Luis Manuel Otero Alcántara 

Der Künstler Luis Manuel Otero Alcántara wurde am 11. Juli 2021 verhaftet, weil er Menschen in den sozialen Medien friedlich aufgerufen hatte, sich den massiven Protesten auf der Insel anzuschließen. Dafür wurde er am 24. Juni 2022, nach über einem Jahr in Untersuchungshaft, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt.

Otero Alcántara zu 5 Jahren Haft verurteilt!

Der bekannte kubanische Künstler und Bürgerrechtsaktivist Luis Manuel Otero Alcántara wurde am 11. Juli 2021 erneut verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich massive Protestmärsche durch die Straßen Kubas, die für die allgemeine Meinungsfreiheit und die Freiheit künstlerischer Expression demonstrierten. Otero Alcántara ist Mitgründer der Bewegung „Sin Permiso del 349“, die sich gegen das Dekret der kubanischen Regierung richtet, nur politisch konforme und staatlich erwünschte Kunst zu dulden, was einer Zensur gleichkommt. Im Guananjay-Gefängnis trat er am 27. September 2021 für zwei Wochen in den Hungerstreik.

Erneute Verhaftung
Luis Otero Alcántara wurde am 11. Juli 2021 festgenommen, als er gerade sein Haus verließ. Er hatte zuvor über Facebook eine Einladung an die Öffentlichkeit verbreitet, sich den friedlichen Protesten gegen die Regierung anzuschließen, die zu diesem Zeitpunkt überall auf der Insel stattfanden. Als offizieller Grund für die Verhaftung wurde dem Künstler „Anstiftung zu öffentlicher Unruhe“ sowie „Störung der öffentlichen Ordnung“ vorgeworfen. Er ist seitdem in Haft.

Er wurde zunächst im Zentrum Havannas in der Villa Marista festgehalten, eine Woche später jedoch ins Hochsicherheitsgefängnis von Guanajay verlegt. Er wird dort von der Außenwelt weitestgehend isoliert, darf nur in Ausnahmefällen telefonieren und keinen Besuch empfangen. Um auf seine widrige Haft aufmerksam zu machen und um die Freiheit derjenigen Aktivisten zu fordern, die während der friedlichen Proteste ebenfalls zu Unrecht festgenommen worden waren, begab sich Otero am 27. September 2021 erneut in einen Hungerstreik – nunmehr zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres. Angesichts seines schlechten Gesundheitszustands beendete er seine Nahrungsverweigerung nach zwei Wochen am 13. Oktober.

Haftbedingungen und gesundheitlicher Zustand
Bereits am 27. März 2021 hatte sich Otero Alcántara in einen Hungerstreik begeben, um gegen die Beschlagnahmung seiner Kunst durch die Regierung zu protestieren. Am 2. Mai 2021 wurde er gewaltsam in das Krankenhaus Calixto Garcia in Havanna gebracht und dort bis Ende des Monats gegen seinen Willen festgehalten. Obwohl er nicht wirklich inhaftiert war, durfte er mit niemandem sprechen und nur einmal Besuch seines Onkels erhalten, während er im Krankenhaus lag. Zudem wurde er permanent von der Polizei überwacht.

Seit Januar 2022 befand sich Otero Alcántara erneut im Hungerstreik. Am 15. Februar 2022 richtete sich die kubanische Bürgerrechtsbewegung „San Isidro“ mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit und warnte, dass der Bürgerrechtsaktivist sehr schwach sei und kaum noch sprechen könne. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seinen Hungerstreik im Juli 2022 beenden. Seiner Familie wird der Kontakt zu Otero Alcántara verwehrt.

Verurteilung
Nach einem Prozess am 30. und 31. Mai 2022, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde er am 24. Juni 2022 zu fünf Jahren Haft verurteilt. In dem Urteil hieß es, diese Strafe werde für „die Beleidigung der Nationalflagge“ in „erniedrigenden Handlungen, begleitet von notorisch beleidigenden und respektlosen Äußerungen“ die er später in sozialen Netzwerken geteilt habe, verhängt.

Otero Alcántara spielt seine „Hard Hat Novena“. Foto: Artists at Risk Connection

Hintergrund und frühere Proteste/Verhaftungen

2018 erließ das kubanische Kulturministerium das Dekret 349, welches öffentliche Kunstäußerungen oder die Organisation von Veranstaltungen ohne Genehmigung der Regierung verbietet. Viele Künstler protestierten gegen dieses Gesetz, das die künstlerische Freiheit auf der Insel gravierend einschränkt.

Von diesen rigorosen Auflagen sind besonders die unabhängigen, die kritischen Kulturschaffenden betroffen, die nicht zum Zirkel der offiziell gewünschten Kultur zählen. In ihrer Empörung scheuen sie nicht vor drastischen Aktionen zurück.

