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Luis Manuel Otero Alcántara 

Der Künstler Luis Manuel Otero Alcántara wurde am 11. Juli 2021 verhaftet, weil er Menschen in den sozialen Medien friedlich aufgerufen hatte, sich den massiven Protesten auf der Insel anzuschließen. Dafür wurde er am 24. Juni 2022, nach über einem Jahr in Untersuchungshaft, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Im Juli 2026 wurde er endlich freigelassen. Foto: Renate Winter

Künstler nach Jahren willkürlicher Haft endlich frei!

Luis Manuel Otero Alcántara
Geburtsdatum: 1987

Festnahme: 11. Juli 2021

Vorwurf: u.a. „Anstiftung zu öffentlicher Unordnung“

Urteil: 5 Jahre Gefängnis

Seit Juli 2026 endlich wieder frei!

Luis Manuel Otero Alcántara ist im Viertel Cerro, einem der ärmsten in Havanna, geboren und aufgewachsen. Kunst war ihm ursprünglich fremd, bis er im Alter von 17 Jahren von seinen Freunden animiert wurde, sich künstlerisch auszudrücken. Er begann, seine eigenen Werke zu schaffen, zunächst in Form von Skulpturen. Heute gilt er in erster Linie als Performance-Künstler und benutzt seinen Körper als primäres Mittel der Darstellung. Die kubanische Regierung lehnt seine Bedeutung als Künstler bis heute vehement ab, weil er nie eine Kunstschule besucht hat.

Oft benutzt er die Absurdität als Stilmittel, um zu beweisen, dass die Unterdrückung durch das kubanische Regime ebenso absurd sein kann wie die verbotene Kunst. Im Jahr 2020 führte er die „Hard Hat Novena“ auf, eine Performance, bei der er einen Helm mit der Aufschrift „Kinder werden geboren, um glücklich zu sein, nicht um in Erdrutschen zu sterben“ trug, um den Tod von drei Schulmädchen in Havanna zu kritisieren und zu betrauern, die bei einem von der Regierung verschuldeten Bauunfall ums Leben kamen.

Der bekannte Künstler und Bürgerrechtsaktivist wurde am 11. Juli 2021 erneut verhaftet. Zu diesem Zeitpunkt bewegten sich massive Protestmärsche durch die Straßen Kubas, die für die allgemeine Meinungsfreiheit und die Freiheit künstlerischer Expression demonstrierten. Luis ist Mitgründer der Bewegung „Sin Permiso del 349“, die sich gegen das Dekret der kubanischen Regierung richtet, nur politisch konforme und staatlich erwünschte Kunst zu dulden, was einer Zensur gleichkommt. Im Juli 2026 wurde er nach mehr als fünf Jahren Haft freigelassen.

Festnahme
Luis wurde am 11. Juli 2021 festgenommen, als er gerade sein Haus verließ. Er hatte zuvor über Facebook eine Einladung an die Öffentlichkeit verbreitet, sich den friedlichen Protesten gegen die Regierung anzuschließen, die zu diesem Zeitpunkt überall auf der Insel stattfanden. Als offizieller Grund für die Verhaftung wurde dem Künstler „Anstiftung zu öffentlicher Unruhe“ sowie „Störung der öffentlichen Ordnung“ vorgeworfen. Er wurde zunächst im Zentrum Havannas in der Villa Marista festgehalten, eine Woche später jedoch ins Hochsicherheitsgefängnis von Guanajay verlegt.

Untersuchungshaft und Hungerstreiks
Am 27. März 2021 hatte sich Luis in einen Hungerstreik begeben, um gegen die Beschlagnahmung seiner Kunst durch die Regierung zu protestieren. Am 2. Mai 2021 wurde er gewaltsam in das Krankenhaus Calixto Garcia in Havanna gebracht und dort bis Ende des Monats gegen seinen Willen festgehalten. Obwohl er nicht wirklich inhaftiert war, durfte er mit niemandem sprechen und nur einmal Besuch seines Onkels erhalten, während er im Krankenhaus lag. Zudem wurde er permanent von der Polizei überwacht.

