Osman Kavala

Der türkische Unternehmer setzt sich für die Umweltbewegung, Kultur und Menschenrechte ein. Deswegen ist er seit 2017, mit wenigen Stunden Unterbrechung, in Haft. Nach Drängen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) wurde er 2020 freigesprochen, kurz darauf aufgrund von neuen Anklagepunkten aber wieder verhaftet. Aktuell ist er im Silivri-Gefängnis in Istanbul inhaftiert.

Lebenslange Haft wegen Einsatzes für Kultur und Bürgerrechte

Osman Kavala
Geburtsdatum: 2. Oktober 1957

Festnahme: 2017

Inhaftiert in: Silivri-Hochsicherheitsgefängnis bei Istanbul

Vorwurf: Beteiligung am Putsch vom 15. Juli 2016

Urteil: lebenslange Haftstrafe

Osman Kavala ist türkischer Unternehmer, angesehener Kulturförderer und Menschenrechtsaktivist, der sich 2013 für die Umweltbewegung im Gezi-Park in Istanbul eingesetzt und dadurch den Ärger der türkischen Regierung auf sich gezogen hatte. Infolgedessen wurde er unter dem Vorwurf, die Massenproteste zum Erhalt der Bäume organisiert zu haben, verhaftet. Seit 2017 saß er deshalb im Gefängnis, bis er aufgrund mangelnder Beweislage am 18. Februar 2020 freigesprochen wurde. Wenige Stunden nach seiner Freilassung wurde er jedoch aufgrund neuer Vorwürfe wieder verhaftet. Seitdem sitzt er im Silivri-Hochsicherheitsgefängnis bei Istanbul in Haft. Am 18. Dezember 2020 begann der zweite Gerichtsprozess unter Anklage der „politischen Spionage“ und dem Vorwurf der Beteiligung am Putsch vom 15. Juli 2016. 

Einsatz für Kultur und Bürgerrechte

2002 gründete er die Stiftung Anadolu Kültür, die Kulturzentren in vernachlässigten Regionen der Türkei betreibt und sich für einen besseren Dialog der Volksgruppen im Kurden-Konflikt oder mit Armeniern einsetzt. Zudem möchte er durch die Stiftung die kulturelle Zusammenarbeit mit EU-Ländern fördern. Neben seinem Familienunternehmen unterstützte Osman Kavala die Umweltbewegung, bei der im Mai 2013 gegen ein Bauprojekt demonstriert wurde. Das Projekt sollte auf dem Gelände des Istanbuler Gezi-Parks umgesetzt werden. Die Polizei schlug die Demonstrationen gewalttätig nieder, was Proteste gegen die autoritäre Politik der Regierung in mehreren türkischen Großstädten auslöste.  Kavala ist Gründungs- und Direktoriumsmitglied der Open Society Foundation und unterstützt damit den US-Philanthropen George Soros, der sich für Bürgerrechte und Demokratie einsetzt. 

Festnahme und Verurteilung 

Am 18. Oktober 2017 wurde Kavala am Flughafen Istanbul ohne Erklärung in Sicherheitsgewahrsam genommen und am 1. November 2017 ins Silivri-Gefängnis gebracht. Neben ihm wurden 15 weitere Personen im Zusammenhang mit der Organisation der Gezi-Park-Proteste angeklagt – bei drei von ihnen wurden die Urteile später aufgehoben. Der Prozess, bei dem die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für Kavala forderte, begann im Juni 2019. Im Dezember 2019 rief der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei zur Freilassung Osman Kavalas auf. Nach seinem Freispruch und der darauffolgenden erneuten Inhaftierung forderte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft aufgrund von „versuchtem Sturz der Regierung“ und 20 weitere Jahre wegen „politischer Spionage“. Im April 2022 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde durch das Oberste Berufungsgericht der Türkei im September 2023 bestätigt. Neben Kavala wurden sieben weitere Angeklagte im sogenannten Gezi-Park-Prozess wegen „Beihilfe zum versuchten Staatsumsturz“ zu 18 Jahren Haft verurteilt.

Internationale Kritik

Der Fall rief international scharfe Kritik an der Türkei hervor. Unter anderem droht dem Land der Ausschluss aus dem Europarat. Bereits 2019 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten angeordnet und seine Inhaftierung als politisch motiviert eingestuft. 

Ende 2021 eskalierte die Situation diplomatisch, als zehn Botschafter – darunter auch der deutsche – in einem gemeinsamen Schreiben die Freilassung Kavalas forderten. Präsident Recep Tayyip Erdoğan wertete dies als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten und drohte den Diplomaten mit Ausweisung.  

Der inhaftierte Aktivist Osman Kavala wird 2025 mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet, weil er trotz seiner Haft weiterhin einen bedeutenden Beitrag zur Friedens- und Versöhnungsarbeit leistet. Das Goethe-Institut würdigt damit sein Engagement für Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt. 

Stand: August 2025 

Helfen Sie Osman!

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den Politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein. Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Osman Kavala.

Porto: Brief International bis 20 g aus Deutschland: 1,10 Euro.

To

Mr. Osman Kavala

Semizkumlar Mah

Çanta Cd No:162 D:888

34570 Silivri/İstanbul

TURKEY

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte wenden Sie sich an das türkische Staatsoberhaupt, Präsident Recep Tayyip Erdogan, an den türkischen Justizminister Abdulhamit Gül und an die Botschaften der Türkei. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen:

Türkisches Justizministerium:

Telefon: 90 (0312) 417 77 70

Fax: 90 (0312) 419 33 70

E-Mail: info(at)adalet.gov.tr

Türkische Botschaft in Deutschland:

Gökhan Turan

Tiergartenstr. 19-21 10785 Berlin, Deutschland

E-Mail
botschaft.berlin@mfa.gov.tr 

Telefon +49 30 275 850
Fax +49 30 27590915

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Gefangenschaft des türkischen Unternehmers und Kulturförderers Osman Kavala aufmerksam zu machen. Bereits der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte forderte 2019 seine Freilassung.

Ich appelliere an Sie, Osman Kavala wegen erwiesener Unschuld umgehend und ohne Auflagen freizulassen. Herr Kavala hat keinerlei kriminelle Handlungen begangen und lediglich von seinem Menschenrecht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und bitte Sie herzlich, mich darüber zu informieren, was Sie zur Freilassung von Herrn Kavala unternehmen werden.

Hochachtungsvoll

Machen Sie in den sozialen Medien auf Osman aufmerksam und nutzen sie diese Hashtags:

#OsmanKavala

#Osman_Kavala

#freeallpoliticalprisoners

Teilen Sie diesen Beitrag, setzen Sie sich für Osmans Freiheit ein!

Weitere politische Gefangene in der Türkei

Osman Kavala

Der türkische Unternehmer und Aktivist ist seit 2017 inhaftiert. 2020 wurde er nach Forderung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte freigesprochen, kurz darauf jedoch wegen neuer Vorwürfe, darunter "Politische Spionage" und "Versuchter Sturz der Regierung" wieder inhaftiert. 2023 wurde er zu einer lebenslänglichen Haft verurteilt.

Aktuelle Pressemitteilungen der IGFM zur Menschenrechtssituation in der Türkei

610, 2023

EU-Gipfel in Granada: Aserbaidschan und Türkei verhöhnen europäische Wertegemeinschaft

Wir appellieren eindringlich an die EU-Vertreter, auf ihr eigenes Parlament zu hören und sich der türkisch-aserbaidschanischen Aggression entgegenzustellen. Diese droht Armenien, den ersten christlichen Staat der Welt, ganz von der Landkarte zu fegen.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben