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Tag der politischen Gefangenen in Russland

Von links nach rechts: Arsenij Turbin, Aleksander Skobow, Nadeschda Rossinskaja und Alexej Lipzer. Fotos: privat. Hintergrund: erstellt mithilfe von KI.

30. Oktober: Gedenktag für die Opfer politischer Unterdrückung in Russland 

Russland: „Menschenfreund“ Putin? – Die IGFM macht auf Tausende politisch Verfolgte aufmerksam 

Die IGFM fordert, Menschenrechte und die Freilassung willkürlich Inhaftierter zum festen Bestandteil diplomatischer Gespräche zu machen 

Frankfurt am Main, 29. Oktober 2026 – Zum Tag der politischen Gefangenen in Russland warnt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) vor dem Ausmaß der politischen Verfolgung unter Wladimir Putin und kritisiert die Äußerung des US-Sondergesandten Steve Witkoff, der den russischen Präsidenten als „Menschenfreund" bezeichnete. Während der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine täglich Menschenleben kostet, werden auch im Inneren Russlands Kritiker verfolgt, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt und ihrer Freiheit beraubt. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fordert, ihre Freilassung und den Schutz ihrer Rechte zu konkreten Bedingungen für jegliche Verhandlungen mit dem Putin-Regime zu machen. 

„Wer mit Wladimir Putin verhandelt, darf die Menschen nicht vergessen, die unter seiner Herrschaft in Gefängnissen sitzen, verfolgt und ihrer Freiheit beraubt werden. Ebenso wenig dürfen die Opfer des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine aus dem Blick geraten. Menschenrechte müssen bei jeder diplomatischen Initiative eine zentrale Rolle spielen", kommentiert Edgar Lamm, Vorsitzender der IGFM.  

Tausende politische Gefangene – ein System der Repression 

Die Datenbank der russischen Menschenrechtsorganisation OVD-Info erfasst insgesamt 6.808 Menschen, die politisch motivierten Strafverfahren ausgesetzt wurden. 2.366 von ihnen befinden sich derzeit in Haft; mehr als 10 Personen sind hinter Gittern verstorben. Es wurden Fälle von unzureichender medizinischer Versorgung, gesundheitsschädlichen Haftbedingungen und Misshandlung bei der Inhaftierung dokumentiert. 

Die Verfolgung politischer Gegner beschränkt sich in Russland längst nicht auf prominente Oppositionelle. Hinzu kommen Menschen, die durch die russische Gesetzgebung als „Extremisten" oder „ausländische Agenten" gebrandmarkt werden. Dadurch werden unabhängige Organisationen, Menschenrechtsverteidiger, Wissenschaftler, Journalisten und Regierungskritiker eingeschüchtert und in ihrer Arbeit behindert.  

Hinter jeder Zahl steht ein Mensch 

Die Dimension der Verfolgung wird besonders durch die Einzelschicksale greifbar. Arsenij Turbin, der zum Zeitpunkt seiner Festnahme erst 14 Jahre alt war, wurde 2024 wegen der Verbreitung selbstgemachter Flugblätter gegen den aggressiven Krieg Russlands zu fünf Jahren Freiheitsentzug verurteilt; die Haft hat seiner körperlichen Entwicklung und seiner psychischen Gesundheit erheblichen Schaden zugefügt. 

Der 66-jährige Historiker Alexander Skobow, ein bereits zu Sowjetzeiten bekannter und verfolgter Dissident, wurde letztes Jahr wegen seiner Kritik am Krieg und an Putin zu 16 Jahren Freiheitsentzug verurteilt; er wird regelmäßig in die Isolationszelle gesperrt.  

Nadeschda Rossinskaja wurde 2025 wegen humanitärer Hilfe für ukrainische Kriegsopfer zu 22 Jahren Haft und einer hohen Geldstrafe verurteilt; am 26. Oktober 2026 wurde sie in ein Krankenhaus in Barnaul verlegt, nachdem ihr trotz wiederholter Beschwerden und sich verschlechternder Gesundheit lange keine ausreichende medizinische Versorgung zuteilwurde. 

