Iran: Hetze gegen LGBTs

Die Führung der Islamischen Republik Iran verfolgt gleichgeschlechtliche Partnerschaften mit menschenverachtender Hetze, willkürlicher Haft und Folter. Ein offenes Leben gleichgeschlechtlicher Orientierung ist im Iran unmöglich. Das Bild zeigt Iraner über den Dächern Teherans.

Großayatollah: „Homosexuelle minderwertiger als Tiere“

IGFM: Schwerste Menschenrechtsverletzungen und staatliche Hetze gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften

Frankfurt am Main (25. Juli 2019) – Im Iran wird morgen in aller Heimlichkeit der „nationale Tag der sexuellen Minderheiten“ begangen. Seit 2010 zeigen liberale Iraner am ersten Freitag des Monats Mordad des iranischen Kalenders, kleine Zeichen ihrer Solidarität. Aus diesem Anlass weist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) auf menschenverachtende Hetze und Verfolgung von Homosexuellen durch die Islamische Republik Iran hin.

Die Islamische Republik dringt mit schwersten Sanktionen bis in die intimsten Bereiche des Privatlebens seiner Bürger ein, beklagt die IGFM. Im Iran kann nach dem dort geltenden islamischen Strafrecht einvernehmliche Sexualität zwischen Männern mit dem Tod bestraft werden, bei Frauen mit 100 Peitschenhieben. Ein offenes Leben gleichgeschlechtlicher Orientierung ist im Iran unmöglich. Homosexuelle Partnerschaften existieren im Iran nur in völliger Heimlichkeit. Bei einer Entdeckung werden die Opfer drangsaliert, willkürlich verhaftet und misshandelt, erklärt die IGFM. Iranische Menschenrechtsverteidiger schätzen, dass seit der islamischen Revolution mehrere tausend Menschen allein wegen ihrer Homosexualität getötet wurden.

Bezeichnend für die Haltung der obersten Führung der Islamischen Republik ist nach Auffassung der IGFM ein öffentliches Statement eines der bedeutendsten Geistlichen des Iran. Großayatollah Abdollah Javadi-Amoli erklärte am 16. April 2012 in der heiligen Stadt Qom bei einem Kongress islamischer Geistlicher, dass Homosexuelle ausgelöscht werden müssten. Homosexuelle seien nach dem Koran und der islamischen Überlieferung „minderwertiger als Hunde und Schweine“. Westliche Politiker, die Homosexualität entkriminalisierten, seien ebenfalls „niedriger als Tiere“. Bisher gebe es keinerlei Anzeichen für ein Umdenken der iranischen Führung. Sie befeuert aktiv Homophobie, obwohl es in der iranischen Geschichte auch Phasen großer Toleranz gegeben hat. Doch davon wollen die heutigen Machthaber im Iran nichts wissen.

„Das Schrecklichste, was ich je gesehen habe“

Ein ehemaliger iranischer Häftling, der wegen seines christlichen Glaubens in einem großen Gefängnis der Islamischen Republik gefangen gehalten und selbst gefoltert wurde, berichtete der IGFM: „Das Schrecklichste, was ich je gesehen habe, war, wie sie mit den Homosexuellen umgehen. Sie waren angekettet wie Tiere, an Händen und Füßen. Einige von ihnen über Jahre in Einzelhaft. Ich selbst war auch in Einzelhaft, aber nie mehr als etwa einen Monat am Stück. Unvorstellbar, und dann so angekettet! Die Wachen haben sie getreten, schlimmer als Tiere. Sie haben sie bespuckt, beschimpft, angeschrien. Sie haben sie auf die Toilette geschleift, wie Tiere – mit einer Hundeleine. Das war schockierend.“

Im Privaten gibt es dagegen in der iranischen Oberschicht und dem Bildungsbürgertum eine langsam zunehmende, begrenzte Toleranz; vor allem aber Mitleid, weil Homosexuelle noch immer als „krank“ betrachtet werden. Bei streng Religiösen und Traditionalisten gilt Homosexualität hingegen nach wie vor als Sünde, Schande und als strafbar.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben