Saheb Fadaei

Der Iraner Saheb Fadaei, ein christlicher Konvertit und Diakon der Kirche „Church of Iran“ in Rasht, der Hauptstadt der nördlichen Provinz Gilan, erhielt sechs Jahre Haft, weil er in den Augen der islamischen Theokratie den falschen Glauben hat.
Christlicher Diakon wieder frei!
Der 1983 geborene christliche Konvertit Saheb Fadaei ist Diakon im Hauskirchennetzwerk der „Church of Iran“ in Rasht, der Hauptstadt der Provinz Gilan im Norden des Landes. Im Mai 2016 wurde er bei einer Razzia des Geheimdienstes in seiner christlichen Gemeinde verhaftet und im Juni 2017 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Seit Juli 2018 sitzt er im Evin-Gefängnis in Teheran. Im Zuge eines Wiederaufnahmeverfahrens im Mai 2020 wurde die Strafe für Saheb Fadaei auf sechs Jahre Gefängnis reduziert. Fadaei ist verheiratet und hat eine Tochter. Im Februar 2023 wurde er aus der Haft entlassen.
Verhaftungen und Prozesse
Nach seiner Festnahme wurde er am 29. Mai 2016 zunächst gegen eine Kaution von umgerechnet ca. 29.000 Euro freigelassen. Knapp drei Monate später, am 10. September wurde Saheb, gemeinsam mit weiteren Mitgliedern seiner Glaubensgemeinde, wegen illegalem Alkoholkonsums – sie tranken Kommunionswein – zu 80 Peitschenhieben verurteilt. Eigentlich ist es Nicht-Muslimen im Iran zwar gestattet, Alkohol zu trinken, eine Abkehr vom Islam ist aber nicht erlaubt, daher gilt auch die „Alkohol-Erlaubnis“ für vom Islam konvertierte Christen nicht.
Im Juni 2017 wurde Saheb Fadaei vom Vorsitzenden der 26. Kammer des Revolutionsgerichtes in Teheran, Richter Ahmadzadeh, der „Handlung gegen die nationale Sicherheit“, einschließlich der „Propagierung von Hauskirchen“ und der „Förderung des zionistischen Christentums“ für schuldig befunden und zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Sahebs Einspruch wurde im Dezember 2017 abgelehnt. Im Juli 2018 musste der Konvertit seine Haftstrafe im Teheraner Evin-Gefängnis antreten, wo er weiterhin inhaftiert ist.
Richter Ahmadzadeh verurteilte Saheb Fadaei zudem im September 2018 wegen „Propaganda gegen das Regime“ nach Art. 500 des iranischen Gesetzbuches zu weiteren 18 Monaten Gefängnis sowie zu zwei Jahren internem Exil in Nehbandan (internes Exil dient dazu, die Betroffenen von ihrem sozialen Umfeld zu isolieren). Durch eine Neuverhandlung seines Falls wurde Fadaeis Gesamtstrafe im Mai 2020 auf sechs Jahre Haft reduziert.
Haftbedingungen und Schikane
Die Zustände in iranischen Gefängnissen sind oft menschenunwürdig. Verheerende Hygienebedingungen und Verweigerung medizinischer Versorgung gehören zum Alltag. Auch Saheb Fadaei wurde im November 2019 medizinische Hilfe verweigert, obwohl er mehr als eine Woche unter so starkem Fieber litt, dass er halluzinierte. Trotz seiner mehrfachen Bitte um ärztliche Konsultation wurde er jeweils in seine Zelle zurückgebracht.
Nachdem verstörende Videoaufnahmen der Zustände im Evin-Gefängnis an die Öffentlichkeit gelangt waren, stattete der Oberstaatsanwalt Teherans dem Gefängnis Anfang September 2021 einen Besuch ab, um sich persönlich ein Bild der Situation vor Ort zu machen. Bei seinem Besuch empfahl er, Fadaeis Strafe zu verkürzen oder zur Bewährung auszusetzen. Nur zwei Tage später wurden Fadaei tatsächlich zwei Wochen Hafturlaub gewährt. Als er gegen Ende der zwei Wochen zurück in das etwa vier Stunden entfernte Teheran reiste, um eine Verlängerung des Hafturlaubs zu beantragen, wurde ihm diese zunächst zugesichert. Zurück in seiner Heimat wurde er jedoch am nächsten Tag telefonisch dazu aufgefordert, wieder ins Evin-Gefängnis zurückzukehren. „Sie haben nur Spielchen mit mir gespielt“, berichtete er. Am 24. Oktober 2021 wurde Fadaei schließlich mitgeteilt, dass der Oberstaatsanwalt, der zuvor noch seine Freilassung gefordert hatte, einen von der Gefängnisleitung gestellten Antrag auf Bewährung abgelehnt hatte. Im Februar 2022 wurde bekannt, dass Fadaei und drei weitere christliche Gefangene Covid-19-Symptome zeigten. Niemand der Betroffenen wurde getestet oder medizinisch behandelt.
Unterdrückung religiöser Minderheiten im Iran
Religiöse Minderheiten im Iran werden stark unterdrückt, darunter gehören auch Christen, Sufis und Bahais. Trotzdem leugnet das Regime die Verfolgung und häufigen Gewaltakte gegen Anhänger dieser Minderheiten. Stattdessen beschuldigt die iranische Regierung Anhänger religiöser Minderheiten der Propaganda gegen den Islam, sowohl in der realen Welt als auch im Internet, und bestraft dies mit Gefängnis, Auspeitschung, Geldstrafen oder sogar Hinrichtungen.
Stand: Februar 2023



