonte, dass trotz ihrer Inhaftierung und der ständigen Bedrohung ihrer Familie, Nasrin Sotoudeh eine „trotzige Verfechterin der Rechtsstaatlichkeit“ sei. Unter der repressiven Führung des Iran sind die Menschenrechte und die politische Opposition stark eingeschränkt. Frauen sind aufgrund der strikten Auslegung des islamischen Rechts durch das Land mit besonders harter Unterdrückung und Einschränkungen konfrontiert. Nasrin Sotoudeh erhielt in den vergangenen Jahre bereits mehrere Preise, im September 2020 erst den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbunds (DRB). Bild: Anna Albert
Menschenrechtsverteidigerin leidet weiterhin im Evin-Gefängnis
Frankfurt/ Enskede/ Teheran, 1. Oktober 2020 – Die bekannteste Menschenrechtsverteidigerin des Irans, Nasrin Sotoudeh, hat den Alternativen Nobelpreis der schwedischen Right Livelihood Foundation erhalten. Vier Tage zuvor hatte Nasrin Sotoudeh gemeinsam mit einer weiteren politischen Gefangenen einen knapp 50-tägigen Hungerstreik beendet. Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), begrüßt die hohe Auszeichnung für Nasrin Sotoudeh und fordert die deutsche Regierung auf, die katastrophale Menschenrechtssituation im Iran endlich angemessen zu thematisieren und Sanktionen gegen führende Vertreter des iranischen Regimes umzusetzen“.
„Nasrin Sotoudeh steht für die iranische Demokratiebewegung und für alle Iranerinnen und Iraner, die für Rechtsstaatlichkeit und Gleichberechtigung von Frauen und Männern eintreten. Sie demonstrierte durch ihren Hungerstreik gegen die katastrophalen Haftbedingungen in iranischen Gefängnissen und die damit verbundene Gefahr einer Ansteckung mit dem Coronavirus“, erklärt Lessenthin weiter.
Omid Nouripour, Außenpolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, ist seit 2011 politischer Pate von Nasrin Sotoudeh. „Es ist gut, gerecht und wichtig, dass Nasrin Sotoudeh nun den Alternativen Nobelpreis erhält, denn sie ist eine Symbolfigur für den Kampf von so vielen Leuten nach Freiheit und Selbstbestimmung. Sie braucht dringend nicht nur diese Auszeichnung, sondern vor allem die damit verbundene Aufmerksamkeit ob ihrer Lage im Gefängnis und der abstrusen und unglaublichen und unverantwortlichen Haftstrafe, der sie ausgesetzt ist“, so Nouripour.
Die internationale Jury betonte, dass Nasrin Sotoudeh trotz ihrer Inhaftierung und der ständigen Bedrohung ihrer Familie, eine „trotzige Verfechterin der Rechtsstaatlichkeit“ sei. Unter der repressiven Führung des Iran sind die Menschenrechte und die politische Opposition stark eingeschränkt. Frauen sind aufgrund der strikten Auslegung des islamischen Rechts durch die Regierung mit besonders harter Unterdrückung und Einschränkungen konfrontiert.
Erst am 8. September zeichnete der deutsche Richterbund (DRB) Nasrin Sotoudeh mit dem Menschenrechtspreis 2020 aus. Im Jahre 2008 erhielt sie bereits den International Human Rights Prize Ludovic –Trarieux und im Jahr 2011 den Menschenrechtspreis der Stadt Florenz. 2012 wurde sie vom Europäischen Parlament mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit gewürdigt. Seit April 2013 gehört die renommierte Menschenrechtlerin dem Kuratorium der IGFM an. Im Jahr 2018 erhielt sie den schwedischen Tucholsky-Preis für verfolgte und bedrohte Schriftsteller.
Seit 1980 wurden 178 Menschen aus 70 Ländern mit dem Right Livelihood Award ausgezeichnet. Die schwedische Right Livelihood Foundation, die den Preis verleiht, sieht ihre Rolle als Sprachrohr und Schutzschild für die Preisträger. Mit Nasrin Sotoudeh wurden der US-amerikanische Bürgerrechtsanwalt Bryan Stevenson, die indigene Rechts- und Umweltaktivistin Lottie Cunningham Wren aus Nicaragua und der belarussische pro-demokratische Aktivist Ales Bialiatski sowie die Nichtregierungsorganisation Menschenrechtszentrum „Viasna“ als Preisträger des Jahres 2020 ausgewählt.

Nasrin Sotoudeh im Jahr 2013 nach ihrer kurzzeitigen Entlassung.
Omid Nouripour, Außenpolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, ist seit 2011 politischer Pate von Nasrin Sotoudeh. Er hielt die Laudation während der Preisverleihung beim Deutschen Richterbund (DRB).

Nasrin Sotoudeh, iranische Menschenrechtsverteidigerin in Haft und IGFM-Kuratoriumsmitglied, Bild: Anna Albert

Lottie Cunningham Wren, Aktivistin für die Rechte der indigenen Menschen in Nicaragua, Bild: Anna Albert

Ales Bialiatski, Demokratieaktivist in Belarus, Bild: Anna Albert

Bryan Stevenson, Bürgerrechtsanwalt aus den USA, Bild: Anna Albert
