Nadeschda Rossinskaja

Nadeschda Rossinskaja

Nadeschda Rossinskaja wurde im Februar 2024 verhaftet, weil sie ukrainische Zivilisten unterstützt und sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg positioniert hatte. Am 20. Juni 2025 verurteilte ein russisches Militärgericht sie wegen angeblichen Hochverrats und „Finanzierung von Terrorismus“ zu 22 Jahren Haft.

Für Hilfe an ukrainischen Zivilisten zu 22 Jahren Haft verurteilt

Nadeschda Rossinskaja (Nadin Geisler)
Geburtsdatum: 8. April 1995

Festnahme: 1. Februar 2024

Inhaftiert in: Untersuchungshaft (Belgorod, Russische Föderation)

Vorwurf: „Hochverrat“, „Organisation der Finanzierung von Terrorismus“ und „öffentliche Aufrufe zu Handlungen gegen die staatliche Sicherheit“

Urteil: 22 Jahre Haft in einer Strafkolonie

Nadeschda Rossinskaja (auch bekannt als Nadin Geisler) ist freiwillige Helferin und Tierschutzaktivistin. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine engagierte sie sich humanitär für ukrainische Zivilisten, insbesondere für Geflüchtete aus den Kampfgebieten. Rossinskaja gründete die freiwillige Initiative „Armiya Krasotok“ („Armee der Schönheiten“), über die sie Evakuierungen organisierte und humanitäre Hilfe leistete. Nach Angaben der Initiative wurden zwischen 2022 und 2023 zehntausende Menschen unterstützt.

Aufgrund ihres Engagements geriet Rossinskaja früh ins Visier der russischen Sicherheitsbehörden. Ihre Bankkonten wurden gesperrt, sie erhielt Drohungen, und es kam zu Einschüchterungsversuchen. Im Mai 2023 verließ sie Russland aus Angst vor Strafverfolgung und hielt sich vorübergehend in Georgien auf. Anfang 2024 kehrte sie nach Russland zurück.

Festnahme und Verfahren
Am 1. Februar 2024 wurde Nadeschda Rossinskaja in der Region Belgorod festgenommen und in einem Untersuchungsgefängnis festgehalten. Am folgenden Tag durchsuchten Sicherheitskräfte ihre Wohnung sowie die Wohnungen ihrer Eltern und weiterer Angehöriger. Im weiteren Verlauf wurde sie auf die russische Liste der „Terroristen und Extremisten“ gesetzt.

Zunächst wurde ihr vorgeworfen, zu Handlungen gegen die staatliche Sicherheit aufgerufen zu haben. Später erweiterten die Ermittlungsbehörden die Anklage um die Tatbestände „Hochverrat“ sowie „Organisation der Finanzierung von Terrorismus“. Grundlage der Vorwürfe war unter anderem die Behauptung, Rossinskaja habe einen Instagram-Account betrieben, über den zu Spenden für die ukrainischen Streitkräfte – darunter auch die Einheit „Azov“ – aufgerufen worden sei. Rossinskaja bestritt, diesen Account betrieben zu haben. Nach Angaben der Verteidigung konnten weder IP-Adressen noch technische Beweise für die Urheberschaft vorgelegt werden.

Die Anklage stützte sich zudem auf mehrere kleinere Geldüberweisungen durch Dritte mit einem Gesamtbetrag von umgerechnet rund 270 Euro. Konkrete Beweise für eine Beteiligung Rossinskajas an diesen Transfers wurden nicht erbracht. Menschenrechtsorganisationen kritisieren, dass das Gericht nicht darlegte, welche konkreten Handlungen welche Straftatbestände erfüllen sollten.

Das Verfahren wurde teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt. Journalistinnen und Journalisten wurden von einer Berichterstattung abgeschreckt. Entlastende Aussagen von Zeugen, die bestätigten, dass Rossinskajas Hilfe ausschließlich zivilen Zwecken diente, fanden keine Berücksichtigung.

Am 20. Juni 2025 verurteilte das 2. Westliche Militärbezirksgericht Nadeschda Rossinskaja zu 22 Jahren Haft in einer Strafkolonie, zusätzlich zu zwei Jahren Freiheitsbeschränkung, einem dreijährigen Verbot der Verwaltung von Internetseiten sowie einer Geldstrafe von 320.000 Rubel.

