Appell der kubanischen Bischöfe

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Vier Tage vor den einberufenen massiven Bürgerprotesten in Kuba forderte das kubanische Bistum in einem Appell die Achtung der Menschenrechte der Zivilbevölkerung und die Garantie der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Die IGFM befürchtet, dass sich die massiven Festnahmen vom 11. Juli wiederholen. Bild: Die Bischöfe vertrauen der Jungfrau von Caridad del Cobre, Mutter und Schutzpatronin Kubas, diese „schwierige Stunde in der Geschichte“ Kubas an.

Kuba: Klare Ansage an die Machthaber vor dem 15. November

IGFM lobt mutigen Appell der kubanischen Bischöfe

Havanna / Frankfurt am Main ,12. November 2021 – Vier Tage vor den am 15. November erwarteten Protesten gegen die Diktatur ist ein Appell der kubanischen Bischöfe veröffentlicht worden. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) begrüßt die Erklärung der Katholischen Bischofskonferenz Kubas. Mit Blick auf den 15. November fordern die Bischöfe Gewaltverzicht, die Einleitung längst überfälliger Veränderungen und der Respektierung der Meinungsfreiheit. 

So heißt es in der in der Nacht des 11. November veröffentlichten Erklärung, dass jeder Kubaner in der Lage sein sollte, „seine persönlichen Meinungen, Gedanken und Überzeugungen frei und respektvoll zu äußern und dass jeder Akt von Gewalt die Seele des kubanischen Volkes verletze und noch mehr zum Kummer, zum Leid und zur Traurigkeit unserer Familien beitrage“. In diesem Sinne rufen sie zur Versöhnung und Miteinander auf. Nach Auffassung der Bischöfe sei es von entscheidender Bedeutung, die notwendigen und lang ersehnten Änderungen vorzunehmen. Die IGFM, die auf Kuba durch eine Sektion vertreten ist, hatte bereits am 8. November zu Gewaltverzicht und Meinungsfreiheit aufgerufen.

„Dieser mutige Appell der katholischen Bischöfe adressiert eine klare Botschaft an Machthaber Díaz-Canel und die gesamte Machtelite. Die von den Bischöfen gewählten klugen Worte sollen an erster Stelle helfen, eine Eskalation von Gewalt zu verhindern. Die Bischöfe machen aber auch klar, dass die Menschen auf Kuba die Diktatur satthaben. Das ist eine klare Ansage an die Machthaber. Seit 62 Jahren werden die Kubaner von der KP totalitär beherrscht. Das muss sich nun auch aus Sicht der bisher politisch sehr defensiven Bischöfe schnell ändern“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.

Katholische Bischöfe von Kuba

Katholische Bischöfe von Kuba. Foto: Radio Televisión Martí

Lesen Sie den Appell in deutscher Übersetzung und spanischem Original:

In den letzten Wochen haben wir festgestellt, dass unter uns ein Klima der Spannung und Konfrontation entstanden ist, das weder gesund noch für irgendjemanden von Vorteil ist. Aus diesem Grund möchten wir Ihnen brüderlich einige Überlegungen mitteilen, die uns als Kubaner und Pastoren des Volkes Gottes am Herzen liegen:

  • Jeder Mensch verdient Wertschätzung und Anerkennung seiner Würde als Mensch und Kind Gottes, als freier Bürger, der Rechte und Pflichten hat. Folglich sollte jeder Kubaner in der Lage sein, seine persönlichen Meinungen, Gedanken und Überzeugungen frei und respektvoll zu äußern, auch wenn er nicht mit der Mehrheit übereinstimmt.
  • Jeder Akt der Gewalt unter uns, ob physisch, verbal oder psychologisch, verletzt die Seele der kubanischen Nation schwer und trägt noch mehr zum Kummer, zum Leid und zur Traurigkeit unserer Familien bei. Eine verwundete Seele ist nicht in der Lage, eine Zukunft der Hoffnung aufzubauen. Gewalt widerspricht dem Willen Gottes, denn Christus hat uns versichert: „Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen“ (Mt. 5,9).
  • Wir sind der Meinung, dass es für die Kubaner immer dringlicher wird, sich an einem nationalen Projekt zu beteiligen, das alle einbezieht und motiviert, das die Unterschiede berücksichtigt, ohne auszugrenzen oder zu marginalisieren.
  • Wir glauben, dass es notwendig ist, Mechanismen zu schaffen, bei denen jeder ohne Angst vor Einschüchterung und Repressalien gehört werden kann und durch die Unzufriedenheit mit der harten täglichen Realität, die so viele, insbesondere die Ärmsten und Schwächsten, belastet, ausgedrückt werden kann.
  • Es ist von entscheidender Bedeutung, die notwendigen und lang ersehnten Änderungen vorzunehmen, die ein würdiges und glückliches Leben für alle Kinder hier in unserem Land ermöglichen werden.
  • Wie dankbar wären so viele kubanische Familien und die Kirche selbst, und wie sehr würden sich die sozialen Spannungen verringern, wenn es Nachsicht für diejenigen gäbe, die wegen der Ereignisse des letzten Sommers immer noch inhaftiert sind

