Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Krieg, Revolution & Menschenrechtsverletzungen
65. Tag der Revolution
Berichtzeitraum: 24. Februar bis 3. März
Vom 24. Februar bis zum 3. März 2026 hat sich die Sicherheitslage im Iran dramatisch verändert. Am 28. Februar 2026 haben die Vereinigten Staaten und Israel einen koordinierten militärischen Angriff begonnen, bei dem der Oberste Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, sowie mehrere hochrangige Militärführer getötet wurden. Dieses Ereignis hat eine weitere Eskalation des ohnehin schon angespannten regionalen Konflikts ausgelöst. In der Folge kam es zu einer Reihe von Luftangriffen auf strategische militärische Einrichtungen im Iran, auf US-Stützpunkte und Ziele in der Region sowie zu Gegenangriffen Irans mittels Raketen und Drohnen auf die umliegenden Golfstaaten. Diese militärischen Auseinandersetzungen haben auch zu zivilen Verlusten sowie zu einer neuen Qualität iranischer Gegenmaßnahmen geführt.
Besonders tragisch ist der Angriff auf die Shajareh-Tayyebeh-Grundschule in Minab in der südlichen Provinz Hormozgan dar. Dabei kamen nach offiziellen iranischen Angaben circa 60 bis 80 Schüler ums Leben, als ein Raketen- oder Luftschlag das Schulgebäude zerstörte. In Minab leben viele ethnische Minderheiten, darunter die Belutschen.
Die Shajareh-Tayyebeh-Schule-in der südiranischen Stadt Minab befindet sich in unmittelbarer Nähe zu mehreren Gebäuden, die mit dem Korps der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC) in Verbindung stehen. Dazu gehören die „Shahid Absalan Clinic“, die vom medizinischen Kommando der IRGC Navy betrieben wird, sowie der „Seyyed al-Shohada Cultural Complex“ der IRGC. Laut Angaben von Anwohnern wurden alle Schulen in der Region nach einer vorherigen Warnung geschlossen – mit Ausnahme dieser Schule, die am Tag des Angriffs geöffnet war. Warum ausgerechnet diese Schule nicht geschlossen und damit die Kinder der Gefahr ausgesetzt wurden, verbleibt eine offene Frage.
Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle
Javad Kazemi war ein 13-jähriges Kind, das keine Mutter hatte und bei seinem behinderten Vater lebte, der als Ernährer der Familie fungierte. Er wurde am 8. Januar von Schlägern der repressiven Kräfte von Ali Khamenei ermordet. Ihm wurde ins Bein, ins Herz und schließlich in den Kopf geschossen.
Donya Salmani war 25 Jahre alt und wohnte in Parand, einem Zentralbezirk des Landkreises Robat Karim in der Provinz Teheran. Am 8. Januar 2026 stand sie unbewaffnet und friedlich in einer belebten Straße inmitten in einer Menschenmenge, als sie eine Kugel aus dem Gewehr eines Scharfschützen direkt in den Kopf traf.
Majid Farnia, wohnhaft in Chalus (Provinz Māzandarān) und geboren 1978 (46 Jahre alt) nahm eine Videobotschaft auf, bevor er protestieren ging. Im Video sagte er: „Ich gehe hinaus, nicht für mich selbst, sondern für unsere Söhne.“ Sein Leichnam wies schreckliche Narben und eine Kugel im Kopf auf.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtungsgefahr:
Der Lehrer Mahmoud Bagheri, der bereits seit 25 Jahren den Lehrberuf ausübt, wurde am 14. Februar in seinem Haus in der Stadt Hengam in der Provinz Hormozgan festgenommen. Bislang liegen keine Informationen über seinen Zustand oder seinen Haftort vor und seiner Familie wurde das Besuchsrecht verweigert. Darüber hinaus wurde sein Sohn Hossein Bagheri trotz seiner Krankheit und einer Operation am Kopf am 21. Februar festgenommen. Die Familie macht sich große Sorgen, da sie keine Informationen über den Zustand von Vater und Sohn erhält.
Hadis Naseri wurde am 9. Januar in Minab in der Provinz Hormozgan festgenommen. Ihr wird vorgeworfen, bei den Protesten eine „führende Rolle“ gespielt zu haben. Über ihren Aufenthaltsort gibt es nach wie vor keine Informationen.
Parnian Khodabakhshi, eine 20-jährige Studentin der Fakultät für Werkstofftechnik und -wissenschaften an der Sharif-Universität in Teheran, wurde am 28. Februar festgenommen. Sicherheitskräfte hatten zuvor ihre Wohnung gestürmt. Ihr Foto und ihre Identität waren auf Kanälen der staatlichen Basiji-Milizen veröffentlicht worden, wodurch sie zur Festnahme ausgeschrieben wurde.
Zusätzlich zu Parnians Verhaftung drangen Berichten zufolge bewaffnete Zivilbeamte und Basiji-Studenten in das Studentenwohnheim ein, um mehrere protestierende Studenten zu verhaften, deren Namen in den letzten Tagen auf denselben Kanälen veröffentlicht worden waren. In der derzeitigen von Krieg geprägten Atmosphäre erhöht die Veröffentlichung von Namen und Fotos protestierender Studenten das unmittelbare Risiko gewaltsamer Razzien, Verschleppungen, Folter oder sogar Hinrichtungen für die Betroffenen.
In den sozialen Medien berichten eine Reihe von Menschenrechts- und politischen Aktivisten, dass das Großgefängnis von Teheran (Fashafouyeh) im Süden der Stadt angegriffen wurde. Laut veröffentlichten Berichten wurde der Verwaltungsbereich des Gefängnisses am Montag, dem 2. März, Ziel von Luftangriffen und erlitt schwere Schäden. Zwar war der Verwaltungsbereich des Gefängnisses das Ziel dieses Angriffs, doch durch die Explosion wurden auch mehrere allgemeine Zellenblöcke zerstört und Gefangene verletzt oder gar getötet.
Hossein Razzagh, ein politischer Aktivist und ehemaliger politischer Gefangener, berichtet, dass die Gefangenen nach dem Angriff aus den Zellenblöcken gebracht wurden, während einer Razzia durch bewaffnete Regimeschergen jedoch schwer unterdrückt wurden.
Es gibt auch Berichte von Familien, deren Angehörige im Gefängnis sitzen. Demnach wurden einige Gefangene aufgrund von Platzmangel in den Strafvollzugsbereich gebracht. Nun wird das Leben der politischen Gefangenen von Kriminellen innerhalb des Gefängnisses bedroht. Diese Kriminellen behaupten, die Proteste hätten den Krieg verursacht und seien somit verantwortlich für die unangenehme Situation im Gefängnis und im Land. Die politischen Gefangenen sind nun innerhalb des Gefängnisses selbst in Lebensgefahr, was den Druck auf ihre Familien und Aktivisten hinsichtlich ihrer Sicherheit erhöht.










