Offener Brief zur Lage im Iran

Behrouz Asadi bei einer Mahnwache für die Menschenrechte in Iran.
Frankfurt, den 08.01.2026
Betreff: Offener Brief zur Lage im Iran – Deutschland darf zum Blutvergießen nicht länger schweigen
Sehr geehrter Herr Bundeskanzler,
sehr geehrter Herr Bundesminister des Auswärtigen,
sehr geehrter Herr Bundesminister des Innern,
mit diesem offenen Brief wenden wir uns zugleich an Sie, an die Medien und an die deutsche Öffentlichkeit, um mit allem Nachdruck auf die dramatische und eskalierende Lage im Iran hinzuweisen.
Wie Ihnen durch die deutsche Botschaft und Ihre diplomatischen Vertretungen täglich bekannt ist, werden Menschen im Iran, die friedlich für ein besseres Leben, für Freiheit und für Demokratie auf die Straße gehen, mit brutaler Gewalt, Verhaftungen, Folter und scharfer Munition beantwortet. Diese Verbrechen sind umfassend dokumentiert und international belegt.
Das iranische Regime versucht, die Bevölkerung durch Angst, Einschüchterung und Terror zum Schweigen zu bringen. Doch trotz dieser Repression ist die Bevölkerung im ganzen Land aufgestanden, um ihr legitimes Recht auf Freiheit, Würde und Selbstbestimmung einzufordern.
Mit großer Sorge und tiefem Bedauern stellen wir fest, dass die Bundesregierung weiterhin an gescheiterten Konzepten wie „kritischem Dialog“, „Brückenbauen“ oder „Wandel durch Handel“ gegenüber diesem Regime festhält – einem Regime, das seine Macht ausschließlich durch Unterdrückung, Gewalt und Hinrichtungen sichert. Die Erwartung der Menschen im Iran ist eindeutig: Demokratische Staaten müssen an der Seite derjenigen stehen, die für Freiheit und Demokratie kämpfen – und nicht an der Seite ihrer Unterdrücker.
Die Zeit ist längst gekommen, nicht nur mit diplomatischen Floskeln oder Pressemitteilungen zu reagieren, sondern mit klaren, wirksamen und konsequenten politischen Maßnahmen. Die Instrumente dafür existieren. Was bislang fehlt, ist der politische Wille, diese gemeinsam mit den europäischen Partnern entschlossen einzusetzen.
Wir sagen in aller Deutlichkeit: Das Schweigen Deutschlands angesichts der Zerschlagung der iranischen Zivilgesellschaft ist kein neutrales Schweigen mehr. Es wirkt faktisch zugunsten des Regimes. Wirtschaftliche Interessen dürfen niemals über Menschenleben und systematische Menschenrechtsverletzungen gestellt werden. Mit einem Regime, das mit blutigen Händen an der Macht bleibt, kann und darf es keine Normalisierung der Beziehungen geben.
Jeder weitere Tag des Zögerns bedeutet mehr Verhaftungen, mehr Folter, mehr Hinrichtungen und eine weitere Stabilisierung der Diktatur. Dies ist weder mit internationalem Recht noch mit den Werten vereinbar, zu denen sich Deutschland bekennt. Das iranische Volk hat unmissverständlich gezeigt, dass dieses Regime keine Legitimität mehr besitzt und dass es eine grundlegende Veränderung will – hin zu Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Wir fordern Sie daher nachdrücklich auf: Schweigen Sie nicht länger. Handeln Sie entschlossen, sichtbar und wirksam.
Mit freundlichen Grüßen
Behrouz Asadi
Menschenrechtsaktivist
Sprecher – Woman, Life, Freedom, Germany e.V.
IGFM-Mitglied
Über den Autor
Behrouz Asadi ist ein deutsch-iranischer Menschenrechtsaktivist, Experte für Migrationsfrage und IGFM-Mitglied. Seit über 40 Jahren setzt er sich in Deutschland, insbesondere in Mainz, für Integration, Geflüchtete und die Demokratiebewegung im Iran ein.
Für sein langjähriges Engagement erhielt er zahlreiche hohe Ehrungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, verliehen im Oktober 2025 durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als Anerkennung für sein Lebenswerk in der Integrations- und Menschenrechtsarbeit.
Über den Autor