Wir appellieren erneut an alle, keine Mühen zu scheuen, um den Weg für Verständnis, Versöhnung und Frieden zu ebnen, damit die verschiedenen Vorschläge über das gegenwärtige Schicksal und die Zukunft unseres Landes auf einen Rahmen der Vernunft, der Toleranz und der Harmonie treffen und damit ein harmonischer und zivilisierter Dialog zustande kommt, in dem die besten Lösungen für die Probleme gefunden werden können, die uns beschäftigen.

Der Jungfrau von Caridad del Cobre, Mutter und Schutzpatronin Kubas, vertrauen wir diese schwierige Stunde in der Geschichte unseres Landes an, damit das Licht, das dem Frieden und der Liebe entspringt, über die Wolken des Hasses und der Feindschaft siegen kann.

„Alle deine Kinder schreien zu dir, Jungfrau Mambisa, damit wir Brüder und Schwestern werden“.

DIE KATHOLISCHEN BISCHÖFE VON KUBA

Havanna, November 11, 2021

En las últimas semanas constatamos, entre nosotros, el aumento de un clima de tensión y confrontación que no es saludable ni beneficia a nadie. Por este motivo, queremos fraternalmente compartir con ustedes unas consideraciones que brotan de nuestros corazones de cubanos y pastores del Pueblo de Dios:

  • Toda persona merece estima y reconocimiento de su dignidad, por su condición de ser humano e hijo de Dios, por ser ciudadano libre, sujeto de derechos y deberes. En consecuencia, todo cubano debería poder expresar y compartir libremente y con respeto, sus opiniones personales, su pensamiento o sus convicciones, incluso cuando disienta de la mayoría.
  • Cualquier acto de violencia entre nosotros, ya sea física, verbal o sicológica, hiere gravemente el alma de la nación cubana y contribuye todavía más al pesar, al sufrimiento y a la tristeza de nuestras familias. Un alma herida no está en condiciones de construir un futuro de esperanza. La violencia contradice la voluntad de Dios, pues Cristo ha asegurado: “Felices los que trabajan por la paz, porque ellos serán llamados hijos de Dios” (Mt. 5,9).
  • Consideramos que urge, cada vez más, la implicación de los cubanos en un proyecto de nación que involucre y motive a todos; que tenga en cuenta las diferencias, sin exclusiones ni marginaciones.
  • Pensamos que hace falta implementar mecanismos donde, sin temor a intimidación y represalias, toda persona pueda ser escuchada y se encaucen las insatisfacciones ante las duras realidades cotidianas que agobian a tantos, especialmente a los más empobrecidos y vulnerables.
  • Es imprescindible la implementación de los cambios necesarios, tan largamente deseados, que favorezcan una vida digna y feliz para todos los hijos, aquí, en esta tierra nuestra.
  • ¡Cuánto agradecerían tantas familias cubanas y la misma Iglesia, y cuánto disminuiría la tensión social, si hubiese un gesto de indulgencia para los que aún permanecen detenidos por los acontecimientos del pasado verano!

Una vez más exhortamos a todos a que no escatimemos esfuerzos para que se allanen los caminos del entendimiento, la reconciliación y la paz; de tal modo que las diversas propuestas sobre el destino presente y futuro de nuestro país, encuentren un ámbito de cordura, tolerancia y concordia, y se establezca un diálogo armónico y civilizado en el cual se puedan encontrar las mejores soluciones a los problemas que nos atañen.

A la Virgen de la Caridad del Cobre, Madre y Patrona de Cuba, encomendamos esta hora difícil de la historia de nuestra nación, para que la luz que brota de la paz y del amor, prevalezca sobre los nubarrones del odio y de la enemistad.

“Todos tus hijos a ti clamamos, Virgen Mambisa, que seamos hermanos”.

LOS OBISPOS CATÓLICOS DE CUBA

La Habana, 11 de noviembre de 2021

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