Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran.
Blutige Gewalt und verschärfte Repression gegen die Bevölkerung
153. Tag der Revolution
Berichtszeitraum: vom 2. Juni bis 8. Juni
Allgemeine Lager:
In der Zeit vom 2. bis 8. Juni 2026 hat sich die Lage in Bezug auf die Menschenrechte im Iran weiter verschlechtert. Menschenrechtsorganisationen berichten von neuen Verhaftungswellen und einer steigenden Zahl von Hinrichtungen, die offensichtlich zur Einschüchterung der Bevölkerung eingesetzt werden. Gleichzeitig sorgt die aggressive Außenpolitik der Islamischen Republik und ihre zunehmende Einmischung in regionale Konflikte für wachsende Sicherheitsrisiken, unter denen auch die iranische Zivilbevölkerung leidet. Parallel dazu wurden erneut Einschränkungen des Internetverkehrs und verschärfte Zensurmaßnahmen gemeldet, wodurch der Zugang zu unabhängigen Informationen weiter erschwert wird. Die Kombination aus staatlicher Repression, wachsender Unsicherheit und digitaler Kontrolle belastet die iranische Gesellschaft immer stärker.
Opfer der Islamischen Republik
Gewalt und Todesfälle:
Der 13-jährige Abolfazl Vahidi verlor durch die Corona-Pandemie seine Mutter und sein Vater ließ ihn und seine Schwester im Stich. Seit seinem elften Lebensjahr arbeitete er nachts in einer Schuhreparaturwerkstatt, um zu überleben. Während der Proteste am 8. Januar in Teheran schossen ihm die Terrortruppen der Islamischen Republik mit scharfer Munition in den Nacken.
Am 8. Januar begab sich Fatemeh Anvari auf den Parkplatz, um den Verletzten zu helfen. Sie öffnete die Tore, damit sie und ihr Mann die Verletzten ins Gebäude in Mehrshahr in der Provinz Alborz bringen konnten. Während sie half, wurde sie getötet. Fatemeh Jan war 31 Jahre alt und Mutter eines elfjährigen Sohnes.
Mehdi Abdali, ein 42-jähriger Einwohner von Isfahan, wurde am 8. Januar von einem Scharfschützen erschossen. Nach Informationen der IGFM wurde Abdali von zwei Kugeln getroffen. Seine Familie und seine nahen Angehörigen hatten nach dem Vorfall bis zum 14. Januar keine Informationen über seinen Verbleib oder sein Schicksal bis sie schließlich seine Leiche auf dem Bagh-e Rezvān Friedhof in Isfahan identifizieren konnten.
Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:
Die in Shiraz lebenden Bahá'í-Schwestern Mahsa und Mandana Sotoudeh befinden sich seit über 70 Tagen in Haft. Mahsa Sotoudeh wurde am Sonntag, dem 29. März 2026, in ihrem Haus in Schiraz von den Geheimpolizisten der Revolutionsgarde festgenommen. Drei Tage später, am 1. April 2026, wurde auch ihre Schwester Mandana Sotoudeh verhaftet. Mehr als 70 Tage nach der Festnahme weiß ihre Familie nach wie vor nichts über den Stand des Verfahrens oder die gegen sie erhobenen Vorwürfe. Laut Informationen der IGFM wird den beiden Frauen das Recht auf Familienbesuche verweigert und sie dürfen auch nicht telefonieren.
Reza Babrnezhad, der Bruder eines der Opfer der landesweiten Proteste von 2022, Mehdi Babrnezhad, wurde vom Strafgericht des Bezirks Quchan in der Provinz Razavi-Khorasan zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt sechs Jahren verurteilt: fünf Jahre wegen Mitgliedschaft in regimekritischen Gruppen und ein Jahr wegen Propaganda gegen das Regime. Gemäß des islamischen Strafgesetzbuchs wird die höhere Strafe von fünf Jahren Haft vollstreckt.
Mohammad Rigi, ein Einwohner von Iranshahr in der Provinz Sistan und Belutschistan, wurde am 12. Mai festgenommen und befindet sich seitdem in Haft. Bislang liegen keine Informationen über seinen Verbleib vor.
Weitere Menschenrechtsverletzungen:
In der Provinz Semnan wurden das Eigentum und die Vermögenswerte von 18 im Ausland lebenden Personen beschlagnahmt. Die Justiz wirft ihnen „Zusammenarbeit mit dem Feind" vor. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Mizan sollen sie mit amerikanischen und israelischen Geheimdiensten zusammengearbeitet haben. Gegen sie wurden Gerichtsverfahren eingeleitet und ihr Vermögen und ihre Bankkonten wurden auf Anordnung der Justizbehörden eingefroren. Die Justizbehörden kündigten an, dass auch in anderen Provinzen des Landes die Beschlagnahmung des Vermögens dieser Personen vorangetrieben werde. Dies ist ein klares Zeichen dafür, dass das Regime nicht nur Iraner im Inland unterdrückt, sondern auch Wege findet, um auf Migranten außerhalb des Iran Druck auszuüben.
Mehrere ehemalige Häftlinge, die in den letzten Monaten in Abteilung 35 des Qezel-Hesar-Gefängnisses in der Provinz Alborz inhaftiert waren und inzwischen freigelassen wurden, haben neue Details über die Zustände in diesem Trakt und die Behandlung einiger Insassen bekannt gegeben. Ihren Aussagen zufolge wurden in den letzten Monaten zahlreiche Häftlinge – wie zum Beispiel Parshām Parvas, Hojjat Na'imi und Sasan Jalilian – mit körperlichen Verletzungen in dieses Gefängnis verlegt. Mehrere informierte Quellen haben unabhängig voneinander bestätigt, dass diesen Personen nach ihrer Verlegung eine Zeit lang der Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung verwehrt wurde.
Mehrere ehemalige Häftlinge berichteten zudem von schweren Misshandlungen der Gefangenen.








