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Mansur Mowlajew unternimmt Suizidversuch

Der tschetschenische Aktivist Mansur Mowlajew hat am 15. September in einem Gefängnis in Almaty einen Suizidversuch unternommen. Er erhielt rechtzeitig medizinische Hilfe, sein Leben ist nicht mehr in Gefahr. In seinem Abschiedsbrief bat er darum, ihn in Kasachstan zu beerdigen und auch die Auslieferung der Aktivistin Julia Emelianova nach Russland zu verhindern. IGFM und Partner fordern Schutz statt Auslieferung. Bild: privat und Google Maps

GEMEINSAME ERKLÄRUNG

„16 Monate lebte ich in der Angst, nach Russland ausgeliefert zu werden“: Mansur Mowlajew unternimmt Suizidversuch

Die IGFM, die Konsuln des Anti-War Committees und “The Ark” appellieren erneut an Kasachstan, die Auslieferung von Mowlajew und Emelianova nach Russland zu verhindern

Frankfurt am Main / Almaty, 15. September 2026 – Der tschetschenische Aktivist Mansur Mowlajew hat heute versucht, sich das Leben in Auslieferungshaft zu nehmen. Er erhielt rechtzeitig medizinische Hilfe, sein Leben ist nicht mehr in Gefahr. Er schrieb zuvor einen Abschiedsbrief mit der Bitte, in Kasachstan beigesetzt zu werden, damit „nicht einmal seine Leiche nach Russland gelange“. Zugleich forderte er, die Auslieferung der ebenfalls in Kasachstan inhaftierten Aktivistin Julia Emelianova nach Russland zu verhindern. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte, die Konsuln des Anti-War Committees und das Menschenrechtsprojekt “The Ark” betonen: Eine Rückführung von Mowlajew und Emelianova nach Russland würde ihre Freiheit, Sicherheit und sogar ihr Leben gefährden.

Die Menschenrechtsorganisationen zeigen sich zutiefst besorgt über den Vorfall und fordern die kasachischen Behörden auf, unverzüglich Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Sicherheit von Mansur Mowlajew und Julia Emelianova zu ergreifen und die Entscheidungen über ihre Auslieferung nach Russland aufzuheben.

„Der Suizidversuch von Mansur Mowlajew zeigt, wie verzweifelt seine Situation geworden ist. Seit mehr als einem Jahr sitzt er hinter Gittern und wartet auf eine Entscheidung über sein Schicksal – in der Angst vor der Auslieferung nach Russland. Auch seine Bitte, Julia Emelianova zu schützen, darf nicht ignoriert werden. Wir fordern den Präsidenten Kasachstans auf, einzugreifen und die Auslieferung von Mansur Mowlajew und Julia Emelianova zu verhindern“, kommentiert Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM.

Das Völkerrecht verbietet die Rückführung eines Menschen in einen Staat, wenn ernsthafte Gründe für die Annahme bestehen, dass ihm dort Folter, unmenschliche Behandlung oder andere schwere Menschenrechtsverletzungen drohen (Non-Refoulement-Prinzip). Dieses Prinzip ist für die Fälle von Mowlajew und Emelianova von zentraler Bedeutung.

Die Fälle Mowlajew und Emelianova
Mansur Mowlajew befindet sich seit Mai 2025 in Almaty in Auslieferungshaft. Russland fordert seine Auslieferung aufgrund eines konstruierten Strafverfahrens. Am 10. September 2026 bestätigte das Kassationsgericht Kasachstans die Ablehnung seines Asylantrags. Gleichzeitig sind weiterhin vorläufige Maßnahmen des UN-Menschenrechtsausschusses in Kraft, die einer Auslieferung nach Russland entgegenstehen. Mowlajew bleibt in Haft; im Juli wurde seine Auslieferungshaft bis zum 13. Januar 2027 verlängert.

Julia Emelianova, eine ehemalige Freiwillige im Team von Alexej Nawalny, wurde im August 2025 in Almaty festgenommen. Im Januar 2026 genehmigte die Generalstaatsanwaltschaft Kasachstans ihre Auslieferung; ihre Verteidigung hat gegen diese Entscheidung Rechtsmittel eingelegt. Im August wurde die Auslieferungshaft von Emelianova um weitere sechs Monate – bis zum 28. Februar 2027 – verlängert. In einem ihrer Briefe aus dem Gefängnis erklärte Julia, dass eine Auslieferung nach Russland für sie schlimmer als der Tod sei.

Seit vielen Monaten haben Menschenrechtsverteidiger, Politiker, zivilgesellschaftliche Organisationen und die UN-Sonderberichterstatterin für Menschenrechte in Russland, Mariana Katzarova, Kasachstan wiederholt aufgefordert, die Auslieferung von Mansur Mowlajew und Julia Emelianova zu verhindern.

Aktuelle Pressemitteilungen der IGFM

709, 2026

Eva Bredow-Cordier übernimmt politische Patenschaft

Die Darmstädter Grünen-Fraktionsvorsitzende Eva Bredow-Cordier hat gemeinsam mit der IGFM die politische Patenschaft für die in Belarus verfolgten Frauen Neli Alfiorawa und Aliaksandra Pulinovich übernommen. Sie fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung und will mit der Patenschaft auf die brutale politische Repression und die systematischen Menschenrechtsverletzungen des Lukaschenko-Regimes aufmerksam machen.

709, 2026

Türk-Nachbaur übernimmt politische Patenschaft

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Derya Türk-Nachbaur hat die politische Patenschaft für sieben junge Männer übernommen, die nach Protesten in Isfahan festgenommen und zum Tode verurteilt wurden, und fordert ihre sofortige Freilassung sowie eine rechtsstaatliche Überprüfung der Vorwürfe. Die drohenden Hinrichtungen stehen im Zusammenhang mit der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste im Iran und dem Vorgehen der iranischen Justiz gegen zahlreiche Demonstrierende.

409, 2026

Russland: Kinderhospiz-Leiterin wegen Anti-Krieg-Posts verurteilt

Statt Untersuchungshaft hat ein Moskauer Gericht Lida Moniawa mit empfindlichen Sanktionen belegt: nächtlicher Hausarrest, ein völliges Kontaktverbot zu Zeugen und Verbot der Internetnutzung. Die Entscheidung kam für Moniawa und ihre Verteidigung überraschend. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) warnt, dass ihr weiterhin eine Haftstrafe drohen kann.

209, 2026

Eilmeldung: Todesurteil für Ali Zarei!

Die Justiz der Islamischen Republik Iran hat den 27-jährigen iranischen Aktivisten Ali Zarei Doozdarrehsi gestern zum Tode verurteilt. Bereits im Jahr 2022 wurde ihm von Regimeschergen ins Auge geschossen, worauf er zur medizinischen Behandlung nach Deutschland kam. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) verurteilt aufs Schärfste diese geplante Tötung und warnt vor hunderten weiteren Hinrichtungen.

109, 2026

Aserbaidschan: Oppositionsführer Ali Karimli in Haft

Die IGFM warnt vor den schlechten Haftbedingungen des aserbaidschanischen Oppositionsführers Ali Karimli. Ihm werde eine dringend benötigte medizinische Untersuchung verweigert, zudem leide er unter unhygienischen Bedingungen, Wassermangel und eingeschränktem Kontakt zu seiner Familie. Die IGFM hält das Strafverfahren gegen Karimli für politisch motiviert und fordert seine sofortige Freilassung.

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