Olympische Spiele in China

In wenigen Tagen beginnen in Peking die olympischen Winterspiele. In China, einem Land, in dem schwere Menschenrechtsverbrechen an der Tagesordnung sind, werden abweichende Meinungen gewaltsam unterdrückt und Regimekritiker mit äußerster Härte verfolgt. Die IGFM betont, dass Peking niemals den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele hätte bekommen dürfen und verurteilt die Ankündigung Chinas, Olympiateilnehmer zu bestrafen, die mit ihren Äußerungen gegen chinesische Gesetze oder Regeln verstoßen.
Menschenrechte zählen mehr als Medaillen
IGFM kritisiert Einschränkung der Meinungsfreiheit von Sportlern bei den Olympischen Spielen
Peking / Frankfurt am Main, 31. Januar 2022 – Sportler kämpfen um Medaillen, Chinas Bürger um Leben und Freiheit: Kurz vor dem Beginn der Wettkämpfe ruft der Arbeitsausschuss China der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Sportlerinnen und Sportler dazu auf, die 24. Olympischen Winterspiele in Peking zu boykottieren und damit ein Zeichen für Menschenrechte zu setzen. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation kritisiert die anhaltenden schweren Menschenrechtsverletzungen in der Volksrepublik China und die Einschränkung der Meinungsfreiheit von Sportlern bei den Olympischen Spielen aufs Schärfste.
„Unterdrückung und schwerste Menschenrechtsverbrechen, wie sie in der Volksrepublik China derzeit geschehen, sind keineswegs mit der Olympischen Charta zu vereinbaren. Peking hätte nie den Zuschlag für die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2022 bekommen dürfen. Keine Spiele wären besser gewesen, als Sportler, Staatsgäste und Zuschauer zu Propagandazwecken einer kommunistischen Diktatur zu missbrauchen“, erklärt Hubert Körper, Sprecher des IGFM-Arbeitsausschusses China.
Kritische Stimmen aus In- und Ausland unerwünscht
Die IGFM kritisiert die Androhung durch Yang Shu des Pekinger Organisationskomitees aufs Schärfste, Olympiateilnehmer zu bestrafen, die mit Äußerungen gegen chinesische Gesetze oder Regeln verstoßen. Wer sich nicht in das Bild füge, das China von sich in die Welt tragen wolle, der werde durch Strafandrohung mundtot gemacht. Denn kritische Stimmen seien weder aus dem In- noch aus dem Ausland erwünscht. So sorgen sich Menschenrechtler aktuell um die chinesische Tennisspielerin Peng Shuai, die einen ehemaligen Spitzenfunktionär der Kommunistischen Partei Chinas öffentlich des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatte. Die chinesischen Behörden hatten eine Medien- und Internetsperre verhängt, die dreimalige Olympiasiegerin bleibt verschwunden.
China begeht Verbrechen gegen die Menschlichkeit
Die IGFM betont, dass das chinesische kommunistische Regime ausweislich des Schwarzbuchs des Kommunismus seit seiner Machtergreifung mehr als 65 Millionen Menschenleben auf dem Gewissen hat. Die IGFM erfährt regelmäßig von schwersten Menschenrechtsverletzungen und setzt sich seit Jahrzehnten für politische Gefangene in China ein. So werden in der Volksrepublik China weiterhin fundamentale Grundrechte wie Glaubens- und Versammlungsfreiheit sowie Meinungs- und Pressefreiheit mit Füßen getreten. Den Tibetern wird seit Jahren systematisch ihre Kultur und ihre Identität genommen, die Bevölkerung zwangsassimiliert. Uiguren werden in der Provinz Xinjiang zu Tausenden in Konzentrationslager deportiert. Erst vor Kurzem hat ein Londoner Tribunal unter dem Vorsitz von Sir Geoffrey Nice die VR China des Völkermordes an den Uiguren angeklagt. Mitte Januar hat auch das französische Parlament China in einer Resolution Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Genozid vorgeworfen.
Menschenrechtsverletzungen nicht mit Olympischen Spielen belohnen
Menschenrechtsanwälte, Bürgerrechtler, Oppositionelle, regimekritische Journalisten, Mitglieder christlicher Kirchen sowie die ursprünglich staatlich geförderte Meditationspraxis Falun Gong leiden weiterhin unter einer umfassenden staatlichen Verfolgung. Folter und Todesstrafe sind seit Jahren ein schrecklicher Bestandteil chinesischer Justiz. Zudem hat die kommunistische Partei im Laufe der Jahre etwa 400 Millionen Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibungen vornehmen lassen – teilweise bis wenige Wochen vor der Geburt. Die IGFM verweist auch auf die „zunehmende Bedrohung Taiwans und die Quasi-Annexion Hongkongs, die einen Vertragsbruch im Sinne des Völkerrechts darstellt“. Diese anhaltenden Menschenrechtsverletzungen dürfen nach Ansicht der Menschenrechtsorganisation nicht mit dem Prestige und der weltweiten Anerkennung belohnt werden, die mit der Ausrichtung der Olympischen Spiele einhergehen. Für ein Zeichen für Menschenrechte sei es nie zu spät.