Sie wollen Nasrin Sotoudeh sterben sehen 

Nasrin Sotoudeh ist eine Menschenrechtsverteidigerin, die sich für Frauenrechte und gegen den Kopftuchzwang in ihrer Heimat stark gemacht hat.

Die bekannteste Menschenrechtsverteidigerin des Irans, Nasrin Sotoudeh, hatte am 1. Oktober 2020 den Alternativen Nobelpreis der schwedischen Right Livelihood Foundation erhalten. Vier Tage zuvor hatte Nasrin Sotoudeh gemeinsam mit einer weiteren politischen Gefangenen einen knapp 50-tägigen Hungerstreik beendet. Die IGFM organisierte im September und Oktober 2020 Mahnwachen vor den iranischen Generalkonsulaten in Frankfurt und München, um für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh und anderen politischen Gefangen zu demonstrieren.

Gesundheitszustand der bekanntesten politischen Gefangenen des Iran verschlechtert sich zunehmend

Teheran / Frankfurt am Main, 15. Oktober 2020 – Trotz internationaler Aufmerksamkeit kein Einlenken des iranischen Regimes: Der Gesundheitszustand der bekanntesten politischen Gefangenen des Iran, Nasrin Sotoudeh, verschlechtert sich dramatisch. Das hat die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) von Nasrins Ehemann Reza Khandan erfahren. So hat die Frauenrechtlerin momentan Herzprobleme sowie starke Schwierigkeiten beim Atmen. Außerdem stellte sich heraus, dass mindestens sechs der sie bewachenden Wärterinnen an COVID-9 erkrankt sind. Die IGFM fordert das iranische Regime auf, Nasrin Sotoudeh umgehend medizinische Behandlung zu ermöglichen und die 57-Jährige freizulassen.

„Nasrins Leben ist in akuter Gefahr. Wir sind von den neuesten Informationen bezüglich ihres Gesundheitszustands überaus alarmiert. Ihr Wille konnte nicht gebrochen werden, daher wollen sie diese mutige Menschenrechtsaktivistin sterben sehen“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Selbst die Gefängnisärzte waren geschockt
Nasrin Sotoudeh war aus Protest gegen die unmenschlichen Haftbedingungen fast 50 Tage im Hungerstreik und am 19. September wegen Kurzatmigkeit, Herzproblemen und sehr niedrigem Blutdruck auf die Intensivstation des Taleghani Hospitals eingeliefert worden. Nach fünf Tagen ohne medizinische Behandlung wurde sie wieder ins Evin-Gefängnis gebracht. Nach Aussage ihres Ehemannes waren selbst die Gefängnisärzte geschockt, dass sie in diesem Zustand zurückgebracht wurde – einer protestierte sogar dagegen. Nach Informationen der IGFM stellte sich zudem heraus, dass sich mindestens sechs ihrer Wärterinnen, die Sotoudeh im Krankenhaus Tag und Nacht am Krankenbett bewachten, mit COVID-19 infiziert haben. „Unabhängige Ärzte, die Nasrins Krankenakte gelesen haben, sehen ihren Rücktransport ins Gefängnis als Versuch, ihr Leben absichtlich in Gefahr zu bringen“, so die IGFM.

Nasrin Sotoudeh war 2019 zu 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt worden. Am 11. August trat sie in den Hungerstreik, um auf die katastrophalen Haftbedingungen für Bürgerrechtler aufmerksam zu machen, die dem Coronavirus im Gefängnis ungeschützt ausgesetzt sind. Erst kürzlich wurde sie auf Vorschlag der IGFM durch den Menschenrechtspreis des Deutschen Richterbundes geehrt. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass sie den Alternativen Nobelpreis erhält. Die IGFM setzt sich kontinuierlich mit Kampagnen und Aktionen für ihre Freilassung ein – erst kürzlich mit Mahnwachen vor iranischen Vertretungen in Deutschland. Nasrin Sotoudeh gehört dem Kuratorium der IGFM an.

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