Pakhshan Azizi

Pakhshan Azizi war bei einer Hilfsorganisation tätig und half zwischen 2014 und 2022 vielen Frauen und Mädchen, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ vertrieben worden waren. Am 4. August 2023 nahmen Angehörige des Geheimdienstministeriums Pakhshan Azizi willkürlich in ihrer Wohnung in Teheran fest. Der Oberste Gerichtshof des Iran hat den Berufungsantrag gegen das Todesurteil von Pakhshan Azizi am 6. Februar 2025 abgelehnt. Sie kann jeden Moment hingerichtet werden!

Hinrichtung der kurdischen Aktivistin droht unmittelbar!

Politische Patin: Niedersächsische Landtagspräsidentin Hanna Naber (SPD)

Pakhshan Azizi
Geburtsdatum:

Festnahme: 4. August 2023

Inhaftiert in: Evin Gefängnis in Teheran

Vorwurf: „bewaffnete Rebellion gegen den Staat“

Urteil: Todesstrafe

Die Iranerin Pakhshan Azizi war bei einer Hilfsorganisation tätig und half zwischen 2014 und 2022 vielen Frauen und Mädchen, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ vertrieben wurden und sich in Lagern im Nordosten Syriens und in der irakischen Region Kurdistan aufhielten. Am 4. August 2023 nahmen Sicherheitskräfte des Geheimdienstministeriums Pakhshan Azizi in ihrer Wohnung in Teheran fest und hielten sie fünf Monate lang in der Abteilung 209 des Teheraner Evin-Gefängnisses in Einzelhaft fest. Gut informierten Quellen zufolge wurde sie während der Verhören gefoltert, misshandelt und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt, um sie dazu zu bringen, Verbindungen zu kurdischen Oppositionsgruppen zu „gestehen“, was Pakhshan Azizi durchgehend abstritt. Während dieser Zeit wurde ihr der Zugang zu einem Rechtsbeistand verweigert und sie hatte keinen Kontakt zu ihrer Familie. Anfang Dezember 2023 verlegte man sie in den Frauentrakt des Evin-Gefängnisses.

Verurteilung

Der Prozess gegen Pakhshan Azizi, der in zwei Sitzungen am 28. Mai und 16. Juni 2024 stattfand, entsprach bei Weitem nicht internationalen Standards für faire Gerichtsverfahren. Die Angeklagte hatte weder die Zeit noch die Möglichkeit, sich angemessen auf ihre Verteidigung vorzubereiten. Sie durfte erst einige Wochen vor der Verhandlung mit ihren Rechtsbeiständen telefonieren. In dem Gerichtsurteil wird als „Beweismittel“ gegen Pakhshan Azizi angeführt, dass sie im Jahr 2009 an einer Demonstration gegen die Hinrichtung eines Kurden im Iran teilgenommen hatte. Ihr wird außerdem zur Last gelegt, Angehörige von, bei den landesweiten Protesten 2022 getöteten, Demonstranten unterstützt zu haben.

Im Juli 2024 wurde Pakshan Azizi von Richter Iman Afshari und der Abteilung 26 des Teheraner Revolutionsgerichts in einem unfairen Verfahren zum Tode verurteilt.

In einem Interview mit iranischen Medien am 24. Juli 2024 bekräftigte einer ihrer Rechtsbeistände nach der Urteilsverkündung, dass „Frau [Pakhshan] Azizi nie an bewaffneten Operationen teilgenommen hat, sondern […] vielmehr ab 1394 [2015/2016 nach gregorianischem Kalender] wegen der Verbrechen von Da’esh [der bewaffneten Gruppe Islamischer Staat (IS)] in das Gebiet von Rojava [Nordostsyrien] gegangen ist und als Sozialarbeiterin Flüchtlingen und Opfern [des IS] geholfen hat.“ Im selben Interview erklärte ihr Rechtsbeistand: „Selbst im Urteilsspruch gibt es keinen Hinweis auf bewaffnete Einsätze oder eine bewaffnete Konfrontation zwischen Frau [Pakhshan] Azizi und einer iranischen staatlichen oder nichtstaatlichen Stelle.“

Situation im Gefängnis

Seit ihrer willkürlichen Inhaftierung ist Pakhshan Azizi mehrmals in den Hungerstreik getreten, um gegen die Verlegung der kurdischen Aktivistin Verisheh Moradi in die Abteilung 209 des Evin-Gefängnis zu protestieren. Sie beendete ihren Hungerstreik, als Verisheh Moradi wieder in den Frauentrakt zurückverlegt wurde. Als Vergeltungsmaßnahme dafür, dass Pakhshan Azizi auch im Gefängnis ihren Menschenrechtsaktivismus fortführte, haben die Behörden zwei neue Verfahren gegen sie angestrebt und ihr den Kontakt zu ihrer Familie verweigert. Mitte August 2024 leiteten die Behörden laut einer gut informierten Quelle ein Verfahren gegen Pakhshan Azizi wegen „Aufruhr im Gefängnis“ ein. Dies hing mit ihrem Aktivismus bezüglich der Präsidentschaftswahlen im Iran zusammen, die in zwei Runden zwischen Ende Juni und Anfang Juli 2024 stattfanden. Vom 6. Juli bis Mitte September 2024 verweigerten die Behörden der Menschenrechtlerin jeglichen Kontakt zu ihrer Familie. Persönliche Besuche ihrer Familie sind ihr bis heute untersagt. Das zweite Verfahren wurde Anfang September 2024 gegen sie angestrengt und bezog sich auf eine Protestveranstaltung, die Pakhshan Azizi mit einigen Mitgefangenen, darunter der inhaftierten Menschenrechtlerin Narges Mohammadi, im Frauentrakt des Evin-Gefängnisses abgehalten hatte, um den verstärkten Einsatz der Todesstrafe im Iran anzuprangern.

