
Zur erweiterten Vorstandssitzung am 19. September 2020 kamen engagierte Personen der IGFM aus dem ganzen Bundesgebiet zusammen, um über Themen wie Humanitäre Hilfe oder die Menschenrechtslage in der Türkei, China oder Osteuropa zu berichten.
IGFM-Arbeitstreffen: von Kambodscha bis Rumänien
Was hat das Völkermordtribunal in Kambodscha mit Spenden von Schulrucksäcken für bedürftige Kinder in Rumänien zu tun? In beiden Fällen wurde die Notwendigkeit anderen Menschen zu helfen gesehen und umgesetzt. Gesehen von Menschen, die sich zusammenschließen um gemeinsam für die Rechte und Bedürfnisse anderer einzustehen. Und so finden sich in der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) zahlreiche haupt- wie ehrenamtliche Personen, die sich zu ganz unterschiedlichen Themen einsetzen.
Das Arbeitstreffen der IGFM am 19. September 2020 in Frankfurt am Main hatte daher das Ziel, sich mit allen Beteiligten über den aktuellen Stand der diversen Projekte auszutauschen sowie neue Gesichter zu begrüßen. Ca. 40 Personen aus dem gesamten Bundesgebiet kamen zusammen, darunter der ehrenamtliche Vorstand der IGFM und die Leiter verschiedener Arbeitsgruppen und – kreise.
Bei Berichten über die Menschenrechtssituation in Ländern wie der Volksrepublik China und der Türkei zeigte sich deutlich die Relevanz von Menschenrechtsorganisationen, die das dort geschehene Unrecht thematisieren. Systematische Diskriminierung, Verfolgung, Inhaftierung und Folter werden dort gegen Minderheiten und kritische Kräfte verwendet. Umso wichtiger ist daher das kontinuierliche Informieren über dieses staatlich orchestrierte Unrecht, wie es durch die IGFM in zahlreichen Publikationen (print wie online) erfolgt. So beschäftigt sich die IGFM aktuell auch sehr fokussiert mit der Menschenrechtssituation in der Islamischen Republik Iran. Erst am 8. September wurde auf Vorschlag der IGFM die bekannteste Menschenrechtsverteidigerin des Irans und Nasrin Sotoudeh vom Deutschen Richterbund mit dem Menschenrechtspreis 2020 ausgezeichnet. Bei einem anschließenden Besuch des IGFM-Vorstandssprechers Martin Lessenthin und den Vertretern des Deutschen Richterbundes im Schloss Bellevue versprach Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sich auf direktem Wege für die hungerstreikende Anwältin einzusetzen, die seit einigen Jahren auch Kuratoriumsmitglied der IGFM ist.
Leiter für Humanitäre Hilfe Naher Osten, Khalil Al-Rasho
Während das Informieren über und das Eintreten für verfolgte Menschen einen Grundpfeiler der IGFM darstellt, ist es auch die aktive und unmittelbare Hilfe für Menschen in Notsituationen. In früheren Jahren schickte die IGFM viele LKW-Ladungen an Humanitärer Hilfe in osteuropäische Länder, heute vorwiegend in Gebiete im Nahen Osten. Seit die Terrormiliz des Islamischen Staates ganze Landstriche verwüstete und die Menschen in einem grausam mordenden Gottesstaat unterjochte, ist die Not der Zivilbevölkerung dort immens. Unter Federführung des Leiters für Humanitäre Hilfe Naher Osten, Khalil-Al-Rasho, unterstützt die IGFM daher Geflüchtete heimatnah. Die Humanitäre Hilfe in den nordirakischen Flüchtlingslagern besteht aus Lieferungen von medizinischen Gütern, Alltagsgegenständen und Möbeln sowie aus Weiterbildungskursen für Geflüchtete. Khalil Al-Rasho wird in dieser Woche eine weitere Reise antreten, um vor Ort in den Flüchtlingslagern die Hilfe zu koordinieren. Er nutzte das Arbeitstreffen, um einen Überblick über die laufenden Projekte zu geben.
