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11 Jahre Genozid an Jesiden

11 Jahre Genozid an Jesiden

Elf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden im Nordirak ist die Lage für über 200.000 jesidische Binnenflüchtlinge weiterhin ungewiss. Die IGFM fordert bessere Schutzmechanismen für Jesiden und anderen religiösen Minderheiten im Nordirak. Foto: Camp Sharya – Khalil Al-Rasho

Elf Jahre nach dem Genozid:

Weiterhin keine Hoffnung für Jesiden

IGFM fordert umfassende Sicherheitsmaßnahmen für Jesiden im Irak

Shingal / Frankfurt am Main, 31. Juli 2025 – Elf Jahre nach dem Völkermord an den Jesiden im Nordirak bleibt die Situation für jesidische Binnenvertriebene weiterhin unsicher. Über 200.000 Jesiden leben bis heute unter prekären Bedingungen in überfüllten Camps ohne Perspektive auf Rückkehr, berichtet die IGFM. Trotz der unmittelbaren Dringlichkeit lässt die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft nach.

Am 3. August 2014 verübte die radikalislamische Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) einen Völkermord an der jesidischen Bevölkerung in der Region Shingal im Nordirak. Schätzungsweise befinden sich bis heute Tausende Jesiden in IS-Gefangenschaft.

Trotz einiger juristischen Fortschritte in Deutschland wie dem Urteil gegen den IS-Kämpfer Taha Al-J. im Jahr 2021 droht die Lage der Überlebenden im Nordirak in Vergessenheit zu geraten. Die humanitäre Lage für über 200.000 jesidische Binnenvertriebene in der Autonomen Region Kurdistan bleibt katastrophal.

Elf Jahre nach dem Genozid stehen die Jesiden weiterhin vor einem ungelösten Dilemma: Sie können weder ein menschenwürdiges Leben in den Flüchtlingslagern führen, noch haben sie die Hoffnung, in eine sichere und aufgebaute Heimat zurückkehren zu können. Der politische Wille, dieses Dilemma zu lösen, bleibt weitgehend aus.

Das Versagen der Politik und der internationalen Akteure vor Ort

Internationale Hilfsorganisationen ziehen sich zunehmend aus der Region Shingal zurück. Das destabilisiert und gefährdet die Situation vor Ort erheblich. Regionale Machtkämpfe und das Fehlen eines stabilen Gewaltmonopols führen zu einem gefährlichen Sicherheitsvakuum, das die Rückkehr extremistischer Gruppen wie des IS begünstigt – eine akute Bedrohung für religiöse Minderheiten wie die Jesiden, Christen, Schiiten und Zoroastrier.

IGFM weiterhin aktiv vor Ort

Trotz schwieriger Bedingungen engagiert sich die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) seit dem Völkermord 2014 humanitär in der Flüchtlingshilfe in der Region. Ende Juni sprach IGFM-Vertreter Khalil Al-Rasho mit kurdischen Medien über die Herausforderungen der humanitären Arbeit in den Camps und über die anhaltende Diskriminierung jesidischer Geflüchteter. So erhalten jesidische Familien bei einer Rückkehr deutlich geringere Unterstützungszahlungen als arabische Geflüchtete – ein strukturelles Ungleichgewicht, das auf ethnisch-religiöser Diskriminierung basiert.

Die IGFM fordert die Vereinten Nationen und die irakische Zentralregierung auf, Schutzmechanismen für Jesiden und andere religiöse Minderheiten im Nordirak zu schaffen, die Rückkehrbedingungen für die jesidische Gemeinschaft im Irak zu verbessern und humanitäre Hilfe weiterhin zu leisten.

Hintergrund

Nach Angaben der Vereinten Nationen töteten IS-Kämpfer am 3. August 2014 mindestens 5.000 jesidische Männer und verschleppten zahlreiche Jungen, um sie ideologisch zu indoktrinieren. Rund 7.000 jesidische Frauen und Mädchen wurden systematisch versklavt und schwerster sexualisierter Gewalt ausgesetzt.

Bereits am 14. August 2014 war die IGFM mit ihrem humanitären Hilfsprogramm vor Ort und leistet seitdem kontinuierlich Hilfe.

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