Fatemeh Mosanah

Bürgerrechtlerin wurde freigelassen
Fatemeh wurde zusammen mit ihrem Mann und ihren Kindern im Februar 2013 in Haft genommen. Offizielle Gründe hierfür waren die „Zusammenarbeit mit oppositionellen Gruppierungen, Aktionen gegen die nationale Sicherheit und Verschwörung gegen Gott“. Während ihre damals zehnjährige Tochter drei Tage lang festgehalten wurde, blieb ihr Sohn sogar anderthalb Monate in Haft. Fatemeh und ihr Mann befanden sich ein Jahr lang in Untersuchungshaft bevor sie auf Kaution freigelassen wurden.
Das Islamische Revolutionsgericht verurteilte schließlich beide zu fünfzehnjährigen Gefängnisstrafen. Seit dem 30. September 2015 wird Fatemeh im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten. Seit 2016 leidet sie unter chronischen Schmerzen im Bein. Immer wieder fragte sie nach medizinischer Hilfe, jedoch wurden ihre Bitten über zweieinhalb Monate ignoriert. Schließlich wurde sie von einem Arzt untersucht, der ihr eine chronische Sehnenschädigung attestierte.
Das erste Mal inhaftiert wurde Fatemeh 1980 im Alter von gerade einmal 13 Jahren. Ihr und ihrer Mutter wurde „Verschwörung gegen Gott“ und „Mitgliedschaft der Volksmudschahedin“, einer militanten Gruppierung, die den Iran in einen demokratischen und säkularen Staat umwandeln will, vorgeworfen. Beide Frauen wurden zu jeweils dreijährigen Gefängnisstrafen verurteilt. In diesem Zeitraum wurden drei ihrer Angehörigen wegen oppositionellen Tätigkeiten exekutiert. Fatemehs Ehemann Hassan Sadeghi wurde durch Folter der Geheimdienstagenten irreversibel an den Augen geschädigt. Auch ihm wird die dringend notwendige medizinische Hilfe verwehrt. Aufgrund häufiger Peitschenhiebe ist sein Schädel verformt und er entwickelte während der Gefangenschaft ein Magen-Darm-Geschwür.
Freilassung
Fatemeh und ihr Ehemann Hassan Sadeghi wurden nach mehr als acht Jahren Haft am 12. Juli 2023 endlich freigelassen.
Die Situation der Mütter im Evin-Gefängnis
Die ebenfalls im Evin-Gefängnis inhaftierte Menschenrechtsverteidigerin und zweifache Mutter Narges Mohammadi beschrieb in einem Bericht vom 10. Februar 2017 die katastrophalen Zustände, denen Mütter dort ausgesetzt sind. Nur einmal die Woche für eine Stunde haben sie die Möglichkeit ihre Kinder zu sehen. Narges Mohammadi, ehemalige Vizepräsidentin und Sprecherin des Zentrums für Menschenrechtsverteidiger, berichtete auch über Fatemeh Mosanah. Da sie und ihr Mann in unterschiedlichen Gefängnissen inhaftiert sind, besuchen die Kinder jeweils abwechselnd ihre Mutter und ihren Vater einmal in der Woche.
Die Islamische Republik Iran missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Immer wieder kommt es zu willkürlichen Festnahmen, Verurteilungen ohne faire Gerichtsprozesse sowie zu Misshandlungen und Hinrichtungen von Andersdenkenden. Mit der unmenschlichen Behandlung ihrer Gefangenen verletzt die Islamische Republik Iran in hohem Maße die von ihr ratifizierten menschenrechtlichen Mindeststandards des Internationalen Paktes über bürgerliche und politische Rechte („Zivilpakt“) der Inhaftierten. Dazu gehören unter anderem das Verbot von Folter und grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung (Artikel 7), das Verbot willkürlicher Gefangennahme (Artikel 9) sowie das Recht auf ein faires Verfahren (Artikel 14).
Stand: August 2023