Von Völkermord bis Drohnenkrieg

Dieses einzigartige Kompendium der IGFM bildet die Geschichte Armeniens vom ersten systematischen Völkermord des 20. Jahrhunderts bis zum ersten modernen Drohnenkrieg des 21. Jahrhunderts ab und zeigt die aktuelle Lage Armeniens im geopolitischen Kontext auf. Somit stellt sich die Frage: Bedrohung Armeniens – (k)ein Ende in Sicht?
Armenien
vom ersten systematischen Völkermord des 20. Jahrhunderts
zum ersten modernen Drohnenkrieg des
21. Jahrhunderts
Urland der Menschheitsgeschichte
„Mit Ausnahme Judäas, dem Urlande und dem Mittelpunkte der ganzen Weltgeschichte, gibt es sicher keine Landstriche, in deren Schoße wichtigere Urkunden für das Geschlecht der Menschen aufbewahrt sind, als die, welche zwischen dem Kaspischen und dem Schwarzen Meere liegen und sich nach Süden hin von den kaukasischen Steppen bis zu den Ländern erstrecken, in deren Mitte sich der Berg Ararat erhebt.“ So schrieb der deutsche Forscher August von Haxthausen 1844 in seinen Reiseaufzeichnungen des Südkaukasus für den damaligen russischen Zaren Nikolaus I.
Heute, fast zwei Jahrhunderte später, konstatiert die österreichische Armenologin Jasmine Dum-Tragut: „Das armenische Kulturgut in Arzach (Berg-Karabach) ist weit mehr als nur das Kulturgut eines kleinen Volkes im Südkaukasus, es ist Kulturgut der gesamten Menschheit“.
In seinen umfassenden Reiseaufzeichnungen des Südkaukaukasus stellt von Haxthausen weiterhin fest: „Tatsächlich gibt es mit Ausnahme der Juden keine Nation, die so viel für ihre Religion gelitten hat oder so viele Märtyrer hatte wie die Armenier.“ Und dies ein halbes Jahrhundert vor dem Völkermord an den Armeniern durch die Jungtürken im Ersten Weltkrieg. Zweifelsfrei ist die Geschichte dieser biblischen Urvölker von unermesslichem Leid geprägt.
Während die jüdische Historie weltweit recht bekannt ist, ist über Armenien, dem ersten christlichen Staat der Welt, vergleichsweise wenig bekannt. Das liegt vor allem daran, dass das Schicksal Armeniens unmittelbar nach dem Völkermord im Ersten Weltkrieg innerhalb der Sowjetunion (SU) über 70 Jahre aus dem Radar der westlichen Öffentlichkeit fiel und es auch bis heute, 30 Jahre nach dem Zerfall der SU, nicht wieder voll auf dem Schirm erschienen ist.
Dies erklärt auch die schwache Resonanz der westlichen Öffentlichkeit auf die zahlreichen Hilferufe Armeniens, als im September 2020 Berg-Karabach von Aserbaidschan angegriffen wurde. Der Zweite Karabach-Krieg oder auch der „44 Tage-Krieg“ erhielt, inmitten der Corona-Pandemie, bestenfalls als „erster moderner Drohnenkrieg des 21 Jahrhunderts“ mediale Aufmerksamkeit. Selbst die Bilder der Flucht der gesamten Bevölkerung Berg Karabachs, die im September 2023 den Untergang eines Kapitels der christlichen Menschheitsgeschichte markierte, versickerten nur allzu schnell im Weltgetöse.
Erneuter Völkermord an den Armeniern?
Aber kann es sein, dass die panische Flucht einer ganzen Volksgruppe aus ihrer Heimat im 21 Jahrhundert rechtens war? Einer Volksgruppe, deren kollektives Gedächtnis von einem Völkermord geprägt ist? Oder gibt es hier Zusammenhänge, gar Kontinuitäten im größten Verbrechen des internationalen Völkerrechts, dem „crime of crimes“, die sich dahinter verbergen?
Kann es sein, dass hier ein weiterer Völkermord an den Armeniern nicht bemerkt wurde und nicht mithilfe des internationalen Rechts geahndet werden konnte? Ist die Existenz des ersten christlichen Staates der Welt bedroht?
Sich in diesem Geflecht zurechtzufinden, ist für den westlichen Laien praktisch unmöglich. Unsere Dokumentation konzentriert sich daher nicht auf die -zweifelsfrei notwendige- Beweisführung einzelner Teilbereiche, sondern sie beginnt bei den Armeniern im Osmanischen Reich vor hundert Jahren und rollt von dort den Entwicklungsstrang der armenisch-aserbaidschanischen Beziehungen Stück für Stück auf.
Insofern teilt sich unsere Dokumentation in einen historischen Rückblick vom Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg bis zum Ende des Ersten Karabach Krieges im Mai 1994, um sich mit diesem Hintergrundwissen im zweiten Teil auf die aserbaidschanische Armenienpolitik der letzten 30 Jahre zu konzentrieren, auf die Frage, ob Aserbaidschan ein Völkermord an den Armeniern anzulasten wäre.
Existenzbedrohung Armeniens
Hierzu werden sowohl zahlreiche Originalaussagen des aserbaidschanischen Staatsoberhauptes Ilham Aliew en detail in die Analyse einbezogen als auch die realpolitischen Verflechtungen und Handlungen der entsprechenden Global Player aufgeführt.
Die Dokumentation leistet somit einen fundamentalen Beitrag zum Verständnis des armenisch-aserbaidschanischen Konflikts und gibt einen tiefen Einblick in die geopolitischen Machtkonstellationen rund um Armenien.