Stand: Februar 2025

So können Sie Pakhshan helfen:

Die iranische Bürgerrechtlerin Nasrin Sotoudeh, IGFM-Kuratoriumsmitglied, wandte sich anlässlich der 53. Jahresversammlung an die IGFM. Obwohl sie aufgrund von Willkürurteilen jederzeit inhaftiert und ausgepeitscht werden kann, erhebt sie mit beharrlichem Mut ihre Stimme gegen die Grausamkeit der Diktatur, insbesondere gegen jüngste Hinrichtungen und drohende Vollstreckungen der Todesstrafe. Sie ruft zum weiteren Einsatz für die im Iran inhaftierten politischen Gefangenen auf.

„Liebe und geschätzte Freundinnen und Freunde, ich sende euch meine herzlichsten Grüße aus dem Iran. Wir befinden uns hier im Iran mitten in einem zivilgesellschaftlichen Kampf gegen die Todesstrafe, für das Recht der Frauen auf freie Wahl ihrer Kleidung sowie für die Meinungsfreiheit. Dieser Kampf umfasst auch unser Recht, unser eigenes Schicksal im Umgang mit der Welt selbst zu bestimmen – in Frieden und Freundschaft mit der internationalen Gemeinschaft.

…Die iranische Gesellschaft trägt die Last dieses Kampfes mit Bewusstsein und Entschlossenheit…Im Namen der Menschlichkeit und im Geiste der globalen Solidarität haben wir wertvolle Unterstützung durch Menschenrechtsorganisationen wie die IGFM erfahren. Wir danken herzlich für diese Solidarität und hoffen, dass diese Unterstützung nicht nur fortgesetzt, sondern auch weiter ausgebaut wird.“

Die IGFM ist davon überzeugt, dass der beste Weg der Unterstützung, die öffentliche Aufmerksamkeit ist, die insbesondere durch „politische Patenschaften“ durch Parlamentarier, die sich mit ihrem politischen Gewicht für die Gefangenen einsetzen, hergestellt wird. In der Vergangenheit hat der Einfluss von Politikern für die große Mehrheit der Inhaftierten zu erheblichen Verbesserungen geführt. Das Patenschaftsprogramm der IGFM wächst beständig und wir rechnen mit einem Mehraufwand im nächsten Quartal von rund 6.000 Euro für Recherchen, Übersetzungen, Kontaktpflege und begleitende Medienarbeit.

Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit im Patenschaftsprogramm.

Kennwort für Ihre Spende: Iran (86)

Jetzt für die Unterstützung der politischen Gefangenen spenden!

Bitte schreiben Sie an die Botschaft der Islamischen Republik Iran und den iranischen Justizchef in Teheran, Gholamhossein Mohseni-Ejei. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der Gefangenen:

Iranische Botschaft in Deutschland
Botschafter: Herr Majid Nili Ahmadabadi
Botschaft der Islamischen Republik Iran
Podbielskiallee 65-67
14195 Berlin
E-Mail: info@iranbotschaft.de

Iranischer Justizchef 
Chief Justice Gholamhossein Mohseni-Ejei
The judiciary
Valiasr Avenue, Pastor Avenue, In front of Jami police station
Tehran
Islamic Republic of Iran

Betreff: „Bitte um die unverzügliche und bedingungslose Freilassung der Gefangenen Pakhshan Azizi“

Sehr geehrter Herr Botschafter / Sehr geehrter Herr Justizchef, …

mit diesem Schreiben bringe ich meine Besorgnis über die mir vorliegenden Berichte zur Situation der iranischen Staatsbürgerin Pakhshan Azizi zum Ausdruck. 

Pakhshan Azizi war bei einer Hilfsorganisation tätig und half zwischen 2014 und 2022 vielen Frauen und Mädchen, die von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ vertrieben worden waren und sich in Lagern im Nordosten Syriens und in der irakischen Region Kurdistan aufhielten. Am 4. August 2023 nahmen Angehörige des Geheimdienstministeriums Pakhshan Azizi willkürlich in ihrer Wohnung in Teheran fest. Ohne ihre Familie darüber zu informieren, hielten die Sicherheitskräfte Pakhshan Azizi fünf Monate lang in der dem Geheimdienstministerium unterstehenden Abteilung 209 des Teheraner Evin-Gefängnisses in Einzelhaft fest. Gut informierten Quellen zufolge wurde sie in dieser Zeit verhört, gefoltert und misshandelt. Außerdem wurde der Zugang zu einem Rechtsbeistand verweigert.

Die Festnahme, die Inhaftierung, der willkürliche Prozess sowie die Verweigerung anwaltlichen Beistands stellen massive Verletzungen der Rechte von Frau Azizi dar. Der Iran hat diese Rechte in international bindenden Verträgen ratifiziert.

Ich erbitte Ihre Rückmeldung, was Sie zur Aufklärung dieses Falls tun werden, und erbitte die schnellstmögliche Freilassung, sowie die Aufhebung des Urteils.


Bitte schützen Sie das Leben von Pakhshan Azizi!


Hochachtungsvoll,

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