Pressegespräch: Im Iran enteignet und entrechtet

Im Gespräch mit der IGFM: (von links nach rechts) Behrouz Asadi – Menschenrechtsaktivist und Sprecher von Women Life Freedom Germany e. V.; Atossa Najafi – Schwester von Parsa Najafi; Nasim Sharafi – Referentin für Menschenrechtsfragen und Regierungsbeziehungen der Bahá’í-Gemeinde Deutschland in Berlin.
Iran: Bahai zwischen Gefängnis, Enteignung und wirtschaftlicher Verfolgung
Frankfurt am Main, 7. Oktober 2026 – Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) warnt vor einer weiteren Verschärfung der systematischen Verfolgung der Bahai im Iran. Bei einem Online-Pressegespräch berichteten Angehörige und Menschenrechtsaktivisten über willkürliche Festnahmen, psychischen Druck, erzwungene Geständnisse sowie die systematische wirtschaftliche und soziale Entrechtung der größten nichtmuslimischen Religionsgemeinschaft des Landes. Im Mittelpunkt stand das Schicksal des 20-jährigen Parsa Najafi aus Isfahan, der seit dem 6. Juni 2026 ohne Anklage in Haft sitzt.
„Parsa und viele andere junge Bahai dürfen nicht vergessen werden. Ihr Glaube ist kein Verbrechen und ihre Freiheit darf kein Privileg sein“, erklärte seine Schwester Atossa Najafi. Sie forderte die Bundesregierung und die internationale Gemeinschaft auf, die Fälle der willkürlich Inhaftierten mit Nachdruck anzusprechen und auf ihre Freilassung zu drängen.
20-jähriger Bahai seit Juni in Haft
Am 6. Juni drangen Angehörige eines iranischen Geheimdienstes ohne Vorankündigung in das Elternhaus von Parsa Najafi ein. Die Wohnung wurde durchsucht und unter anderem Mobiltelefone, Laptops, Bankkarten, Bargeld, Bücher und persönliche Dokumente wurden beschlagnahmt. Nach Angaben seiner Schwester wurde Parsa in der Haft unter erheblichen Druck gesetzt, ein falsches Geständnis abzulegen. Einen unabhängigen Zugang zu einem Rechtsanwalt gebe es bislang nicht.
„Ich weiß selbst, was es bedeutet, wenn einem diese Zukunft genommen wird“, sagte Atossa Najafi. Aufgrund ihres Bahai-Glaubens durfte sie im Iran trotz guter schulischer Leistungen nicht studieren.
Systematische wirtschaftliche Verfolgung
Nach Angaben von Nasim Sharafi, Referentin für Menschenrechtsfragen und Regierungsbeziehungen der Bahai-Gemeinde in Deutschland, umfasst die staatliche Verfolgung Bildung, Arbeit, persönliche Freiheit und Eigentum. Bahai werden vom Studium ausgeschlossen, verhaftet und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Geschäfte werden geschlossen und Arbeitsgeräte sowie rechtmäßig erworbenes Eigentum beschlagnahmt.
„Die wirtschaftliche Verfolgung folgt einer langfristigen Strategie“, erklärte Nasim. Beschlagnahmt würden unter anderem Häuser, Grundstücke, Geschäfte und Bankguthaben. Für die Betroffenen gebe es häufig keine wirksame Möglichkeit, sich dagegen zu wehren.
Die Folgen träfen ganze Familien: „Wenn ein Geschäft geschlossen wird, fehlt das laufende Einkommen. Wenn Ersparnisse und Arbeitsgeräte verschwinden, fehlen die Mittel für einen Neuanfang. Wenn das Zuhause beschlagnahmt wird, verlieren auch Kinder und ältere Angehörige ihre Sicherheit.“

Bildschirmaufnahme des Pressegesprächs am 7. Oktober 2026 zum Iran
Finanzstrukturen des iranischen Regimes auch im Ausland untersuchen
Der Menschenrechtsaktivist und Sprecher von Women Life Freedom Germany, Behrouz Asadi, forderte eine intensivere Untersuchung möglicher Finanzströme und Netzwerke des iranischen Regimes im Ausland.
„Wir sehen heute sehr deutlich, dass die Repression der Islamischen Republik Iran nicht an den Grenzen des Landes endet. Zum einen erleben wir eine massive Verschärfung der Verfolgung der Bahá’í und anderer gesellschaftlicher Gruppen im Iran. Gleichzeitig müssen wir aber auch über die Strukturen sprechen, mit denen das Regime im Ausland Einfluss nimmt, Vermögenswerte sichert und Finanzströme organisiert.
Ein konkretes Beispiel ist der Fall Ali Ansari. Die Europäische Union hat ihn Ende Juli sanktioniert und verweist ausdrücklich auf ein internationales Unternehmensnetzwerk und Finanztransfers ins Ausland. Gleichzeitig stehen die Islamischen Revolutionsgarden inzwischen auf der EU-Terroristenliste.
Wenn solche wirtschaftlichen Strukturen bis nach Deutschland und konkret nach Hessen reichen, dann müssen wir sehr genau hinschauen. Deutschland darf weder Rückzugsraum noch Finanzplatz für Strukturen sein, die der iranischen Führung oder ihren repressiven Organen zugutekommen. Deshalb müssen mögliche Fälle von Sanktionsumgehung, Geldwäsche und Unterstützung solcher Netzwerke konsequent geprüft und bestehende Sanktionen auch tatsächlich durchgesetzt werden.“, erklärt Behrouz.
Die Teilnehmer des Pressegesprächs verwiesen dabei auch auf wirtschaftliche Strukturen und Vermögenswerte in Deutschland. Behrouz Asadi forderte die zuständigen Behörden auf, vorhandene Hinweise auf Finanzströme und mögliche Netzwerke konsequent zu prüfen.
IGFM fordert konsequentes Handeln
Die IGFM fordert die sofortige und bedingungslose Freilassung von Parsa Najafi und aller anderen Bahai, die ohne rechtsstaatliche Grundlage inhaftiert sind. Zudem brauche es transparente Verfahren, unabhängigen Zugang zu Rechtsanwälten und Schutz vor Folter, psychischem Druck und erzwungenen Geständnissen. Die systematische religiöse, soziale und wirtschaftliche Entrechtung der Bahai müsse beendet werden.
IGFM-Sprecher Valerio Krüger betonte abschließend mit Blick auf den Fall von Parsa Najadi und weiteren im Iran inhaftierten: „Wirtschaft ist auch mit Menschenrechten verbunden und um einzelne Menschen zu schützen in den Ländern sind wir unmittelbar gefordert, auch die Wirtschaftsbeziehungen offenzulegen. Wenn wir diese verschweigen, dann wird dieser Terror fortgesetzt.“
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