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Seit der russischen Vollinvasion am 24. Februar 2022 sind die in den besetzten Gebieten lebenden Ukrainerinnen und Ukrainer systematischer Unterdrückung, Verfolgung und Folter durch das russische Okkupationsregime ausgesetzt. Die IGFM veröffentlichte die Dokumentation „Das Grauen in meinem Haus – die russisch besetzten Gebiete in der Ukraine“ und diskutierte gemeinsam mit Experten und Betroffenen über die prekäre Situation in den von Russland besetzten Gebieten. Foto: Markus Spiske from Forchheim, Bavaria Upper Franconia, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Terror in den besetzten Gebieten der Ukraine

Folter, Enteignung und Zwangsrussifizierung

IGFM veröffentlicht umfassende Dokumentation über Menschenrechtslage
in von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine

Frankfurt am Main, 24. September 2025 – Russland hält weiterhin rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetzt und setzt die Menschen dort einer umfassenden Zwangsrussifizierung aus. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) schätzt, dass derzeit noch ca. 3,5 Millionen Menschen dort leben. Mit Filtrationslagern, Massenverschleppungen und Folter geht das Okkupationsregime mit systematischem Terror vor. Tausende ukrainische Zivilisten würden ohne Gerichtsverfahren in russischen Gefängnissen festgehalten. Alle demokratischen Regierungen weltweit seien gefordert, die russischen Kriegsverbrechen zu ahnden, zudem dürften Land und Menschen nicht als Verhandlungsmasse missbraucht werden, mahnt die IGFM an.

„Die IGFM fordert die Bundesregierung auf, die Ukraine mit allen möglichen Mitteln zu unterstützen und der möglichen Straflosigkeit der russischen Kriegsverbrechen entgegenzuwirken.“, erklärt Valerio Krüger, Vorstandssprecher der IGFM.

Erhebliche Einschränkungen ohne russischen Pass

Seit Anfang 2025 gelten in den besetzten Gebieten alle Personen ohne einen russischen Pass als „ausländische Staatsbürger“ und verlieren Zugang zu medizinischer Versorgung, Bank- und Sozialleistungen. Zudem könne ihr Besitz in Staatseigentum überführt und sie jederzeit ausgewiesen werden. Der Zwang zur Annahme der russischen Staatsangehörigkeit reiche bis in Entbindungsstationen. Dort wurde sogar Müttern mit Kindesentzug gedroht, wenn nicht mindestens ein Elternteil die russische Staatsbürgerschaft besitze, so die IGFM.

Prozess der Filtration – Gewaltsame Verhöre und Durchsuchungen

In sogenannten „Filtrationslagern“ werden Ukrainer auf massive und brutale Weise entmenschlicht und gefoltert. Dies beinhaltet Zwangsuntersuchungen des Körpers nach proukrainischen Tätowierungen und Durchsuchungen der Wohnungen, Privatsachen und Mobiltelefonen. Außerdem gehören dazu langwierige gewaltsame Verhöre, Anwendung von Lügendetektoren, physische Gewalt und Einschüchterung.

Zwangsrussifizierung & russisch-patriotische Erziehung

In den besetzten Gebieten wird eine umfassende kulturelle und sprachliche Russifizierung sowie Erziehung zu „russischem Patriotismus“ betrieben. So ist seit Anfang 2023 Ukrainisch als Unterrichtssprache verboten. Der Schulalltag beginnt mit dem Hissen der russischen Flagge und dem Singen der russischen Hymne. Zudem werden die Kinder zum Schreiben von „Dankesbriefen“ an russische Soldaten verpflichtet, während Schulmaterialien die Existenz der Ukraine als eigenständigen Staat leugnen. Die IGFM fordert eine internationale Untersuchung dieser Indoktrinationsmaßnahmen an ukrainischen Kindern und Zivilisten.

Inhaftierungen von Zivilisten und systematische Folter

Laut Angaben der IGFM befinden sich tausende unschuldige ukrainische Zivilisten ohne Gerichtsverfahren in russischen Gefängnissen. Russland verweigert systematisch Zugang zu diesen Haftanstalten. So erhalten weder ukrainische Behörden und Angehörige der “Häftlinge”, noch UN, OSZE und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Einlass. Auch ist der Austausch der zivilen Gefangenen bislang nicht Teil offizieller Vereinbarungen. Freigelassene berichten von schwersten Misshandlungen und grausamer Folter: Schläge, Elektroschocks, Hinrichtungsdrohungen, Scheinhinrichtungen, langwierige Stresspositionen und oft sexueller Missbrauch.

Hintergrund zu den besetzten Gebieten

Zu den von Russland besetzten Gebieten in der Ukraine zählen neben der bereits 2014 annektierten Halbinsel Krim die sogenannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk sowie Teile von Saporischschja und Cherson. Am 30. September 2022 erklärte Russland diese vier Regionen nach international nicht anerkannten Scheinreferenden zu russischem Staatsgebiet – obwohl bis heute keine vollständige militärische Kontrolle besteht.

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Anlässlich der Veröffentlichung der neuen IGFM-Dokumentation „Das Grauen in meinem Haus“ veranstaltete die IGFM eine Pressekonferenz, in der  wir gemeinsam mit Experten und Betroffenen über die prekäre Situation in den von Russland besetzten Gebieten berichteten: von Zwangsfiltration und Passzwang über die Russifizierung von Bildung und Kultur bis hin zu Massenverschleppungen und Folter.

Die Aufnahme der Konferenz anschauen:

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Es sprachen:

Liusiena Zinovkina
Menschenrechtsaktivistin und Ehefrau des verschleppten ukrainischen Zivilisten Kostiantyn Zinovkin

„Öfter und öfter höre ich, dass die Ukraine endlich mal diese besetzten Gebiete abgeben muss, und dann können alle endlich im Frieden leben. Da muss ich nur lachen, weil das leider nicht stimmt.“

Dr. Manfred Sapper
Politikwissenschaftler, Osteuropa-Experte und Chefredakteur der Zeitschrift Osteuropa (DGO)

„Es geht Russland nicht um diese 20% besetzten Gebiete, sondern um die Zerstörung der Ukraine als souveräner freier Staat. <…> Russlands Interesse als imperialer Staat ist die Logik der europäischen Friedensordnung komplett neu zu definieren.“

Dr. Andreas Umland
Analyst am Stockholmer Zentrum für Osteuropastudien (SCEEUS) des Schwedischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (UI)

„Inzwischen ist es so, dass die Verschleppung und Deportation von Kindern geheim gehalten wird, weil man sich bewusst geworden ist, wie schwierig das ist für den russischen Staat.“

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