In ihrer letzten Erklärung vor Gericht sagte Nadeschda Rossinskaja:

„Mein Ziel ist nicht, frei zu sein – mein Ziel ist es, ein Mensch zu bleiben.“

Stand: Februar 2026

So können Sie Nadeschda helfen:

Post an politische Gefangene ist ein starkes Zeichen der Solidarität. Sie zeigt den Behörden, dass die Inhaftierte international bekannt ist – und nicht vergessen wird. Für die Gefangenen selbst sind Briefe oft ein seltener Lichtblick im tristen Haftalltag.

Die russische Freiwillige und Menschenrechtsaktivistin Nadeschda Rossinskaja wurde wegen ihrer humanitären Hilfe für ukrainische Zivilisten zu 22 Jahren Haft verurteilt. Ihre Haft soll nicht nur sie selbst brechen, sondern abschreckend auf alle wirken, die Menschlichkeit über staatliche Propaganda stellen. Umso wichtiger ist es für sie zu wissen, dass Menschen außerhalb der Gefängnismauern an sie denken und ihre Tatkraft nicht vergessen haben.

Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Nadeschda Rossinskaja.

📮 Надежде Алексеевне Россинской
308000, Белгородская область,
г. Белгород, ул. Заслонова, д. 169а
ФКУ СИЗО-3 УФСИН России
по Белгородской области

📮 Nadeschda Alexejewna Rossinskaja
308000 Belgorod Region, Belgorod
Zaslonova Street 169a
Pre-trial Detention Centre No. 3 (SIZO-3)
Federal Penitentiary Service of the Russian Federation
Belgorod Region

Wichtig: Damit der Brief zugestellt werden kann, muss die Adresse auf Russisch angegeben werden. Schreiben Sie respektvoll und unterstützend. Freundliche Worte ohne politischen Inhalt sind erlaubt und für die Gefangene besonders wertvoll.

Schreiben Sie dem Botschafter und fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des russischen Gefangenen.

Tatjana Moskalkowa, die russische Ombudsfrau (sog. „Menschenrechtsbeauftragte“)
Smolenskij Bulvar, d. 19, str. 2
119121 Moskau
Russland

Boris Michel (Delegationsleiter des IKRK in der Russischen Föderation)
Grokhol’skiy Pereulok, 13/1
129090 Moskau
Russland

Botschafter der Russischen Föderation in der Bundesrepublik Deutschland
S. E. Herr Sergej J. Netschajew
Botschaft der Russischen Föderation
Unter den Linden 63-65
10117 Berlin

E-Mail: info@russische-botschaft.de

Sehr geehrter Herr Botschafter / Sehr geehrter Herr … / Sehr geehrte Frau …,

mit diesem Schreiben protestiere ich gegen die Inhaftierung der russischen Freiwilligen und Menschenrechtsaktivistin Nadeschda Rossinskaja, die im Juni 2025 wegen angeblichen Hochverrats und „Finanzierung von Terrorismus“ zu 22 Jahren Haft verurteilt wurde.

Ihr sogenanntes „Vergehen“ besteht darin, ukrainischen Zivilisten humanitäre Hilfe geleistet und sich öffentlich gegen den russischen Angriffskrieg ausgesprochen zu haben. Die gegen sie erhobenen Vorwürfe sind politisch motiviert und kriminalisieren zivilgesellschaftliches Engagement. Das Urteil stellt einen schweren Verstoß gegen die Meinungsfreiheit sowie gegen grundlegende rechtsstaatliche Prinzipien dar.

Nadeschda Rossinskaja handelte aus humanitären Motiven. Ihre Verfolgung dient offenkundig der Abschreckung all jener, die sich in Russland für Menschlichkeit, Solidarität und Hilfe für Kriegsopfer einsetzen. Internationale Menschenrechtsorganisationen erkennen sie als politische Gefangene an.

Ich fordere daher:

die sofortige Freilassung von Nadeschda Rossinskaja,

die Aufhebung des Urteils und die Einstellung aller Verfahren gegen sie,

sowie die Achtung ihrer grundlegenden Menschen- und Freiheitsrechte.

Bitte setzen Sie sich für eine humane und rechtsstaatliche Behandlung aller politischen Gefangenen in der Russischen Föderation ein.

Hochachtungsvoll,

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