Neue Repressionen in Tibet

Flagge

Erneut werden tibetische Buddhisten von China während des heiligen buddhistischen Monats an der freien Ausübung ihres Glaubens gehindert. Auch die Verfolgung von Kritikern der chinesischen Unterdrückung Tibets geht unter dem Deckmantel der Pandemiebekämpfung unvermindert weiter.

Tibet: Chinesische Unterdrückung verschärft sich weiter

Pandemie als Vorwand für Restriktionen im „heiligen Monat“ – Familienvater zu Tode gefoltert

Frankfurt am Main/Lhasa, 14. Mai 2021 – Die chinesischen Machthaber weiten die gewaltvolle Unterdrückung der Tibeter systematisch aus. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) mitteilt, werden in der tibetischen Hauptstadt Lhasa erneut strenge Restriktionen traditioneller buddhistischer Praktiken während des heiligen buddhistischen Monats verhängt. Die IGFM informiert zudem, dass 2019 ein tibetischer Vater von sechs Kindern im Polizeigewahrsam zu Tode gefoltert wurde, wie erst jetzt bekannt wurde. Der Mann hatte sich zuvor der politisch-religiösen Umerziehung durch China widersetzt.

Die Einschränkungen der freien Religionsausübung der buddhistischen Bevölkerung Tibets durch das chinesische Regime werden von den chinesischen Behörden mit Bekämpfung des Coronavirus begründet. Tibeter werden zur „richtigen Sichtweise“ auf Religion aufgefordert und religiöse Stätten sollen Präventionsmaßnahmen gegen Covid-19 ergreifen. Bereits in den vergangenen Jahren wurden die Zeremonien während des heiligen vierten Monats des tibetischen Kalenders, der am 12. Mai begann, stark eingeschränkt. „Angesichts der Tatsache, dass es seit Anfang 2020 keine positiven Corona-Fälle in Tibet gibt, erscheint die Begründung der chinesischen Regierung nur vorgeschoben. Die freie Ausübung traditioneller Glaubens- und Kulturrituale muss daher ermöglicht werden!“, so die IGFM.

Die neuen Restriktionen stehen auch im scharfen Kontrast zu ansteigenden Touristenzahlen aus China. Die IGFM fordert China auf, effektive Schutzmaßnahmen der Gläubigen vor der Pandemie sicherzustellen. Hierzu gehört insbesondere auch die Beschränkung des chinesischen Tourismus, da insbesondere die großen Städte in China immer wieder Ausbrüche des Virus verzeichnen.

Chinas Umerziehung widersetzt: Familienvater zu Tode gefoltert

Wie die IGFM weiter mitteilt, starb bereits 2019 ein tibetischer Vater von sechs Kindern, nachdem er in chinesischem Polizeigewahrsam gefoltert wurde. Der Mann hatte sich geweigert, am Umerziehungsprogramm der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) teilzunehmen. Der Fall wurde erst am 5. Mai bekannt, da die Angehörigen von den Behörden unter Druck gesetzt wurden, nicht darüber zu berichten. Die IGFM kritisiert: „Die unerträgliche Folter und die fortgesetzten Repressalien Chinas in Tibet stellen schwerste Menschenrechtsverletzungen dar. Wir fordern die transparente Aufklärung aller Fälle von Folter und Gewalt und ein Ende der Unterdrückung der tibetischen Bevölkerung!“

Hintergrund: Heiliger Monat und systematische Verfolgung der Tibeter

Nach tibetisch-buddhistischem Glauben ist der heilige vierte Monat, im Tibetischen als „Saga Dawa“ bekannt, der Monat, in dem Buddha geboren wurde, erleuchtet wurde und verstarb. Buddhisten betrachten ihn als einen Monat, in dem tugendhafte Handlungen, einschließlich religiöser Praktiken, ausgeführt werden. Traditionell gehen die tibetischen Buddhisten täglich auf Umrundungen und Pilgerfahrten zu religiösen Zentren. Die Politik der chinesischen Führung im seit mehr als 60 Jahren besetzten Tibet zielt darauf ab, die Bedeutung der tibetischen Religion, Sprache und Kultur herabzusetzen. Tibeter, die diese Politik kritisieren, werden häufig von den chinesischen Behörden ins Visier genommen und verhaftet. Folter und Misshandlungen sowie die Internierung in politischen Umerziehungslagern sind zentrale Repressionsmethoden der Politik Chinas.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben