Katsiaryna Andreeva

Die belarusische Journalistin wurde nach ihrer Berichterstattung im November 2020 über das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften gegenüber Demonstranten mit ihrer Kollegin Darya Chultsova verhaftet und wegen „Störung des öffentlichen Verkehrs“ zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli 2022 wurde sie wegen „Hochverrats“ zu weiteren 8 Jahren Gefängnis verurteilt.
10 Jahre Gefängnis wegen kritischer Berichterstattung
Katsiaryna Andreeva ist eine belarusische Journalistin, die seit 2017 für den unabhängigen belarusischen Fernsehkanal Belsat TV berichtet. Sie ist seit 2016 mit Ihar Ilyash verheiratet. Nach ihrem Journalismustudium arbeitete sie zunächst zwei Jahre in Spanien, anschließend bei der belarusischen Zeitung Nasha Niwa.
Festnahme, Anklage und Prozess
Am 15. November 2020 wurde sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Darya Chultsova verhaftet, nachdem sie live über das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften gegen friedliche Demonstrierende berichtet hatte. Wegen angeblicher „Organisation von Handlungen, die grob die öffentliche Ordnung verletzen“, wurde Andreeva zu zwei Jahren Haft verurteilt. Andreeva sitzt derzeit im Gefängnis von Gomel.
Die Demonstration, von der Andreeva und Chultsova berichtet hatten, war eine Mahnwache für den von der Polizei getöteten Raman Bandarenka. Nach ihrer Verhaftung wurden sie auf Grundlage von Art. 342 des belarusischen Strafgesetzbuches angeklagt.
Ursprünglich nur zu einer kurzen Administrativhaft von sieben Tagen verurteilt, ließen die Behörden Andreeva nach deren Ablauf allerdings nicht frei. Stattdessen erhob die Staatsanwältin Alina Kasiyanchyk eine neue Anklage wegen „Störung des öffentlichen Verkehrs“ gegen die Journalistin. Am 18. Februar 2021 wurde die Journalistin von Richterin Natallia Buhuk zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Das Berufungsgericht in Minsk bestätigte das Urteil am 23. April 2021.
Am 13. Juli 2022 fand ein weiter Prozess hinter verschlossenen Türen in Gomel statt. Bei diesem wurde Andreeva der Anklage des „Hochverrats“ für schuldig befunden und zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt.
Reaktion auf Urteil
Die Geschichte von Andreeva und Chultsova löste international Empörung aus. So forderte die US-Botschaft in Belarus am 8. Februar 2021 in einer Stellungnahme die sofortige Freilassung der beiden Journalistinnen. Auch der polnische Präsident Andzrej Duda rief die belarusische Regierung unmittelbar nach der Urteilsverkündung zu ihrer Freilassung auf. Seit dem 21. Juni 2021 stehen die für Anklage und Prozess verantwortlichen Personen auf der Sanktionsliste der Europäischen Union gegen Belarus.
Auszeichnungen
Für ihre mutige Berichterstattung wurde die Belarusin mehrfach ausgezeichnet, beispielsweise mit dem Axel-Springer-Preis für junge Journalisten, dem Dariusz-Fikus-Preis der polnischen Journalistenorganisation „Presseclub Polska“ oder dem „Courage in Journalism Award“. 2020 erhielten Andreeva und Chultsova zudem gemeinsam die Ehrung als Journalistinnen des Jahres in Belarus.
Anfang Oktober 2022 wurde Katsiaryna von SIZO-3 in die Strafkolonie Nr. 4 in Gomel verlegt.
Stand: November 2023