Im kleineren Stil, aber inzwischen sehr routiniert, und nicht minder komplex, unterstützt die IGFM-Arbeitsgruppe Fulda Menschen in armen Landstrichen Rumäniens, wie IGFM Vorstandsmitglied Gunter Goebel berichtete. Obwohl das EU-Mitgliedsland heutzutage über moderne Städte und Metropolen verfügt, leben dort weiterhin viele Menschen in absoluter Armut und werden vom Staat vergessen. Unter der Leitung von Gunter Goebel unterstützt die Arbeitsgruppe Fulda Familien und Einzelpersonen vor Ort, primär mit Hilfe zur Selbsthilfe und mit Unterstützung für Schulbildung.
Beisitzerin des Vorstandes und Mitglied der Arbeitsgruppe Wittlich, Carmen Jondral-Schuler
Die Beisitzerin des Vorstandes und Mitglied der Arbeitsgruppe Wittlich, Carmen Jondral-Schuler, berichtete über die vielfältigen Aktivitäten von Katrin Bornmüller, Ehrenvorsitzende und Leiterin der von ihr vor 40 Jahren gegründeten Arbeitsgruppe, die mit 60 Helferinnen und Helfern im vergangenen Jahr 18 Sattelschlepper mit humanitären Hilfsgütern ins Baltikum, dem Balkan und den Flüchtlingslagern in Kurdistan-Irak gebracht hat. Dabei kooperiert Katrin Bornmüller mit dem Leiter für Humanitäre Hilfe Khalil Al Rasho und besuchte selbst die Lager vor Ort, um verschiedene Projekte wie Alphabetisierungs- oder Nähkurse zu organisieren. Die Arbeitsgruppe hat inzwischen gemeinsam mit Herrn Al Rasho einen Container mit Hilfsgütern in den Libanon verschifft.
Michaela Koller, IGFM-Referentin für Religionsfreiheit
IGFM-Referentin für Religionsfreiheit Michaela Koller stellte den neuen Newsletter „Religionsfreiheit im Fokus“ vor, in dem die IGFM monatlich über die Verfolgung und Diskriminierung religiöser Minderheiten informiert. „Religionsfreiheit im Fokus“ gibt Anregungen zum Mitmachen, etwa für Appelle und lädt zur Verbreitung per E-Mail, in sozialen Medien und am Infostand ein.
Und noch eine Publikation stellte Koller vor: Die nächste Sonderausgabe der Zeitschrift „Menschenrechte“ wird mutige Menschenrechtler in exklusiven Interviews zu Wort kommen lassen, in Länderberichten ihre Situation analysieren und Einblick in die tatkräftige Hilfe durch die IGFM gewähren. Noch vor dem „Tag der Menschenrechte“ am 10. Dezember wird die Jahresschrift über die IGFM-Geschäftsstelle erhältlich sein.
Matthias Boehning, Generalsekretär des Internationalen Rates (ISHR)
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Rates der IGFM, stellte ein neues Gesicht (für alle), vor. Mit Matthias Boehning hat der internationale Rat nun wieder einen ehrenamtlichen Generalsekretär, nachdem Marat Zakhidov verstarb und der Posten für einige Jahre vakant blieb. Matthias Boehning leitet eine Agentur für Projektmanagement, Fundraising, Beratung und Kommunikation in Bonn und wird seine berufliche Expertise in der Neugestaltung der Kommunikation des Internationalen Rats einbringen.
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Präsident des Internationalen Rates der IGFM
Die Relevanz von Menschenrechtsorganisationen wie der IGFM betonte Prof. Dr. Thomas Schirrmacher deutlich und machte dies anhand des Völkermordtribunals in Kambodscha deutlich, dessen Errichtung auch auf das eindringliche und kontinuierliche Eintreten von NGOs zurückzuführen war. Alle Anwesenden, insbesondere die freiwilligen Kräfte, die die IGFM im Rahmen eines Praktikums oder des Bundesfreiwilligendienstes unterstützen, erhielten somit die Gelegenheit, die unterschiedlichen Facetten in der Arbeit der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte kennenzulernen.







