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Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

Hinrichtungen, willkürliche Verhaftungen und wachsende wirtschaftliche Not

270. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: 21. September bis 5. Oktober 2026

Allgemeine Lage:

In den vergangenen zwei Wochen kam es im Iran erneut zu Hinrichtungen, staatlicher Repression und zunehmender wirtschaftlicher Not. Besonders alarmierend sind die jüngsten Hinrichtungen: Am 5. Oktober wurden Alireza Sepahi und Alireza Raisi in Isfahan hingerichtet. Beide waren im Zusammenhang mit den Protesten im Januar festgenommen worden . Bereits im September wurden mindestens 68 Menschen hingerichtet, darunter vier politische Gefangene und vier Frauen.  

Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Lage weiter. Anfang Oktober erreichte der Wert der iranischen Währung einen neuen Tiefstand, während die Inflation weiterhin bei über 70 Prozent liegt. Die Preise für grundlegende Güter sind für viele Menschen kaum noch bezahlbar. Die Kombination aus wirtschaftlicher Unsicherheit, anhaltendem Krieg und staatlicher Repression bedeutet für die Bevölkerung eine immer größere Belastung. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen im Iran vom 21. September bis zum 5. Oktober 2026. 

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle

Der 31-jährige Zahnarzt Pedram Argha wurde am 8. Januar 2026 während der Volksproteste in der Provinz Kermanshah angeschossen und schwer verletzt. Er hatte einen der Kräfte zur Rede gestellt, der vor seiner Praxis einen Demonstranten geschlagen hatte. Argha erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. 

Am gleichen Tag wurde Sonia Salehi-Rad, 33-jährige Englischlehrerin und Übersetzerin aus Schiraz in der Provinz Fars, durch einen direkten Kopfschuss  getötet.  

Auch der 21-jährige Moein Basiri aus dem Teheraner Stadtteil Andisheh wurde am dem 8. Januar 2026 erschossen. Der Schuss wurde von einem Dach aus abgefeuert und traf Moein direkt ins Herz. Moein Basiri war Friseur und studierte Psychologie. 

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

Am Montag, den 5. Oktober, wurden im Dashtgard-Gefängnis der Stadt die Todesurteile gegen Alireza Raisi und Alireza Sepahi vollstreckt. Die beiden gehörten zu den während der Proteste im Januar 2026 Festgenommenen und waren im sogenannten „Fall des Alikhani-Platzes" in Isfahan verurteilt worden. Ihre Gerichtsverfahren wurden überstürzt durchgeführt und ihre Anwälte hatten kaum oder gar keinen Zugang zu ihnen. 

Amir Farniya, der 23-jährige Sohn von Majid Farniya, der am 8. Januar 2026 in Chalus in der Provinz Mazandaran von Anhängern des Regimes/den Revolutionsgarden erschossen wurde, befindet sich weiterhin in Haft. Er wurde am 29. September 2026 festgenommen. Bislang wurden keine Informationen über den Grund seiner Festnahme, die zuständige Behörde oder seinen Haftort veröffentlicht. Bevor Majid Farniya an den Protesten teilgenommen hatte, nahm er ein Video auf, in dem er seine Liebe zu seiner Familie zum Ausdruck gebracht hatte. Darin sagte er: „Ich gehe hinaus, nicht für mich selbst, sondern für unsere Söhne … Freiheit muss mit dem eigenen Leben bezahlt werden." 

Der Aktivist für Kinder- und Arbeitsrechte Gholamhossein (Hassan) Saremi wurde am 1. Oktober 2026 in Teheran von Zivilbeamten festgenommen und an einen unbekannten Ort gebracht. Zum Zeitpunkt der Verhaftung legten die Beamten ihm oder seiner Familie weder einen Haftbefehl noch eine gerichtliche Anordnung vor. Saremi leidet Berichten zufolge an Prostatakrebs. Sein Zugang zu notwendigen Medikamenten und medizinischer Versorgung wurde eingeschränkt. Der 1956 geborene Sozialaktivist verfügt über einen Master-Abschluss in Sozialwissenschaften und setzt sich seit Langem für Kinder- und Arbeitnehmerrechte ein. Er war bereits zuvor festgenommen worden und wurde aus dem Evin-Gefängnis entlassen, nachdem er etwa zwei Jahre in Haft verbracht und eine Quarantänezeit absolviert hatte. Die erneute Festnahme fand zu einem Zeitpunkt statt, an dem keine Informationen über mögliche Anklagepunkte, einen richterlichen Beschluss oder den Verlauf seines Verfahrens vorlagen. 

