Wie Sklaven behandelt

Hunderte peruanische Staatsbürger sollen mit falschen Stellenangeboten nach Russland gelockt und dort zum Dienst in den russischen Streitkräften gedrängt oder gezwungen worden sein. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fordert eine umfassende Aufklärung der mutmaßlichen Rekrutierungsnetzwerke und den Schutz der Betroffenen. Bilder: privat.
Peruaner im Krieg: „Sklaven der Russen"
Angehörige von Vermissten prangern falsche Stellenangebote, Nötigung und mangelnde Informationen über den Verbleib ihrer Angehörigen an
Frankfurt am Main/ Lima, 30. September 2026 – In einem Pressegespräch der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichteten Angehörige über internationale Netzwerke, die Peruaner für die russische Armee rekrutieren. Mit hohen Gehaltsversprechen gelockt, werde die Reise nach Russland organisiert, dort würden unter Druck oder in völliger Unkenntnis über den Inhalt, Verträge unterzeichnet, sich den russischen Streitkräften anzuschließen. Von über 450 Peruanern werden 114 vermisst, 50 Personen konnten fliehen und nach Peru zurückkehren. Russland rekrutiere weltweit Menschen für seinen verbrecherischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, so die IGFM.
„Die Aussagen von Müttern, Töchtern und Ehefrauen zeigen eine alarmierende Situation. Männer unterschiedlichen Alters sollen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nach Russland gebracht und gezwungen worden sein, in einem brutalen Angriffskrieg zu kämpfen. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, hätten wir es nicht mit freiwilligen Entscheidungen zu tun, sondern mit schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen gegen die ukrainische Bevölkerung als auch gegen die unter Zwang rekrutierten Personen", erklärte Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM.
Die Teilnehmer berichteten, wie ihre Angehörigen über soziale Netzwerke und Messaging-Dienste angeworben wurden. Auch prangerten sie Folter und massive Mangelversorgung an, sie befürchten, dass einige der Angehörigen ums Leben gekommen sein könnten. Nach Zahlen der peruanischen Regierung, sollen bis August 2026 459 peruanische Staatsbürger von den russischen Streitkräften rekrutiert worden sein, 11 seien ums Leben gekommen, 114 würden vermisst und drei seien von den ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden.
Die IGFM betont, dass Täuschung und Nötigung jeglichen Anschein einer freien Einwilligung ausschließen. Die beschriebenen Vorfälle müssen unabhängig untersucht werden, auch im Hinblick auf die mögliche Existenz von Menschenhandelsnetzwerken.
Norma Paredes, Mutter von Andrés Vigo, einem 31-jährigen Koch aus Lima, erklärte, ihr Sohn sei über WhatsApp von einer Person kontaktiert worden, die den Decknamen „el Kraken" verwendete. Seiner Aussage zufolge wurde ihm angeboten, als Koch in Russland für 2.500 Dollar monatlich und einen angeblichen Jahresbonus von 25.000 Dollar zu arbeiten. Andrés verließ Peru am 27. Januar 2026. Nach seiner Ankunft in Russland soll er gezwungen worden sein, sich zu melden und einen Vertrag auf Russisch zu unterzeichnen – einer Sprache, die er nicht verstand. Seine Mutter gab an, seit April 2026 nichts mehr von ihm gehört zu haben. Sie befürchtet, dass er tot ist.
Edelmira Villegas berichtete von einem ähnlichen Fall. Ihr Sohn, Harol Kevin Villegas Solís, 27 Jahre alt und Vater einer kleinen Tochter, arbeitete im Sicherheitsbereich eines Bergbauunternehmens, als er über WhatsApp ein Jobangebot aus Russland erhielt. Angezogen von der Aussicht, das Einkommen seiner Familie zu verbessern, reiste er dorthin. Seit März 2026 ist sein Aufenthaltsort seiner Mutter unbekannt.
Den bei dem Treffen vorgelegten Informationen zufolge ist es den peruanischen Behörden gelungen, mehr als 50 Staatsbürger aus Russland zurückzuholen und in ihre Heimat zu überführen. Zudem führt die peruanische Staatsanwaltschaft derzeit eine spezielle strafrechtliche Untersuchung durch. Die IGFM unterstützt diese Bemühungen und fordert eine umfassende Untersuchung der Anwerbenetzwerke und ihrer Profiteure.
„Nicht nur nordkoreanische Ballistik und Soldaten, chinesische oder iranische Technik, Russland lockt weltweit Menschen in den Krieg gegen Ukraine und Europa, ob aus Afrika oder Lateinamerika. Täglich schlagen russische Drohnen und Raketen in ukrainischen Wohngebäuden, Supermärkten und Krankenhäusern ein. Russland nutzt gezielt wirtschaftliche Not auf der gesamten Welt zu einem Instrument der Rekrutierung für seinen brutalen Krieg", so Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM.




