Abbas Deris

Abbas Deris wurde während der landesweiten Proteste im November 2019 festgenommen. Wegen „Krieg gegen Gott“ wurde er vom Mullah-Regime zum Tode – und wegen Mordes und illegalen Waffenbesitzes zu 14 Jahren Haft verurteilt, wovon zehn Jahre vollstreckbar sind. Der Antrag auf die Wiederaufnahme des Prozesses wurde am 28. Januar 2024 schließlich abgelehnt. 

Dreifacher Familienvater droht Hinrichtung

Abbas Deris
Geburtsdatum: 1973

Festnahme: 8. Dezember 2019

Inhaftiert in: Sepidar-Gefängnis in Ahvaz

Vorwurf: „Krieg gegen Gott“, „Mord“, „Störung der öffentlichen Ordnung“

Urteil: Todesstrafe

Abbas Deris und sein 20 Jahre jüngerer Bruder Mohsen Deris aus Mahschahr, einer Hafenstadt in der Provinz Khuzestan, wurden am 8. Dezember 2019 während den landesweiten Proteste im Iran  – auch bekannt als „Blutiger November“ – festgenommen und erhielten unschuldig die Todesstrafe. Abbas Deris gehörte der Arbeiterklasse an und war ein hartarbeitender Mann, der es nur mit Schwierigkeiten schaffte mit seiner Familie über die Runden zu kommen. Der Vorwurf gegen ihn lautete Kauf und Besitz einer Waffe. Die Familie antwortete zynisch auf diese Anschuldigung mit den Worten: „Wenn wir Geld hätten, um uns eine Waffe zu kaufen, hätten wir unser tägliches Brot gekauft.“

Festnahmen und Anklagen

Der Fall der Deris-Brüder hatte von Anfang an keine Rechtmäßigkeit im Gerichtsverfahren. Abbas Deris wurde in einem Schauprozess ohne Rechtsvertretung gestellt.

Die Brüder wurden für verschiedene Verbrechen beschuldigt, darunter „Krieg gegen Gott“, „Störung der öffentlichen Ordnung“ und „Beteiligung an der Ermordung eines Mitglieds der Spezialkräfte“. Bei einem neuen Prozess im Dezember 2023 lautete die Anklagepunkte „Mord“ und „Besitz einer Waffe“.

Ein zentraler Kritikpunkt im Zusammenhang mit dem Fall der Deris-Brüder ist der unfaire und intransparente Prozess. Menschenrechtsorganisationen und Abbas Deris Anwältin Fereshteh Tabanian haben Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit der Festnahme geäußert, da es Fehler in der offiziellen Dokumentation gab und der Zugang zu den Fallinformationen begrenzt war. Große Teile der Informationen wurden mündlich übermittelt, was sowohl die Familie als auch die juristische Vertretung in Unsicherheit ließ. Berichte deuten darauf hin, dass der Fall der Brüder ursprünglich vor der ersten Abteilung des Revolutionsgerichts von Mahshahr verhandelt werden sollte, die Verhandlung aber aus Sicherheitsgründen ins Mahshar-Gefängnis verlegt wurde. Diese unerwartete Änderung sowie die Vertagung von Gerichtssitzungen haben Zweifel an der Integrität des juristischen Verfahrens aufkommen lassen.

Tragische Folgen und öffentlicher Aufschrei

Die willkürliche Inhaftierung der Deris-Brüder hatte tragische Folgen für die Familie. Im März 2022 erlitt die Ehefrau von Abbas Deris, Kefayeh, einen Herzinfarkt und verstarb kurz nach der Überbringung der Nachricht vom Todesurteil ihres Mannes. Dieses tragische Ereignis löste eine Welle der Empörung aus und führte zu einer Online-Aktivismus-Kampagne mit dem Hashtag #SaveAbbas, um gegen das ungerechte Todesurteil zu protestieren. Die Anwältin Fereshteh Tabanian kritisierte das unrechtmäßige Vorgehen scharf, da die Deris-Brüder zu diesem Zeitpunkt noch keine offizielle Bestätigung des Todesurteils hatten und der Schock über das Urteil für den Tod von Kefayeh verantwortlich war. Hier wird die Willkür des Staates erneut ersichtlich.

