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Mystiker: Mohammad Taheri

Mohammad Taheri

Der iranische Ingenieur Mohammad Ali Taheri ist der Begründer einer alternativen Heilmethode. Er wurde 2011 verhaftet, saß 5 Jahre im Gefängnis und wurde anschließend für zwei Jahre ohne Anklage und Urteil willkürlich gefangen gehalten. Am 10. März 2018 wurde erneut zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Mystiker Mohammad Taheri im Iran willkürlich in Haft

Auf einen Blick

Der iranische Ingenieur Mohammad Ali Taheri ist der Begründer der mystisch spirituellen Lehre Erfan-e Halgheh („Interuniversalismus“), von der er alternative Heilmethoden abgeleitet hat. Die Führung des Iran betrachtet seine Weltsicht als nicht kompatibel mit den Dogmen der Islamischen Republik.

Nach seiner Verhaftung im Jahr 2011 war Taheri über Jahre in einer Einzelzelle inhaftiert. Nachdem er 2016 seine erste fünfjährige Haftstrafe verbüßt hatte, hielten ihn die Behörden zwei Jahre ohne Anklage und Urteil willkürlich weiter gefangen. Wegen angeblichem „Verderbenstiften auf Erden“ wurde er am 10. März 2018 erneut zu fünf Jahren Haft verurteilt.

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Zur Person

Mohammad Ali Taheri, geboren am 21. März 1956 in Kermanschah, ist Maschinenbauingenieur. Er war Dozent an der Universität Teheran. Er verfasste mehrere Bücher zu der von ihm begründeten spirituellen Lehre von Erfan-e Halgheh und zu den ebenfalls von ihm selbst entwickelten alternativen und nicht medizinischen Heilmethoden „Faradmani“ und „Psymentology“. Taheri ist verheiratet, das Paar hat eine erwachsene Tochter.

Verhaftung und Prozess

Aufgrund seiner – nach Auffassung der iranischen Staatssicherheit – nicht mit der islamischen Staatsdoktrin konformen Weltanschauung geriet Mohammed Ali Taheri ins Visier der iranischen Behörden. Er wurde bereits im Jahr 2010 unter dem Vorwurf der angeblichen „Gefährdung der nationalen Sicherheit“ festgenommen und für 67 Tage in Einzelhaft im Evin-Gefängnis gefangen gehalten, danach aber zunächst freigelassen. Am 4. Mai 2011 nahm ihn die Staatssicherheit im Zusammenhang mit der Entwicklung seiner spirituellen Lehre „Erfan-e Halgheh“ erneut fest und inhaftierte ihn bis zum Gerichtsbeschluss ohne jeglichen Kontakt zur Außenwelt in Einzelhaft. Die Behörden warfen ihm eine “illegitime Beziehung” zu einer Frau vor, weil er während einer Behandlung ihr Handgelenk angefasst hatte; außerdem Verbreitung nicht autorisierter Veröffentlichungen und angebliche „Beleidigung von Islamischen Heiligkeiten“. Im Oktober 2011 wurde Taheri von der Abteilung 26 des Revolutionsgerichts in Teheran zu 5 Jahren Haft im Evin-Gefängnis, 74 Peitschenhieben und einer nach iranischen Maßstäben ungeheuer hohen Geldstrafe verurteilt (nach dem Wechselkurs von Februar 2019 umgerechnet rund 90.000 Euro). 2014 wurde ihm außerdem “Verderbenstiften auf Erden” vorgeworfen, da er angeblich starken Zweifel gegenüber dem islamischen Glauben verbreitet habe. Taheris zweiter Prozess fand im März und Juli 2015 statt. Im November 2015 verurteilte das Islamische Revolutionsgericht in Teheran Taheri zum Tod – diese Strafe wurde jedoch im Berufungsverfahren im Dezember 2015 wieder aufgehoben. Zwischen 2016 und 2018 war er im Evin-Gefängnis ohne Prozess oder Urteil in Einzelhaft. Am 2. März 2018 wurde er laut den Berichten seines Anwaltes Mahmoud Alizadeh Tabatabaee schließlich erneut zu 5 Jahren Haft wegen angeblichem „Verderbenstiften auf Erden“ verurteilt. Nach starken internationalen Protesten hat das Gericht im August 2018 unter Auflagen seine Freilassung genehmigt. Er wird dennoch weiter gefangen gehalten.

Haftbedingungen

Seit seiner Verhaftung im Jahr 2011 war Mohammad Ali Taheri im Evin-Gefängnis inhaftiert. Sämtliche Anträge auf Verlegung in eine Gruppenzelle wurden bis 2018 abgelehnt. Taheri ist mehrmals in Hungerstreik getreten, um gegen seine unrechtmäßige Inhaftierung, das unfaire Gerichtsverfahren und den fehlenden Kontakt zu seiner Familie und seinem Anwalt zu protestieren. Besuche seiner Familie oder seines Anwalts werden ihm seit 2014 verweigert und Telefonate nur sehr selten erlaubt. Berichten zufolge ist er von Vernehmungsbeamten bedroht und psychisch gefoltert worden.

