Behnam Mahjoubi

Der iranische Gewissensgefangene Behnam Mahjoubi wurde im Februar 2018 während einer Demonstration in Teheran verhaftet und anschließend zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nach der Verabreichung von Tabletten mit unbekannter Wirkung im Evin-Gefängnis am 12. Februar 2021 verstarb Mahjoubi am 16. Februar 2021 im Krankenhaus.
Nach Verabreichung von „Schlaftabletten“ im Krankenhaus verstorben
Behnam Mahjoubi ist 1987 geboren, verheiratet und lebt in der zentraliranischen Stadt Kerman. Er gehört der religiösen Minderheit der Derwische (Sufis) an. Am 19. Februar 2018 wurde er während einer Demonstration gegen die Belagerung des Hauses von Noor Ali Tabandeh, dem geistlichen Führer der Gonabadi-Derwische, zusammen mit Hunderten anderen von Sicherheitskräften in Teheran festgenommen. Personal der Krankenstation des Evin-Gefängnisses verabreichte Mahjoubi am 12. Februar 2021 „Schlaftabletten“, weil kein Arzt anwesend war.
Daraufhin verschlechterte sich Mahjoubis Gesundheitszustand drastisch – er wurde ins Krankenhaus eingeliefert und fiel ins Koma. Ein Freund Mahjoubis berichtete vier Tage später, dass Mahjoubi am Morgen des 16. Februar 2021 im Krankenhaus verstorben sei. Seine Mutter durfte ihn während seiner Zeit im Krankenhaus nicht besuchen.
Verhaftung & Gefängnisumstände
Nach seiner Verhaftung wurde Mahjoubi eine Woche lang in Isfahan und weitere 22 Tage in Kerman festgehalten. In beiden Hafteinrichtungen wurde er geschlagen, 24 Stunden am Tag bei Licht in Einzelhaft gehalten und verhört, ohne die Anwesenheit eines Anwalts. Er sollte die Namen aller Gonabadi-Derwische nennen, die er kennt, und wurde gezwungen, ein Geständnis zu unterschreiben. Das Revolutionsgericht in Teheran verurteilte Mahjoubi am 9. August 2018 aufgrund von „Versammlung und Absprache zur Begehung von Verbrechen gegen die nationale Sicherheit“ zu zwei Jahren Gefängnis und einem zweijährigen Verbot der Beteiligung an sozialen und politischen Gruppen. Am 29. Mai 2018 wurde gegen Zahlung einer Kaution vorübergehend freigelassen. Seit dem 20. Juni 2020 sitzt er nun seine Haftstrafe im Evin-Gefängnis in Teheran ab. Sein Psychiater wie auch Ärzte der Legal Medicine Organization, eines staatlichen Instituts, hatten dem jungen Iraner zuvor aus gesundheitlichen Gründen eine Haftunfähigkeit attestiert. Trotz dieser schriftlichen Bestätigung weigerten sich die Behörden, Mahjoubi freizulassen.
Behnam Majoubi leidet an einer Panikstörung, die sich seit Beginn der Inhaftierung aufgrund der mangelnden medizinischen Versorgung und des mangelnden Zugangs zu seinen Medikamenten verschlimmert hat. Aus Protest gegen die Zustände im Gefängnis trat er zweimal in einen Hungerstreik und wurde beide Male von Gefängnisbeamten in eine psychiatrische Klinik gebracht. Mahjoubi äußerte sich anschließend über die katastrophalen Zustände in der Klinik. Er berichtete von Schlägen und Misshandlungen durch Sicherheitskräfte, erzwungener Einnahme von psychedelischen Pillen, die Gefahr durch gewaltbereite Patienten und weitere Formen psychologischer Folter. Saleh Hosseini, Behnam Mahjoubis Ehefrau, veröffentlichte einen Brief, in dem sie gegen den menschenunwürdigen Zustand ihres Mannes protestierte. Diesem Brief zufolge wurde Behnam Mahjoubi von anderen Gefangenen verprügelt.
Druck auf Gonabadi-Derwische im Iran
Gonabadi-Derwische haben vor allem in den letzten Jahren einen beispiellosen Druck durch die amtierende Regierung erfahren. Dieser Druck nahm insbesondere nach der Demonstration vom 5.Februar 2018 in Teheran eine bedrohlichere und gewaltsame Form an. Nach den vorliegenden Informationen verurteilte das Islamische Revolutionsgericht Teheran 202 Gonabadi-Derwische zu insgesamt mehr als 1.080 Jahren Haft, 5.995 Peitschenhieben, 46 Jahren Reiseverbot, 114 Jahren Leben im Exil und 72 Jahren Entzug sozialer Aktivitäten. In einem Fall wurde die Person sogar zum Tode verurteilt.