Anschuldigungen und Urteile

Im Oktober 2022 wurde berichtet, dass Mohsen Deris von der Anklage der Komplizenschaft mit seinem Bruder zu Krieg gegen Gott und dem Staat freigesprochen wurde. Allerdings wurde ihm Beihilfe zum Mord vorgeworfen. Abbas Deris wurde wegen seiner angeblichen Beteiligung an den Protest- und Gewalttaten willkürlich zum Tode verurteilt. Die Anwältin Fereshteh Tabanian verkündete am 2. November 2022 auf Twitter, dass die beiden Angeklagten vom Sepidar-Gefängnis in Ahvaz an einen anderen Ort verlegt wurden, ohne dass ihnen zuvor etwas mitgeteilt worden war.

Trotz des verheerenden Urteils hat Fereshteh Tabanian Berufung gegen die Entscheidung eingelegt. Am 26. Juli 2023 verkündete die Anwältin auf Twitter, dass eine Anordnung zur Aussetzung der Vollstreckung des Urteils erlassen wurde. Daraufhin wurde Abbas Deris am 13.Dezember 2023 von der dritten Abteilung des Strafgerichts der Provinz Khuzestan wegen angeblichen Mordes und Waffenbesitzes zu 14 Jahren Haft verurteilt, wovon zehn Jahre vollstreckbar sind. Das Urteil ist jedoch noch nicht rechtskräftig, da es zunächst vom Berufungsgericht bestätigt werden muss. Ein weiterer Prozess, der über den Anklagepunkt „Krieg gegen Gott“ und somit über die Todesstrafe für Abbas entscheidet, steht ebenfalls noch immer aus.

Der unermütliche Kampf gegen die Vollstreckung

Nachdem die von der Anwältin Fereshteh Tabanian verfolgte Wiederaufnahme des Verfahrens von Abbas Deris zunächst in der neunten Abteilung des Obersten Gerichtshofs registriert worden war, wurde sie am 28. Januar 2024 schließlich doch abgelehnt. Dennoch betont Tabanian stets die Notwendigkeit einer fairen und unparteiischen Überprüfung des Falls, um die Rechte von Abbas Deris zu schützen. Sie versucht die Vollstreckung des Todesurteils daher weiterhin zu verhindern, indem sie sich auf Artikel 477 beruft. Eine Entscheidung über die Anfrage hat jedoch noch nicht stattgefunden. Demnach besteht noch immer die reale Gefahr, dass Abbas Deris sein Leben für ein Verbrechen verlieren könnte, das er nie begangen hat. Fereshteh Tabanian weist darauf hin, dass bis heute nicht eindeutig geklärt wurde, ob die abgefeuerte Kugel Abbas Deris gehörte oder nicht, was für seine Unschuld spricht. Auch die Familie des getöteten Reza Sayadi hat keinerlei Beschwerden gegen Abbas Deris erhoben.

Brief seines ältesten Sohnes Ali

Im Juli 2023 veröffentlichte der älteste Sohn des dreifachen Familienvaters eine Videobotschaft. Der 16-jährige Ali Deris bittet darin die Welt um Unterstützung bei der Rettung seines Vaters. Er erklärt darin, dass er und seine beiden Geschwister Mehdi (12) und Mohammad (8) bereits ihre Mutter verlieren mussten, nachdem sie von der drohenden Hinrichtung ihres Mannes erfuhr. Er stellt die Frage: „Ist diese Welt so grausam, dass sie uns dabei zuschauen wird, wie wir auch noch unseren Vater verlieren?“

Stand: Juni 2025

So können Sie Abbas helfen:

Die iranische Bürgerrechtlerin Nasrin Sotoudeh, IGFM-Kuratoriumsmitglied, wandte sich anlässlich der 53. Jahresversammlung an die IGFM. Obwohl sie aufgrund von Willkürurteilen jederzeit inhaftiert und ausgepeitscht werden kann, erhebt sie mit beharrlichem Mut ihre Stimme gegen die Grausamkeit der Diktatur, insbesondere gegen jüngste Hinrichtungen und drohende Vollstreckungen der Todesstrafe. Sie ruft zum weiteren Einsatz für die im Iran inhaftierten politischen Gefangenen auf.

