Sepideh Gholian

Die iranische Journalistin und Aktivistin Sepideh Gholian wurde am 15. März 2023 wenige Stunden nach Ende einer dreijährigen Haftstrafe erneut verhaften wurden- diesmal mit dem Vorwurf „Beleidigung der iranischen Revolutionsführer“. Am 11. Juni 2025 wurde sie aus der Haft entlassen.
Journalistin frei nach 2 Jahren Haft
Sepideh Gholian (auch Qolian) ist Journalistin und stammt aus Dezful, einer Stadt, die wegen der Protestbereitschaft ihrer Einwohner traditionell als „Hauptstadt des Widerstandes“ bezeichnet wird. Als Journalistin und Aktivistin engagiert sie sich schwerpunktmäßig für Frauen- und Arbeitsrechte.
Festnahmen und Verfahren
Gholian wurde erstmals am 18. November 2018 während einer Berichterstattung über Gewerkschaftsproteste festgenommen, kam aber kurze Zeit später gegen Kaution wieder frei. Am 9. Januar 2019 veröffentlichte sie einen Bericht über die Folter und sexuellen Misshandlungen, die sie und andere Aktivistinnen in Haft erfahren hatten. Mehr als 20 Sicherheitskräfte stürmten elf Tage später ihr Elternhaus, nahmen Gholian gewaltsam fest und brachten sie ins für seine miserablen Hygienebedingungen berüchtigte Qarchak-Gefängnis. Bei der Festnahme wurden auch ihr Vater und Bruder verletzt.
Die politische Aktivistin wurde wegen „Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit“, „Propaganda gegen den Staat“, „Mitgliedschaft in einer illegalen Vereinigung“ sowie der „Veröffentlichung von Falschnachrichten“ am 7. September 2019 zunächst zu 19 ½ Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde im Berufungsverfahren im Dezember 2019 auf fünf Jahre reduziert, welche Gholian am 21. Juni 2020 im Teheraner Evin-Gefängnis antreten musste.
Freispruch in weiterem Prozess
Kurz nach der ersten Urteilsverkündung kam Gholian gegen Kaution temporär frei. Nachdem sie an den Novemberprotesten 2019 gegen die Erhöhung der Benzinpreise teilgenommen hatte, wurde sie erneut für einen Tag verhaftet. Am 17. August 2020 wurde die Journalistin in einem weiteren Prozess allerdings überraschend von den Vorwürfen der „Störung der öffentlichen Ordnung“ sowie des „Handelns gegen die nationale Sicherheit“ freigesprochen.
Körperliche Angriffe im Gefängnis
Weil sie sich weigerte, ein Schuldeingeständnis und Gnadengesuch an den obersten religiösen Führer Irans, Ayatollah Chamenei, zu richten, wurde sie am 10. März 2021 nach Buschehr verlegt, das mehr als 600 Kilometer von ihrer in Dezful lebenden Familie entfernt ist. Besuche ihrer Angehörigen waren dadurch massiv erschwert, zudem durfte Gholian auch nur unregelmäßig telefonieren.
In Bushehr war Gholian zusammen mit Gefangenen inhaftiert, die wegen teils schwerer Verbrechen verurteilt wurden. Am 23. Juli 2021 wurde sie von Insassinnen angegriffen, angestachelt von der Gefängnisleitung. Sie schlugen auf sie ein und drohten ihr mit dem Tod, während das Wachpersonal nicht eingriff. Angeblich, um sie zu schützen, wurde Gholian im Anschluss in den Gefängnishof gebracht und bei glühender Hitze von 47 Grad über Stunden dort festgehalten.
Neue Vorwürfe
Vom 19. August bis zum 11. Oktober 2021 war Gholian in Hafturlaub. Nachdem sie währenddessen über Twitter auf die unmenschlichen Haftbedingungen im Gefängnis von Buschehr aufmerksam gemacht hatte, wurde sie im September aufgefordert, sich wegen der “Online-Veröffentlichung von Unwahrheiten” und “Propaganda gegen den Staat” bei der Staatsanwaltschaft in Buschehr zu melden. Am 11. Oktober wurde Gholian bei einer Hausdurchsuchung erneut verhaftet und ins Evin-Gefängnis gebracht. Die ersten beiden Wochen wurde sie im berüchtigten Trakt der Revolutionsgarde festgehalten und verhört.
Gesundheitszustand Frühjahr 2022
Erneute Verhaftung
Gholian wurde im März 2023 am Tag ihrer Freilassung erneut verhaftet und wegen „Beleidigung der iranischen Revolutionsführer“ im Mai zu zwei Jahren Haft verurteilt. Nun wurde erneut der Prozess gegen Gholian am 21. August 2023 aufgrund einer Anklage der staatlichen Reporterin Ameneh Sadat Zabihpour eröffnet. Die Reporterin hat in der Vergangenheit immer wieder Inhaftierte verhört und zu Geständnissen gezwungen. Sie steht seit November 2022 auf der US-Sanktionsliste. Als Grund für die Anklage wurde Verleumdung der Reporterin angegeben. Laut dem Anwalt Amir Raisian handelte es sich bei den Vorwürfen um „Verwirrung der öffentlichen Meinung durch die Verbreitung von Lügen“ und „Propagandaaktivitäten gegen das Regime“ in den sozialen Medien. Gholian wurde zu weiteren 15 Monaten Haft verurteilt.
Am 11. Juni 2025 wurde Sepideh aus der Haft entlassen.
Stand: Juni 2025