Im Vorfeld der Verhaftungen vom September 2018 demonstrierte Luis Alcántara vor dem Capitolio in Havanna für Freiheit und startete einen Aufruf zum Ende der künstlerischen Zensur. Daraufhin ergriffen ihn drei Polizisten und versuchten ihn in ein Fahrzeug zu sperren. Kurz darauf erschien eine junge Frau, die Kunstkuratorin Yanelis Núñez, und übergoss sich mit Fäkalien. Auf dem Video, das die Aktion festhält, erklärt ein Schriftzug die Aktion: „Das Regime betrachtet uns unabhängige Künstler als die letzte Scheiße.“ Nach Zahlung einer Geldstrafe von 200 Pesos wurde Otero Alcántara freigelassen, nachdem er zwei Tage in einer Zelle der Polizeieinheit El Vivac in Havanna verbracht hatte.

Am 1. März 2020 wurde Otero Alcántara erneut verhaftet, als er sein Haus verließ, um an einer LGBTQ-Demonstration teilzunehmen. Er und seine Freundin Claudia Genlui wurden geschlagen und ihre Mobiltelefone wurden beschlagnahmt. Otero wurde am 14. März 2020 freigelassen.

Oft benutzt er die Absurdität als Stilmittel, um zu beweisen, dass die Unterdrückung durch das kubanische Regime ebenso absurd sein kann wie die verbotene Kunst. Bei einer Aktion mit dem Titel „Drapeau“ trug er insgesamt dreißig Tage lang eine kubanische Flagge um die Schultern gewickelt durch die Straßen Havannas. Diese Aktion war gegen ein Gesetz gerichtet, das genau vorschreibt, auf welche Art und Weise die kubanische Flagge in der Öffentlichkeit gezeigt werden darf.

Im Jahr 2020 führte er außerdem die „Hard Hat Novena“ auf, eine Performance, bei der er einen Helm mit der Aufschrift „Kinder werden geboren, um glücklich zu sein, nicht um in Erdrutschen zu sterben“ trug, um den Tod von drei Schulmädchen in Havanna zu kritisieren und zu betrauern, die bei einem von der Regierung verschuldeten Bauunfall ums Leben kamen.

Otero Alcántara wurde oft aus nichtigen Gründen inhaftiert, z.B. aus „präventiven“ Gründen oder „zu seiner eigenen Sicherheit“, sodass ein Überblick über die repressiven Maßnahmen seitens der kubanischen Regierung gegen ihn nur schwer zu bewahren ist. Seit 2017 wurde Otero mindestens 21 Mal verhaftet. Laut mancher Quellen sollen es sogar mehr als 50 Mal gewesen sein.

Otero Alcántara wurde meist einzig und allein aufgrund internationalen Drucks wieder freigelassen und ist daher besonders auf die Unterstützung und Aufmerksamkeit der westlichen Welt angewiesen.

Werdegang und Rezeption

Otero Alcántara (Jahrgang 1987) ist im Viertel Cerro, einem der ärmsten in Havanna, geboren und aufgewachsen. Kunst war ihm ursprünglich fremd, bis er im Alter von 17 Jahren von seinen Freunden animiert wurde, sich künstlerisch auszudrücken. Er begann, seine eigenen Werke zu schaffen, zunächst in Form von Skulpturen. Heute gilt er in erster Linie als Performance-Künstler und benutzt seinen Körper als primäres Mittel der Darstellung. Die kubanische Regierung lehnt seine Bedeutung als Künstler bis heute vehement ab, weil er nie eine Kunstschule besucht hat; Ein Argument, welches man getrost als „vorgeschoben“ bezeichnen kann. So hat das Time-Magazine Otero Alcántara im letzten Jahr (2021) in die Liste 100 einflussreichsten Personen aufgenommen.

Stand: August 2022

So können Sie Luis Manuel helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den Politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Luis Manuel Otero im Guanajay-Gefängnis:

To

Mr. Luis Manuel Otero Alcántara

Prisión de máxima seguridad Guanajay

32200 Guanajay

KUBA

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte schreiben Sie an den Präsidenten Kubas, Miguel Díaz Canel, über die kubanische Botschaft. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen:

Herr Präsident

Miguel Díaz Canel

c/o Botschaft der Republik Kuba

Stavangerstrasse 20

10439 Berlin

Fax: 030 916 45 53

Wie schreibe ich einen Appell?

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Gefangenschaft des kubanischen Künstlers Luis Manuel Otero Alcántara aufmerksam zu machen, der unschuldig in Haft sitzt.

Ich appelliere an Sie, Herrn Otero Alcántara wegen erwiesener Unschuld umgehend und ohne Auflagen frei zulassen. Bitte schützen Sie die Grundrechte des Künstlers auf freie Meinungsäußerung, Meinung und Kunst.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und bitte Sie herzlich, mich darüber zu informieren, was Sie zur Freilassung von Herrn Otero Alcántara unternehmen werden.

Hochachtungsvoll

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#LuisManuelOteroAlcántara

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