Bürgerrechtlerin Martha Sánchez González

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Martha Sanchez Gonzalez wurde 2018 für ihren Einsatz gegen die Korruption und für die Einhaltung der Bürgerrechte auf Kuba zu vier Jahren Haft verurteilt. Am 29. Dezember 2020 wurde sie vorerst aus dem Gefängnis entlassen. Über die verbleibende Haftstrafe sollte im Januar 2021 entschieden werden.

Unter Hausarrest: Ungewisse Zukunft für „Dame in Weiß“

Die "Dame in Weiß" Martha Sanchez wurde am 11. März 2018 verhaftet.

Martha Sanchez wird bei einer Demonstration festgenommen. Bild: Twitter/privat

Martha Sánchez González (geboren 1961) ist Bürgerrechtlerin und Mitglied der „Damen in Weiß“ (Damas de Blanco), der international bekanntesten Bürgerrechtsbewegung Kubas. Martha Sánchez González wurde am 11. März 2018 verhaftet, als sie auf dem Weg zur Kirche San Marcos war. Die vierfache Mutter wurde wegen „Ungehorsam“, „Widerstand“, „Anstiftung zu einem Verbrechen“ und „Störung der öffentlichen Ordnung“ zu viereinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Sie saß ihre Strafe im Frauengefängnis von El Guatao neben Schwerkriminellen ab. Nach etwa zweieinhalb Jahren wurde sie am 29. Dezember 2020 wegen guter Führung auf Bewährung entlassen – unter der Auflage eines „guten sozialen Verhaltens“. Am 19. Januar 2021 wird über den weiteren Verlauf ihrer noch bis Mai 2022 laufenden Haftstrafe entschieden.

Sánchez González wurde am 11. März 2018 von der Polizei festgenommen, als sie mit anderen „Damen in Weiß“ auf dem Weg zur Pfarrei San Marcos Evangelista in Artemisa war. Als sie verhaftet wurde, rief sie „nieder mit der Wahlfarce“, „nieder mit den Castros“ und „Freiheit für die politischen Gefangenen“. Sie wurde von der Nationalen Revolutionspolizei (PNR) in Artemisa geschlagen und misshandelt. Beim Gerichtsprozess durfte Sánchez González keine Beweise oder Zeugen zu ihrer Verteidigung vorbringen und wurde lediglich von einem Pflichtverteidiger vertreten. Am 29. August 2018 wurde die Bürgerrechtlerin zu vier Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Katastrophale Zustände im Frauengefängnis
Die aktuell unter Hausarrest stehende Martha Sánchez González berichtete über die miserablen Zustände im Frauengefängnis von El Guatao. Es sei mit 800 bis 900 Insassinnen völlig überfüllt, unhygienisch, das Essen nicht nahrhaft und es gäbe keinerlei medizinische Versorgung. Seit Beginn der Corona-Pandemie wurden ihr Familienbesuche verwehrt. Außerdem spricht sie von Korruption und Missbrauch durch die Wärterinnen. Gegen die verheerenden Zustände im Gefängnis und der damit verbundenen Gefahr einer Covid-19 Ansteckung demonstrierte Sánchez González bereits Mitte April 2020 mit einem Hungerstreik. Keine der Gefangenen durfte einen Coronatest machen. Auch nach ihrer Entlassung in den Hausarrest betont Sánchez González, dass sie sich weiterhin für ein freies Kuba einsetzen werde.

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Ein Gruppe der „Damen in Weiß“ in Aktion

Hintergrund: Die Damen in Weiß
Die „Damen in Weiß“ ist die international bekannteste Bürgerrechtsbewegung Kubas. Sie wurde 2003 im so genannten kubanischen „schwarzen Frühling“ gegründet, als 75 Bürgerrechtler und unabhängige Journalisten willkürlich verhaftet wurden. Die Ehefrauen, Schwestern und Mütter politischer Gefangener setzen sich seitdem friedlich für die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba ein. Ganz in weiß gekleidet besuchen sie regelmäßig
die Sonntagsmessen in zahlreichen Städten Kubas und marschieren danach schweigend durch die Straßen. Dabei
halten sie eine Gladiole in der einen und ein Foto eines inhaftierten Angehörigen in der anderen Hand. Das Europäische Parlament zeichnete die „Damen in Weiß” im Dezember 2005 für ihren couragierten Einsatz für die
Menschenrechte mit dem Sacharow-Preis für Geistige Freiheit aus. Die Frauen werden regelmäßig von regimenahen Schlägergruppen angegriffen und von staatlichen Stellen an friedlicher Meinungsäußerung gehindert. Trotz dieser Gewalt und Repressalien weigern sich die Frauen, ihren Kampf für Menschenrechte und Freiheit in Kuba aufzugeben.

Weitere Informationen zu den Damen in Weiß

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