Haftadresse:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein. Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Mohammad Taheri im Evin-Gefängnis:

To Mr. Mohammad Taheri
Evin Prison
Kachoui Alley
Tehran
Islamic Republic of Iran

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Appellvorschlag

Bitte kontaktieren Sie die iranische Regierung und ihre Vertreter per Post oder Telefon:
Bitte schreiben Sie an das iranische Staatsoberhaupt, Ayatollah Sayed Ali Khamenei, an den Präsidenten Irans, Hassan Rohani, und an die Botschaften des Iran. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung des Mystikers:

Wie schreibe ich einen Appell?

Warum Appelle?

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Haft, Misshandlung und Folter des iranischen Ingenieur Mohammad Ali Taheri aufmerksam zu machen.

Mohammad Ali Taheri ist durch seine Tätigkeit als Dozent sowie durch seine Bücher zu von ihm selbst entwickelten alternativen und nicht medizinischen Heilmethoden bekannt geworden. Durch Misshandlungen und Folter in der Haft ist er nun selbst auf Hilfe angewiesen, die ihm aber von den Gefängnisbehörden verweigert wird.

Die Umstände seiner Verhaftung und seines Prozesses, die Misshandlungen und Folterungen von Mohammad Ali Taheri, die fünfjährige Haftstrafe sowie die Fortsetzung seiner Inhaftierung trotz Genehmigung seiner Freilassung verstoßen sowohl gegen internationale Mindeststandards für die Behandlung von Gefangenen, gegen iranisches Recht und gegen völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge, die der Iran ratifiziert hat.

Ich appelliere an Sie, sich für die sofortige und bedingungslose Aufhebung des Urteils und für die Freilassung von Mohammad Ali Taheri einzusetzen. Außerdem appelliere ich an Sie, die Folterungen in einem transparenten Verfahren zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Außerdem bitte ich Sie herzlich, mich darüber zu informieren, welche Schritte sie in dieser Sache eingeleitet haben.

Hochachtungsvoll

Appelladressen:

Bitte schreiben Sie direkt oder über die jeweilige iranische Botschaft mit der Bitte um Weiterleitung (Briefporto aus Deutschland: 0,90 Euro)

“Führer” Ayatollah Ali Khamenei
His Excellency Ayatollah Sayed Ali Khamenei
The Office of the Supreme Leader of the Islamic Republic
Shahid Keshvar Doust Street,
Teheran
Islamische Republik Iran
Tel: +98 21 64412020
Fax: +98 21 64412030
E-Mail: contact@leader.ir

Präsident Hassan Rohani
His Excellency Hassan Rohani
The Presidency
Palestine Avenue Azerbaijan Intersection
Teheran
Islamische Republik Iran
Fax: +98 21 64454811
E-Mail: media@rouhani.ir

Leiter des Menschenrechtsrates der iranischen Justiz und einer der wichtigsten Berater des “Führers” Khamenei
Mohammad Javad Larijani
Secretary General, High Council for Human Rights
Howzeh Riassat-e Ghoveh Ghazaiyeh
Pasteur St, Vali Asr Ave.,
South of Serah-e Jomhuri
Tehran 1316814737
Islamic Republic of Iran
Fax: 0098-21-3390 4986

Vorsitzender der Judikative
Ebrahim Raisi
c/o Public Relations Office
Number 4, 2 Azizi Street intersection, Valiasr Ave, Pasteur Street intersection
Tehran
Islamic Republic of Iran
E-Mail: info@dadiran.ir
Kontaktformular: samolilarijani.com/fa/contacts

Adresse des Justizministeriums
Valiasr Ave, Teheran, 1638
Postleitzahlen: 1416783619 und 1416783595
Tel.: 5-88893621
Fax: 88909346
E-Mail: info@justice.ir

Menschenrechtsbüro Iran
Mohammed Javad Larijani
Telefon: +98 21 2280958
Fax: + 98 21 2719130
E-Mail: larijani@ipm.ir

Iranische Botschaft in Deutschland
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
Tel. 0049-(0)30-84353399 und 0049-(0)30-843530
Fax: 0049-(0)30-8435 3535
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Iranische Botschaft in Österreich
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Jaurèsgasse 9
1030 Wien
Österreich
Tel. 0043-1-7122657
Fax: 0043-1-7135733
E-Mail: public@iranembassy-wien.at
Online-Formular: www.iran.embassy.at/asps/S_POL.ASP

Iranische Botschaft in der Schweiz
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Thunstrasse 68
Postfach 227
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Fax: 0041-313515652
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Kontaktformular: iranembassy.ch/en/msg/add

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2019-03-11T16:08:19+01:00Montag, März 11, 2019|