IGFM-Flohmarkt

Vorläufig letzter Flohmarkt am Uhrtürmchen
An diesem Dienstag, 7. November, sind schon viele Passanten unterwegs. Von weitem ist das Logo der IGFM sichtbar an den Westen, die die Verkäuferinnen tragen.
Eine davon, Frau Müller-Kinet, berichtet von den Anfängen: Vor vielen Jahren, als die IGFM noch eine große Halle in der Borsigallee hatte, entstand bei ihr der Wunsch, eine Geld-Einnahmequelle für humanitäre Zwecke zu finden. Sie kam gemeinsam mit weiteren Frauen auf das Thema Flohmarkt und brachte das Knowhow der ehrenamtlichen Helferin ein. Seit vierzig Jahren, sagt sie, packt sie nun Pakete für die IGFM. Die Frauen erhielten eine Aufstell-Genehmigung für vier Quadratmeter Fläche, tatsächlich waren es immer etwas mehr. Eigentlich sieht der Flohmarkt gar nicht so viel anders aus als andere Flohmärkte. Was den Unterschied macht ist das aufgestellte IGFM-Banner. Frau Müller-Kinet plakatierte früher auch, aber das funktioniert jetzt nicht mehr so. Die Ordnungshüter reagierten stets freundlich, weil bekannt war, dass vom Erlös Lebensmittel gekauft oder Geld verschickt wurde.
Am Anfang war das Ziel, Menschen in Rumänien zu helfen. Frau Müller-Kinet konnte kein Rumänisch, sondern verständigte sich auf Deutsch mit den Siebenbürgern. Einzelne Familien hat sie von Jahr zu Jahr besucht, und erfuhr dadurch, wo sie Hilfe brauchten. Zuletzt konnte damit einem Epileptiker geholfen werden, der finanziell sehr schlecht gestellt ist, da er nur wenige Stunden arbeiten kann. Da fällt für ihn zu wenig Geld ab, und so arbeitet er immer ein bisschen zu viel für seine Verhältnisse. Das macht seine Konstitution nicht mit, und er wird, wenn er ausfällt, gleich entlassen. Hier setzt die Hilfe von außen ein. Manches wurde über die Jahre hinweg einfacher. Früher musste man im Schnitt 20% bei der Bank drauflegen, damit das Geld auch ankommt.
Aber trotz mancher Erleichterung ist nun das Gesamt-Projekt Flohmarkt für Frau Müller-Kinet zu anstrengend, sie ist jetzt 80 Jahre alt. Die Beendigung ihres Engagements wurde notwendig, da auch der Helferkreis mit Antonia Dittrich und Friedel Römisch, die seit langem dabei sind, inzwischen zu klein geworden ist. Froh macht sie am letzten Tag, dass eine junge IGFM-Praktikantin mithilft. Ihr tut es in der Seele leid, dass der am 7. November veranstaltete Flohmarkt ihr letzter ist. Man kann doch mit dem Geld so viel helfen, ist sie überzeugt. Früher fand der Flohmarkt jeden ersten Dienstag im Monat statt. Insgesamt kamen so etwa 400.000 € Erlös zusammen. In Zukunft wird Frau Müller-Kinet mit dem Bus der IGFM Geschäftsstelle ihre fertigen Pakete nach Wittlich bringen. Von dort gelangen sie weiterhin nach Osteuropa, wo es am nötigsten ist. Und doch hofft sie weiterhin auf jemand, der aufspringt und den Flohmarkt fortführt. Man müsse dazu nur den Bus fahren können. Frau Müller-Kinet ist gespannt, ob sich da vielleicht was tut.

Frau Müller-Kinet (zweite v.r) und weitere Ehrenamtliche auf dem IGFM-Flohmarkt


