Tibet

Tenzin Nyima

19-jähriger Mönch nach Folter gestorben

Misshandlungen und mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln wegen friedlichem Protest

Dza Wonpo / Peking / Frankfurt am Main, 26. Januar 2021 – Wenn ein friedlicher Protest zum Tode führt: Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) berichtet, ist der tibetische Mönch Tenzin Nyima, auch Tamey genannt, am 19. Januar 2021 an den Folgen von Folter durch chinesische Beamte gestorben. Der 19-jährige aus Dza Wonpo  war erstmals im November 2019 nach friedlichen Unabhängigkeitsdemonstrationen festgenommen und im Gefängnis gefoltert worden. Sechs weitere Personen, darunter vier Mönche, wurden im Zusammenhang mit den Protesten mit Haftstrafen bis zu fünf Jahren verurteilt. 

Wie die IGFM weiter berichtet, wurde Tenzin Nyima im Mai 2020 kurzzeitig freigelassen, aber am 11. August 2020 erneut inhaftiert. Im Gefängnis wurde er von chinesischen Beamten so heftig gefoltert, dass er schwere Verletzungen erlitt. Außerdem war er durch die unzureichende Versorgung mit Lebensmitteln geschwächt, so dass er sich nicht mehr bewegen oder sprechen konnte. Anfang Oktober informierte die Gefängnisleitung seine Familie über seinen kritischen Gesundheitszustand. Am 6. Oktober 2020 durften ihn seine Angehörigen in ein Krankenhaus in Chengdu bringen. Die Familie sammelte Geld für seine Behandlung, doch als sich sein komatöser Zustand nicht besserte, wurde er in ein anderes Krankenhaus in Dartsedo gebracht. Auch dort konnten ihm die Ärzte nicht mehr helfen. Am 19. Januar 2021 starb er zu Hause bei seiner Familie.

Unzufriedenheit führte zu Protesten

Am 7. November 2019 wurden hunderte von handgeschriebenen Flugblättern, in denen die Unabhängigkeit Tibets gefordert wurde, vor dem Büro der Kommunalverwaltung in Dza Wonpo verstreut. Die IGFM berichtet, dass sich damals die erhöhte Unzufriedenheit der Menschen entlud, da lokale Beamte von den ehemaligen Nomaden verlangten, die so genannte „Armutsbekämpfungspolitik“ der chinesischen Regierung – zu der in Tibet die Zwangsumsiedlung von Nomaden und anderen Landbewohnern gehört – zu bejubeln. Zwei Tage nach den Protesten wurden Tenzin Nyima und die drei anderen Mönche Kunsal, Soetra und Tsultrim verhaftet.

Sechs Tibeter wegen „Aufhetzung zur Spaltung des Landes“ verurteilt

Am 10. und 12. November 2020 fanden politische Prozesse gegen Tenzin Nyima und sechs weitere Tibeter vor dem Mittleren Volksgericht in Sershul statt. Weil sie am 7. November 2019 Flugblätter verteilt hatten verurteilte das Gericht den Mönch Choephel wegen „Aufhetzung zur Spaltung des Landes“ zu vier Jahren, Soetra zu drei Jahren und Tsultrim – der zum Zeitpunkt der Proteste noch minderjährig war – zu einem Jahr Haft. Tenzin Nyimas Strafmaß wurde wegen dessen schlechtem Gesundheitszustand nicht bekannt gegeben. Der 22-jährige Mönch Nyimey, der nicht an den Protesten beteiligt war und über die Verhaftungen auf Social Media gepostet hatte, wurde mit fünf Jahren Gefängnis bestraft. Auch die beiden jungen Männer Choegyal und Yonten aus Dza Wonpo wurden zu vier Jahren Haft verurteilt.

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