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Menschenrechtlerin: Golrokh Iraee

Golrokh Iraee: Die iranische Menschenrechtsaktivistin muss wieder ins Gefängnis

Die iranische Schriftstellerin und Menschenrechtsaktivistin Golrokh Ebrahimi Iraee wurde am 6. September 2014 zusammen mit ihrem Ehemann in Teheran verhaftet und im Dezember 2015 zu sechs Jahren Haft verurteilt. Nach internationalen Protesten ist die Strafe im März 2017 um 30 Monate verkürzt worden. Am 8. April 2019 kam Sie ohne Angabe von Gründen frei, nachdem sie eine für iranische Verhältnisse enorme Kaution von umgerechnet knapp 13.000 Euro (60 Millionen Toman) hinterlegt hatte. Ein Islamisches Revolutionsgericht hatte Iraee „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ und „Verbreitung von Propaganda“ vorgeworfen. Am 7. September 2019 verurteilte sie ein islamisches Revolutionsgericht zu einer weiteren langjährigen Haftstrafe, diesmal wegen angeblicher „Beleidigung des Führers”.

Gegen Iraee und eine andere iranische Menschenrechtsaktivistin, Atena Daemi, läuft ein weiteres Verfahren wegen angeblicher „Beleidigung des Führers“, „Störung der öffentlichen Meinung“ und „Propaganda gegen den Staat“. Die iranischen Behörden haben darüber hinaus weitere Vorwürfe erhoben – sie aber den Angeklagten nicht mitgeteilt.

Zur Person

Golrokh Ebrahimi Iraee ist mit dem prominenten Menschenrechtler und Studentenaktivisten Arash Sadeghi verheiratet, der selbst zu einer willkürlichen 19 Jahre langen Haftstrafe verurteilt ist. Das Ehepaar lebt in Teheran. Grund der Verfolgung der Schriftstellerin durch die Behörden ist eine bisher unveröffentlichte Kurzgeschichte. Darin geht es um eine Frau, die aus Wut einen Koran verbrennt, nachdem sie den Film „The Stoning of Soraya M“ gesehen hat. Der Film handelt von einer Frau, die wegen Ehebruch zu Tode gesteinigt wird.

Verhaftung, Prozess und Gefangenschaft

Ohne Haft- und Durchsuchungsbefehl drangen am 6. September 2014 Männer in die Wohnung des Ehepaars ein. Es handelte sich vermutlich um Angehörige der Islamischen Revolutionswächter. Sie entwendeten u.a. Laptops, Bücher, CDs – und auch die unveröffentlichte Kurzgeschichte „The Stoning of Soraya M”. Die iranische Justiz warf ihr u.a. vor „Iranerinnen zu motivieren, das Kopftuch abzulegen” und „Petitionen zu unterschreiben”. Iraee wurde wie ihr Ehemann im für Folter berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran festgehalten. Das Gefängnispersonal verweigerte ihr jeden Kontakt zu Familie, Rechtsanwalt und Gericht, misshandelte sie mit Scheinhinrichtungen wegen angeblicher „Beleidigung des Islam” und zwang sie zuzuhören, wie ihr Ehemann in der Nachbarzelle geschlagen, getreten und anders misshandelt wurde.

Das Islamische Revolutionsgericht in Teheran verweigerte ihr und ihrem Ehemann während des Prozesses zu sprechen. Der erste von ihnen benannte Rechtsanwalt wurde von staatlichen Stellen bedroht und legte daraufhin sein Mandat nieder. Dem zweiten Anwalt verweigerte das Gericht die Einsicht in sämtliche Unterlagen inklusive der Anklageschrift und ließ ihn schließlich als Rechtsbeistand nicht zu. Das Islamische Revolutionsgericht verurteilte Iraee in Abwesenheit zu sechs Jahren Haft wegen angeblicher „Beleidigung islamischer Heiligkeiten“ und „Verbreitung von Propaganda“. Das Berufungsgericht bestätigte die Haftstrafe im Dezember 2015. Iraee musste die Strafe zunächst nicht antreten. Am 24. Oktober 2016 betraten Islamische Revolutionsgarden ihre Wohnung, verbanden ihr die Augen und verhafteten sie. Sie untersagten Iraee, ihr Asthma-Medikament mitzunehmen, da sie, nach Aussage des Vollzugsbeamten, sowieso im Gefängnis sterben würde.

Kurz danach, am 24. Oktober 2016, begann ihr Ehemann Sadeghi einen 71 Tage andauernden Hungerstreik, um dadurch die Freilassung Iraees zu bewirken. Nach Zahlung einer Kaution wurde sie am 3. Januar 2017 aus dem Gefängnis entlassen, jedoch bereits 19 Tage später, als sie Sadeghi im Krankenhaus besuchen wollte, wieder festgenommen.

Iraee sprach sich selbst während sie im Gefängnis der Willkür ihrer Peiniger ausgesetzt war offen gegen die unmenschlichen Haftbedingungen aus. Sie kritisierte eine von der Gefängnisleitung organisiert Führung durch das Evin Gefängnis, bei der Botschafter aus verschiedenen Ländern über die tatsächlichen Haftbedingungen getäuscht wurden. Dieses Verhalten verfolgen die iranischen Behörden auch nach ihrer Freilassung strafrechtlich.

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Trotz der Freilassung Iraees befinden sich weltweit zahlreiche politische Gefangene in Haft, oft unter absolut menschenunwürdigen Bedingungen. Ihnen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein. Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an einen politischen Gefangenen ins Gefängnis:

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