Die 20-jährige Aida Ghaderi wurde am 4. Oktober 2026, von Mitarbeitern des Staatsgeheimdienstes ohne richterlichen Haftbefehl in ihrer Wohnung in Saqqez Provinz Kurdistan festgenommen. Der Sportlerin wurde zudem der Zugang zu einem Anwalt, Telefonate sowie Besuche ihrer Familie verweigert. 

Weitere Menschenrechtsverletzungen: 

Wie die IGFM erfahren hat, sind laut dem Generalsekretär des „Nurses' House, Mohammad Sharifimoghaddam,  rund 70.000 Pflegekräfte aufgrund von Existenzsorgen und schlechten Arbeitsbedingungen zu Hause geblieben. Er erklärte außerdem, dass die Gehälter von Pflegekräften derzeit zwischen 530 und 593 Euro liegen. Er nannte zudem Personalmangel und die Zurückhaltung von Absolventen der Krankenpflege, in das Gesundheitswesen einzusteigen, als Faktoren, die den Druck auf die berufstätigen Pflegekräfte erhöhen. Laut Sharifimoghaddam führen lange und anstrengende Schichten zu weitverbreitetem Burnout sowie zu körperlichen und psychischen Gesundheitsproblemen. 

Am 5. Oktober ist „Welttag der Lehrer". Aktuell sind im Iran 13 Lehrer inhaftiert, 32 Lehrer verbüßen eine Haftstrafe und zwei befinden sich im Exil in den 19 Provinzen des Irans.  

Alireza Jafari-Assar, Seyed Mohammad Seyed-Oboudi und Hossein Mohammadi wurden jeweils zu einer vorübergehenden zweisemestrigen Suspendierung vom Studium  verurteilt. Damit wurde diesen Studierenden der Zutritt zur Universität untersagt. Die Disziplinarentscheidungen gegen die drei Studierenden wurden nach Prüfung durch den Zentralrat des Wissenschaftsministeriums bestätigt. 

Die IGFM weist darauf hin, dass es eine weitere Form der Unterdrückung und Einschüchterung sei, aktive Studierende von ihren Schulen/Universitäten zu entfernen. 

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Politische Gefangene der Iran Revolution

Nach den Massenprotesten im Iran Anfang 2026 kam es zu massiven Gräueltaten von iranischen Regimekräften mit zehntausenden getöteten Zivilisten. Die IGFM veröffentlicht auf dieser Seite kurze Portraits von iranischen Zivilisten, die im Zuge der Iran Revolution 2026 willkürlich festgenommen wurden und u.a. die Hinrichtung droht. Oftmals ist nur wenig Information vorhanden.

Peyvand Naimi

Der Bahá’í Peyvand Naimi wurde ohne Beweise festgenommen und wird unter schwerer Folter sowie Scheinhinrichtungen zu falschen Geständnissen gezwungen. Aufgrund seiner religiösen Identität droht ihm in einem unfairen Verfahren die Todesstrafe, während ihm trotz kritischen Zustands jede medizinische Hilfe verweigert wird.

Borna Naimi

Der Karate-Sportler Borna Naimi wurde aufgrund seiner Bahá’í-Zugehörigkeit inhaftiert und durch Elektroschocks, Scheinhinrichtungen sowie Drohungen gegen seine kleine Tochter zu einem falschen Geständnis gezwungen. Ohne Beweise oder rechtlichen Beistand droht dem Familienvater nun die Todesstrafe, während ihm die notwendige medizinische Behandlung seiner Folterverletzungen verweigert wird.

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