Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Tödliche Schüsse und totale Isolation
140. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: vom 18. Mai bis 26. Mai
Allgemeine Lage:
Seit dem 18. Mai hat das iranische Regime seine Repression nicht gelockert. Laut der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) intensiviert das islamische Regime seine Kontrolle durch weitreichende Einschränkungen des Internetzugangs, zunehmende staatliche Propaganda und weitere Hinrichtungen. Die anhaltenden Netzsperren behindern den Zugang zu unabhängigen Informationen erheblich und erschweren die Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Gleichzeitig nehmen Berichte über Exekutionen sowie über den Druck auf politische Gefangene und regimekritische Personen weiter zu. Staatliche Medien und auf der Whitelist* (*das Regime beschränkt den Internetzugang der Öffentlichkeit zur Zensur, während privilegierte Nutzer gezielt staatliche Propaganda verbreiten) stehende Internetnutzer verbreiten verstärkt regierungsnahe Narrative und stellen repressive Maßnahmen als notwendige Schritte zur Wahrung der inneren Sicherheit dar.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle:
Der 17-jährigen Nargess Sarbandi wurde am 9. Januar 2026 in Rasht (Provinz Gilan) in den Kopf geschossen.
Shaghayegh Kamali, 27 Jahre alt und wohnhaft in Islamshahr, Vavan, in der Provinz Teheran, kam am 8. Januar 2026 durch einen direkten Schuss durch Regimeschergen ums Leben.
Der 40-jährige Behnām Amirofshāri wurde am 8. Januar in Fardis, Karaj (Provinz Alborz), angeschossen und starb nach 72 Tagen in den Armen seiner Frau.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die iranische Justiz hat die Hinrichtung von Gholamreza Khani Shakarabi wegen „Spionage" und „Zusammenarbeit mit israelischen Geheimdiensten" bekannt gegeben. Sie erklärte, das Urteil sei vollstreckt worden, nachdem es vom Obersten Gerichtshof bestätigt worden war. Der Fall hat Kritik einiger Menschenrechtsbeobachter hervorgerufen. Auch die IGFM stellt die Transparenz des Gerichtsverfahrens, den eingeschränkten Zugang zu einem unabhängigen Anwalt und die Einhaltung der Grundsätze eines fairen Verfahrens in Sicherheitsfällen infrage.
Der 17-Jährige Assoo Keikhusravi wurde im Januar 2026 in Javanrud (Provinz Kermanshah) ohne richterlichen Haftbefehl festgenommen. Mehr als vier Monate nach seiner Festnahme gibt es immer noch keine Informationen über seinen Aufenthaltsort, seinen Gesundheitszustand oder den Stand des Gerichtsverfahrens. Die Regime- und Justizbehörden weigern sich, seiner Familie eine klare Antwort zu geben. Die Tatsache, dass Assoo Keikhusravi der Zugang zu einem Anwalt, zu Telefonaten und zu Besuchen verwehrt wird, verstärkt die Sorgen seiner Familie.
Die Rechtsanwältin und Mitglied der Anwaltskammer von Provinz Fars Bahār Sahraiyan wurde am Samstag, dem 15. April 2026, am Revolutionsgericht von Schiraz festgenommen und in die Frauenabteilung des Adel-Abad-Gefängnisses überführt. Anschließend wurde sie zur Staatsanwaltschaft gebracht und unter anderem wegen „Handlungen gegen die nationale Sicherheit” und „Propaganda gegen das Regime” angeklagt.
Sara Sepahri, eine in Schiraz lebende Baháʼí, befindet sich mehr als einen Monat nach ihrer Festnahme weiterhin im Adel-Abad-Gefängnis.Trotz körperlicher Beschwerden wird ihr eine angemessene medizinische Versorgung verweigert. Eine gut informierte Quelle aus dem Umfeld der Familie bestätigte diese Nachricht und erklärte: „Sara Sepahri wird seit 47 Tagen im Adel-Abad-Gefängnis in Shiraz in Isolationshaft gehalten. Während dieser Zeit erlitt sie eine Magenblutung und ihre Augenerkrankung hat sich durch den Stress langwieriger Verhöre verschlimmert. Der fehlende Zugang zu angemessenen Medikamenten und Behandlungen hat in den letzten Wochen zu einer weiteren Verschlechterung ihrer körperlichen und psychischen Gesundheit geführt. Sie benötigt daher dringend fachärztliche Betreuung und eine Verlegung in eine medizinische Einrichtung außerhalb des Gefängnisses.“
Weitere Menschenrechtsverletzungen:
Laut der Nachrichtenagentur Hrana, dem Nachrichtenportal der Menschenrechtsaktivisten im Iran, wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens 78 Jäger, Fischer, Umweltsünder und Holzschmuggler festgenommen. Darüber hinaus wurden über 43 Tonnen geschmuggeltes Holz sowie erhebliche Mengen an Wildpflanzen und Naturprodukten beschlagnahmt. Zudem lag der Luftqualitätsindex in mindestens 42 Städten in den Kategorien „ungesund”, „sehr ungesund” und „gefährlich”.

Der Präsident des Verbands der Allgemeinmediziner der Islamischen Republik berichtete, dass er in den letzten Monaten Hinweise auf Engpässe oder einen erschwerten Zugang zu bestimmten Medikamenten erhalten habe. Laut seinen Angaben bestand diese Situation bereits vor Ausbruch des Krieges und hat sich durch die Zunahme der wirtschaftlichen und logistischen Beschränkungen weiter verschärft. Laut Valipour sind diese Engpässe vor allem bei bestimmten Antibiotika, Medikamenten für chronisch Kranke, Seren und medizinischem Verbrauchsmaterial zu beobachten. Er ging auch auf die Situation der Allgemeinmediziner ein und erklärte, dass entgegen der landläufigen Meinung viele von ihnen – insbesondere im öffentlichen Sektor und in benachteiligten Gebieten – mit Existenzproblemen und mangelnder Arbeitsplatzsicherheit zu kämpfen hätten, obwohl sie eine große Verantwortung tragen, ständig Bereitschaftsdienste leisten und ein hohes Patientenaufkommen haben.









