Osman Kavala

Der türkische Unternehmer setzt sich für die Umweltbewegung, Kultur und Menschenrechte ein. Deswegen ist er seit 2017, mit wenigen Stunden Unterbrechung, in Haft. Nach Drängen des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) wurde er 2020 freigesprochen, kurz darauf aufgrund von neuen Anklagepunkten aber wieder verhaftet. Aktuell ist er im Silivri-Gefängnis in Istanbul inhaftiert.
Lebenslange Haft wegen Einsatzes für Kultur und Bürgerrechte
Osman Kavala ist türkischer Unternehmer, angesehener Kulturförderer und Menschenrechtsaktivist, der sich 2013 für die Umweltbewegung im Gezi-Park in Istanbul eingesetzt und dadurch den Ärger der türkischen Regierung auf sich gezogen hatte. Infolgedessen wurde er unter dem Vorwurf, die Massenproteste zum Erhalt der Bäume organisiert zu haben, verhaftet. Seit 2017 saß er deshalb im Gefängnis, bis er aufgrund mangelnder Beweislage am 18. Februar 2020 freigesprochen wurde. Wenige Stunden nach seiner Freilassung wurde er jedoch aufgrund neuer Vorwürfe wieder verhaftet. Seitdem sitzt er im Silivri-Hochsicherheitsgefängnis bei Istanbul in Haft. Am 18. Dezember 2020 begann der zweite Gerichtsprozess unter Anklage der „politischen Spionage“ und dem Vorwurf der Beteiligung am Putsch vom 15. Juli 2016.
Einsatz für Kultur und Bürgerrechte
2002 gründete er die Stiftung Anadolu Kültür, die Kulturzentren in vernachlässigten Regionen der Türkei betreibt und sich für einen besseren Dialog der Volksgruppen im Kurden-Konflikt oder mit Armeniern einsetzt. Zudem möchte er durch die Stiftung die kulturelle Zusammenarbeit mit EU-Ländern fördern. Neben seinem Familienunternehmen unterstützte Osman Kavala die Umweltbewegung, bei der im Mai 2013 gegen ein Bauprojekt demonstriert wurde. Das Projekt sollte auf dem Gelände des Istanbuler Gezi-Parks umgesetzt werden. Die Polizei schlug die Demonstrationen gewalttätig nieder, was Proteste gegen die autoritäre Politik der Regierung in mehreren türkischen Großstädten auslöste. Kavala ist Gründungs- und Direktoriumsmitglied der Open Society Foundation und unterstützt damit den US-Philanthropen George Soros, der sich für Bürgerrechte und Demokratie einsetzt.
Festnahme und Verurteilung
Am 18. Oktober 2017 wurde Kavala am Flughafen Istanbul ohne Erklärung in Sicherheitsgewahrsam genommen und am 1. November 2017 ins Silivri-Gefängnis gebracht. Neben ihm wurden 15 weitere Personen im Zusammenhang mit der Organisation der Gezi-Park-Proteste angeklagt – bei drei von ihnen wurden die Urteile später aufgehoben. Der Prozess, bei dem die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für Kavala forderte, begann im Juni 2019. Im Dezember 2019 rief der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Türkei zur Freilassung Osman Kavalas auf. Nach seinem Freispruch und der darauffolgenden erneuten Inhaftierung forderte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft aufgrund von „versuchtem Sturz der Regierung“ und 20 weitere Jahre wegen „politischer Spionage“. Im April 2022 wurde er zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde durch das Oberste Berufungsgericht der Türkei im September 2023 bestätigt. Neben Kavala wurden sieben weitere Angeklagte im sogenannten Gezi-Park-Prozess wegen „Beihilfe zum versuchten Staatsumsturz“ zu 18 Jahren Haft verurteilt.
Internationale Kritik
Der Fall rief international scharfe Kritik an der Türkei hervor. Unter anderem droht dem Land der Ausschluss aus dem Europarat. Bereits 2019 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten angeordnet und seine Inhaftierung als politisch motiviert eingestuft.
Ende 2021 eskalierte die Situation diplomatisch, als zehn Botschafter – darunter auch der deutsche – in einem gemeinsamen Schreiben die Freilassung Kavalas forderten. Präsident Recep Tayyip Erdoğan wertete dies als unzulässige Einmischung in innere Angelegenheiten und drohte den Diplomaten mit Ausweisung.
Der inhaftierte Aktivist Osman Kavala wird 2025 mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet, weil er trotz seiner Haft weiterhin einen bedeutenden Beitrag zur Friedens- und Versöhnungsarbeit leistet. Das Goethe-Institut würdigt damit sein Engagement für Menschenrechte und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Stand: August 2025





