Iran: Christliche Konvertiten

Zum Tag der Menschenrechte

IGFM fordert Freilassung christlicher Konvertiten im Iran

Teheran / Frankfurt am Main, 9. Dezember 2021 – Religionsfreiheit ist ein zentrales Menschenrecht: In der Islamischen Republik Iran wird es mit Füßen getreten. Dennoch begrüßt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) das jüngste Urteil des Obersten Gerichtshofs im Iran, dass die Aktivitäten von Hauskirchen und die Förderung des Christentums keine „Handlungen gegen die nationale Sicherheit“ darstellen. Leider steht dieses Urteil im Gegensatz zur staatlichen und gesellschaftlichen Realität im Iran, so die IGFM.

Denn obwohl Christen gemäß der Verfassung als religiöse Minderheit anerkannt werden, verfolgt der Geheimdienst christliche Konvertiten besonders stark. Viele christliche Konvertiten treffen sich im Iran daher heimlich in so genannten Hauskirchen, wo es oft zu Razzien und Festnahmen kommt. Derzeit sind nach Information der in Frankfurt ansässigen Menschenrechtsorganisation zahlreiche christliche Konvertiten unschuldig in Haft, die nun auf eine Revision ihres Verfahrens hoffen.

„Dieses Urteil ist gerade im Vorfeld des Tags der Menschenrechte ein wichtiges Signal. Denn wir beobachten die systematischen Menschenrechtsverletzungen in der Islamischen Republik Iran seit Jahren mit großer Sorge und kritisieren die Diskriminierung und Verfolgung ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten immer wieder aufs Schärfste. Besonders in der Adventszeit muss die internationale Gemeinschaft auf das Schicksal von inhaftierten christlichen Konvertiten aufmerksam gemacht werden und sich für deren Freilassung einsetzen“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Anlässlich des Tags der Menschenrechte am 10. Dezember stellt die IGFM vier Fälle exemplarisch vor:

Pastor Abdolreza Matthias Haghnejad – Fünf Jahre Haft, Berufung abgelehnt
Abdolreza Matthias Haghnejad arbeitete als Pastor der Freikirche „Kirche des Iran“ in der nordiranischen Stadt Rasht und wurde am 2. Februar 2019 während eines Gottesdienstes der Hauskirche festgenommen. Bei der Razzia beschlagnahmten die Sicherheitskräfte alle Mobiltelefone der Mitglieder sowie das seiner Frau und mehrere Bücher. Acht weitere Mitglieder wurden verhaftet und beschuldigt, „gegen die nationale Sicherheit zu handeln sowie den Zionismus zu fördern“. Das Revolutionsgericht verurteilte Pastor Matthias Haghnejad im Oktober 2019 zu fünf Jahren Gefängnis. Eine Berufung wurde abgelehnt. Die Europaabgeordnete Sabine Verheyen hat die politische Patenschaft für den Pastor übernommen und setzt sich zusammen mit der IGFM für dessen Freilassung ein.

Youcef Nadarkhani – Berühmtester Pastor des Irans
Youcef Nadarkhani konvertierte im Alter von 19 vom Islam zum Christentum und ist seit 2001 Pastor in einem Netzwerk von Hauskirchen, zu der auch die Freikirche „Church of Iran” gehört. 2009 wurde der zweifache Vater wegen „Abkehr vom Islam und Verbreitung des zionistischen Christentums“ zum Tode verurteilt, kam aber 2012 nach großen internationalen Protesten aus dem Gefängnis frei. Sein Anwalt Mohammad Ali Dadkhah wurde im Juli 2011 als Bestrafung für die Einspruchsklage zu Peitschenhieben, neun Jahren Haft, einem zehnjährigen Berufsverbot sowie einer Geldstrafe verurteilt. 2017 wurde der Pastor erneut zu zehn Jahren Haft verurteilt, welche er seit Mai 2018 im Evin-Gefängnis in Teheran absitzt. Während seiner Haft wurde er wiederholt gefoltert, um ihm zum „richtigen Glauben“ zurückzubringen. Seine politische Patenschaft haben der Bundestagsabgeordnete Herman Gröhe und die ehemalige Bundesministerin der Verteidigung Annegret Kramp-Karrenbauer übernommen.

Mohammad Ali Mosayebzadeh – Im Gefängnis mit Corona infiziert
Mohammad Ali Mosayebzadeh wurde am 13. Mai 2016 zusammen mit drei anderen Mitgliedern der „Church of Iran” während eines Gottesdienstes festgenommen und Anfang Juni 2016 gegen Kaution wieder freigelassen. Das Islamische Revolutionsgericht verurteilte den christlichen Konvertiten daraufhin im Juli 2017 wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit durch Verbreitung des Christentums” zu zehn Jahren Gefängnis. Das Urteil wurde von einem Berufungsgericht bestätigt, drei weitere Mitglieder der Kirche wurden zu insgesamt 30 Jahren Haft verurteilt. Mohammad Ali Mosayebzadeh verbüßt seine Haftstrafe seit Juli 2018 im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran und hatte sich dort im August 2020 wegen der schlechten Gesundheitsversorgung mit dem Coronavirus infiziert. Seine politische Patenschaft hat der Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU, Thomas Rachel, übernommen.

Diakon Saheb Fadaei – Hafturlaub, aber Antrag auf Bewährung abgelehnt
Der Diakon Saheb Fadaei wurde im Mai 2016 bei einer Razzia in seiner Gemeinde verhaftet und im Juni 2017 wegen „Handlung gegen die nationale Sicherheit”, einschließlich der „Propagierung von Hauskirchen” und der „Förderung des zionistischen Christentums” zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Im Mai 2020 wurde die Strafe auf sechs Jahre reduziert. Bereits am 10. September 2016 wurde er gemeinsam mit anderen Mitgliedern seiner Gemeinde wegen illegalem Alkoholkonsum – sie hatten Messwein getrunken – zu 80 Peitschenhieben verurteilt. Sein Einspruch wurde im Dezember 2017 abgelehnt. Seit Juli 2018 sitzt er seine Strafe im Evin-Gefängnis in Teheran ab. Im September 2018 verurteilte ihn das Gericht wegen „Propaganda gegen das Regime” zu weiteren 18 Monaten Gefängnis. Durch ein Wiederaufnahmeverfahren wurde die Strafe im Mai 2020 auf sechs Jahre reduziert. Im September 2021 wurden ihm zwei Wochen Hafturlaub gewährt. Während der Oberstaatsanwalt zuvor noch seine Freilassung gefordert hatte, wurde ihm am 24. Oktober 2021 mitgeteilt, dass dieser einen von der Gefängnisleitung gestellten Antrag auf Bewährung abgelehnt hatte.

Weitere Informationen über Menschenrechte im Iran

Herzliche Einladung zum Pressegespräch Religionsfreiheit am 10. Dezember

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