Um auf seine unrechtmäßige Haft aufmerksam zu machen und die Freiheit derjenigen Aktivisten zu fordern, die während der friedlichen Proteste ebenfalls zu Unrecht festgenommen worden waren, begab sich Luis am 27. September 2021 erneut in einen Hungerstreik. Angesichts seines schlechten Gesundheitszustands beendete er seine Nahrungsverweigerung nach ca. zwei Wochen.

Seit Januar 2022 befand sich Luis erneut im Hungerstreik. Am 15. Februar 2022 richtete sich die kubanische Bürgerrechtsbewegung „San Isidro“ mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit und warnte, dass der Bürgerrechtsaktivist sehr schwach sei und kaum noch sprechen könne. Aus gesundheitlichen Gründen musste er seinen Hungerstreik im Juli 2022 beenden. Seiner Familie wird der Kontakt zu Luis verwehrt.

Urteil 2022
Nach einem Prozess am 30. und 31. Mai 2022, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, wurde er am 24. Juni 2022 zu fünf Jahren Haft verurteilt. In dem Urteil hieß es, diese Strafe werde für „die Beleidigung der Nationalflagge“ in „erniedrigenden Handlungen, begleitet von notorisch beleidigenden und respektlosen Äußerungen“ die er später in sozialen Netzwerken geteilt habe, verhängt.

Hintergrund und frühere Proteste/Verhaftungen
2018 erließ das kubanische Kulturministerium das Dekret 349, welches öffentliche Kunstäußerungen oder die Organisation von Veranstaltungen ohne Genehmigung der Regierung verbietet. Viele Künstler protestierten gegen dieses Gesetz, das die künstlerische Freiheit auf der Insel gravierend einschränkt.

Im Vorfeld der Verhaftungen vom September 2018 demonstrierte Luis  vor dem Capitolio in Havanna für Freiheit und startete einen Aufruf zum Ende der künstlerischen Zensur. Daraufhin ergriffen ihn drei Polizisten und versuchten ihn in ein Fahrzeug zu sperren. Nach Zahlung einer Geldstrafe von 200 Pesos wurde Luis freigelassen, nachdem er zwei Tage in einer Zelle der Polizeieinheit El Vivac in Havanna verbracht hatte.

Am 1. März 2020 wurde Luis erneut verhaftet, als er sein Haus verließ, um an einer LGBTQ-Demonstration teilzunehmen. Er und seine Freundin Claudia Genlui wurden geschlagen und ihre Mobiltelefone wurden beschlagnahmt. Man ließ ihn am 14. März 2020 frei. Seit 2017 wurde Otero mindestens 21 Mal verhaftet. Laut mancher Quellen sollen es sogar mehr als 50 Mal gewesen sein.

Freilassung
Im Juli 2026 wurde Luis nach mehr als fünf Jahren Inhaftierung freigelassen und befindet sich nun im Exil in den USA. Seine Haft im Hochsicherheitsgefängnis Guanajay bei Havanna endete Mitte Juli 2026 unter der Bedingung, dass der Künstler nie wieder kubanischen Boden betritt. US-Außenminister Marco Rubio sagte im Zusammenhang mit der Ankunft des Künstlers am Flughafen in Miami (Florida) gegenüber n-tv: „Otero Alcántaras einziges ‚Vergehen‘ war, sich nicht zum Schweigen bringen zu lassen und seine Kunst zu nutzen, um die grundlegenden Freiheiten einzufordern, die den Kubanern seit nahezu sieben Jahrzehnten verweigert werden.“. Berichten zufolge möchte Luis seine künstlerische Tätigkeit fortsetzen und sich weiterhin für die Freiheit Kubas einsetzen. 

Stand: Juli 2026

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