Vortragsabend Villingen-Schwenningen

Die „Zeitenwende“
aus ukrainischer und belarusischer Sicht
aus ukrainischer und belarusischer Sicht
Villingen-Schwenningen, 1. September 2022 – Die IGFM-Arbeitsgruppe Villingen-Schwenningen veranstaltete in Kooperation mit dem Bildungswerk Heilig Kreuz einen Veranstaltungsabend, um über die kriegsbedingte Situation in Osteuropa zu sprechen. Der Fokus des Abends lag auf der Ukraine und Belarus. Als Experten waren zwei Mitarbeiterinnen der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte zu Gast, die über die historische Geschichte ihrer Herkunftsländer und über ihre eigenen Erfahrungen berichteten. Moderiert wurde die Veranstaltung durch Heinz Josef Ernst, IGFM-Vorstand und Leiter der IGFM-Arbeitsgruppe.
Nach einer kurzen Begrüßung startete der Abend mit einem Überblick über die Ukraine. Valeriia Liamzenko kam 2019 als angehende Studentin für „Human Rights in Politics, Law and Society” nach Deutschland. Seit ihrem Abschluss ist sie als Assistenz der Osteuropa Abteilung bei der IGFM tätig.

Valeriia Liamzienko und Christina Zich von der IGFM
Die Unabhängigkeitserklärung der Ukraine im Jahr 1991 und der Zusammenbruch der Sowjetunion, waren bedeutende Momente in der Geschichte ihres Landes. Trotz des Machtkampfes und der versuchten Einflussnahme Russlands durch die Präsidentschaftswahlen, entwickelte sich die Ukraine zu einem modernen und demokratischen Land. Die Zeitenwende der Ukraine begann mit dem Euromaidan 2013. Für Valeriia und ihre Familie begann sie im Juni 2014, als sie wegen Angriffen seitens prorussischer Separatisten ihren Heimatort Luhansk verlassen mussten und nach Charkiw flohen. Acht Jahre später wiederholte sich die Flucht ihrer Familie, ausgelöst durch den Angriffskrieg Russlands. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Valeriia bereits in Deutschland.
„Ich habe zuerst gar nicht verstanden was passiert ist“, berichtete sie. Durch Telegram-Chats und SMS blieb sie über die Flucht ihrer Familie und die aktuelle Situation vor Ort auf dem Laufenden. Nach sechs Monaten ist noch kein Ende des Krieges in Sicht. Die Ukrainer selbst arbeiten seitdem für das Wohl ihres Landes, berichtete sie. Auch die ukrainische und deutsche Sektion der IGFM leisten eine umfassende humanitäre Hilfe.
„Lange Zeit waren die Belarusen in Westeuropa ein Volk, dass nicht existiert“, erklärte die zweite Rednerin Christina Zich. Die seit acht Jahren in Deutschland lebende Belarusin ist Praktikantin in der Osteuropa Abteilung der IGFM und Mitglied der belarusischen Demokratiebewegung in Frankfurt.

Seit 28 Jahren regiert in Belarus der Diktator Lukaschenko. Mit Wahlfälschungen, einem brutalen Polizeiapparat und den Geheimdiensten, hält er sich an der Macht. Die Zeitenwende in Belarus begann im Jahr 2020. Nach erneuten Wahlfälschungen gingen die Menschen mit friedlichen Protesten auf die Straßen. Sie erläuterte, dass der Unterschied zu den bisherigen Jahren in der Größe der Proteste lag. Die Proteste fanden nicht mehr nur in Minsk statt, sondern weiteten sich auf zahlreiche Groß- und Kleinstädte aus. Christina sprach dabei von der größten Demokratiebewegung Europas der letzten 30 Jahre. Seitdem gab es über 60.000 Festnahmen, über 1.000 Verhaftungen und mindestens 6 Tote.
„Die Belarusen im Ausland sind eine Auffangstelle für die Belarusen in Belarus geworden, damit sie nicht mit dem Krieg des Regimes auf sich allein gestellt sind.“
„Unser Kampf dauert schon seit zwei Jahren“, erzählte Christina. „In diesem Krieg verlieren wir die besten Belarusen und es gibt keinen Rückgang“
Nach dem Vortrag folgte eine Diskussionsrunde. Beide Referentinnen hoffen, dass der Krieg bald beendet ist und die Ukraine gewinnt. Die IGFM wird auch weiterhin alle Ukrainer und Belarusen in der aktuellen Situation unterstützen und humanitäre Hilfe leisten.