„Liebe und geschätzte Freundinnen und Freunde, ich sende euch meine herzlichsten Grüße aus dem Iran. Wir befinden uns hier im Iran mitten in einem zivilgesellschaftlichen Kampf gegen die Todesstrafe, für das Recht der Frauen auf freie Wahl ihrer Kleidung sowie für die Meinungsfreiheit. Dieser Kampf umfasst auch unser Recht, unser eigenes Schicksal im Umgang mit der Welt selbst zu bestimmen – in Frieden und Freundschaft mit der internationalen Gemeinschaft.

…Die iranische Gesellschaft trägt die Last dieses Kampfes mit Bewusstsein und Entschlossenheit…Im Namen der Menschlichkeit und im Geiste der globalen Solidarität haben wir wertvolle Unterstützung durch Menschenrechtsorganisationen wie die IGFM erfahren. Wir danken herzlich für diese Solidarität und hoffen, dass diese Unterstützung nicht nur fortgesetzt, sondern auch weiter ausgebaut wird.“

Die IGFM ist davon überzeugt, dass der beste Weg der Unterstützung, die öffentliche Aufmerksamkeit ist, die insbesondere durch „politische Patenschaften“ durch Parlamentarier, die sich mit ihrem politischen Gewicht für die Gefangenen einsetzen, hergestellt wird. In der Vergangenheit hat der Einfluss von Politikern für die große Mehrheit der Inhaftierten zu erheblichen Verbesserungen geführt. Das Patenschaftsprogramm der IGFM wächst beständig und wir rechnen mit einem Mehraufwand im nächsten Quartal von rund 6.000 Euro für Recherchen, Übersetzungen, Kontaktpflege und begleitende Medienarbeit.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit im Patenschaftsprogramm.

Kennwort für Ihre Spende: Iran (86)

Jetzt für die Unterstützung der politischen Gefangenen spenden!

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Islamischen Republik Iran und den iranischen Justizchef in Teheran, Gholamhossein Mohseni-Ejei. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Gefangenen:

Iranische Botschaft in Deutschland
Botschafter: Herr Majid Nili Ahmadabadi
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Iranischer Justizchef 
Chief Justice Gholamhossein Mohseni-Ejei
The judiciary
Valiasr Avenue, Pastor Avenue, In front of Jami police station
Tehran
Islamic Republic of Iran

Betreff: „Bitte um die unverzügliche und bedingungslose Freilassung des Gefangenen Abbas Deris“

Sehr geehrter Herr Botschafter / Sehr geehrter Herr Justizchef, …

mit diesem Schreiben bringe ich meine Besorgnis über die mir vorliegenden Berichte zur Situation des Iraners Abbas Deris zum Ausdruck. 

Er wurde im Rahmen der Aban-Proteste im November 2019 in Mahschahr verhaftet. Er ist wegen „Krieg gegen Gott“, „Störung der öffentlichen Ordnung“, und der angeblichen „Ermordung eines Mitglieds der Spezialkräfte“ verurteilt worden und ihm droht akut die Todesstrafe. Seine Frau starb im März 2022 an einem Herzinfarkt, nachdem sie über die Todesstrafe ihres Mannes erfuhr, obwohl zu dem Zeitpunkt noch kein rechtmäßiges Urteil gefallen war. Die Anwältin von Abbas Deris betont weiterhin die Unschuld ihres Mandanten und weist darauf hin, dass bis heute nicht eindeutig geklärt wurde, ob die abgefeuerte Kugel zu Abbas Deris gehörte oder nicht. Auch, dass die Familie des getöteten Reza Sayadi keine Beschwerden gegen Abbas Deris erhoben hat, zeigt die Willkür, mit der das Gericht gegenüber Abbas vorgeht. Der Fall von Abbas und seinem Bruder Mohsen ist unübersichtlich und intransparent, dennoch ist es klar, dass Abbas Deris die Hinrichtung droht.

Mit größter Sorge bewegen mich die zahllosen Berichte über Verhaftungen und das gewaltsame Vorgehen von Sicherheitskräften, die bei mir große Zweifel an der Rechtstaatlichkeit der Justizverfahren aufkommen lassen.

Mit Blick auf die Verhaftung von Abbas Deris erbitte ich ihre Rückmeldung, was Sie zur Aufklärung dieses Falls tun werden, und fordere die schnellstmögliche Freilassung.

Bitte schützen Sie das Leben des dreifachen Familienvaters! Seine Kinder haben nur noch ihn.

Hochachtungsvoll,

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