Auch Rechtsanwälte, die den Mut hatten, politische Gefangene im heutigen Russland zu verteidigen, werden von den Behörden verfolgt. Die IGFM erinnert in diesem Zusammenhang an Alexej Lipzer, einen Anwalt des verstorbenen russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny, der im Januar 2025 zu fünf Jahren Haft verurteilt und ein Jahr später in eine mehr als 4.300 Kilometer von seiner Familie entfernte Strafkolonie in Abakan verlegt wurde. Lipzer leidet an einem schweren Bandscheibenvorfall, muss jedoch weiterhin Zwangsarbeit verrichten und täglich zweimal jeweils 40 Eimer mit je zehn Litern Inhalt tragen. 

Mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten in russischer Haft 

Neben politischen Gefangenen in Russland sind auch Tausende ukrainische Zivilisten betroffen: Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden mehr als 16.000 ukrainische Zivilisten von Russland festgehalten beziehungsweise verschleppt. Berichte befreiter Gefangener dokumentieren Folter, Misshandlungen und unzureichende medizinische Versorgung in russischen Gefängnissen. 

Kein Frieden auf Kosten der Menschenrechte 

Die IGFM warnt davor, dass politische Annäherung zwischen Russland und den USA die Opfer russischer Repression aus dem Blick geraten lässt. Die Menschenrechtsorganisation appelliert an die US-Regierung, die aktuelle Menschenrechtssituation in Russland konsequent in Gespräche mit Moskau einzubeziehen und die Freilassung politischer Gefangener und verschleppter Ukrainer einzufordern. Die IGFM macht deutlich: Menschenrechte dürfen keine Verhandlungsmasse sein. 

Aktuelle Pressemitteilungen der IGFM

2310, 2026

Präsentation des Jahrbuchs „Religionsfreiheit weltweit 2026“

Die Evangelische Allianz in Deutschland e. V. und die ISHR stellen in Berlin die Jahrbücher „Religionsfreiheit“ und „Verfolgung und Diskriminierung von Christen“ von 2026 vor. Expertinnen und Experten aus Politik und Wissenschaft beleuchten die weltweite Lage der Religionsfreiheit, darunter Antisemitismus, die Verfolgung religiöser Minderheiten und staatliche Diskriminierung.

510, 2026

Islamische Republik Iran richtet zwei weitere Demonstranten hin – Alireza Sepahi heiratete erst vor wenigen Tagen

5. Oktober 2026 – Das islamische Regime hat heute im Dastgerd-Gefängnis in Isfahan die beiden Demonstranten Alireza Sepahi und Alireza Raisi hingerichtet. Beide waren im Zusammenhang mit den landesweiten Protesten im Januar 2026 festgenommen und im sogenannten „Ali-Khani-Platz“-Fall zum Tode verurteilt worden.

210, 2026

Online-Pressegespräch Iran: Im Iran enteignet und entrechtet, aus Deutschland finanziert?

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) lädt am 7. Oktober 2026 um 11 Uhr gemeinsam mit iranischen Experten, Menschenrechtsaktivisten und Angehörigen von Betroffenen zu einem Gespräch über Menschenrechtsverletzungen, Festnahmen und Repressionen im Iran. Im Mittelpunkt steht der Bericht von Atossa Najafi über das Schicksal ihres Bruders Parsa Najafi.

110, 2026

Katrin Bornmüller erhält 30. Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler

Der Europaverein GPB e.V. zeichnet am 3. Oktober die Ehrenvorsitzende der IGFM, Katrin Bornmüller aus Wittlich, mit dem Europäischen Sozialpreis aus. Unter dem Motto „Menschenrechte sind das Fundament Europas“ würdigt der Verein das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement der 86-Jährigen für die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und ihren Einsatz für Menschen in Not – in Europa und im Nahen Osten.

3009, 2026

Peruaner im Krieg: „Sklaven der Russen“

In einem Pressegespräch der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichteten Angehörige über internationale Netzwerke, die Peruaner für die russische Armee rekrutieren. Mit hohen Gehaltsversprechen gelockt, werde die Reise nach Russland organisiert, dort würden unter Druck oder in völliger Unkenntnis über den Inhalt, Verträge unterzeichnet, sich den russischen Streitkräften anzuschließen.

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