/Kuba steckt in einer Gesundheitskrise

Kuba steckt in einer Gesundheitskrise

Kuba steckt in einer Gesundheitskrise

„Das Gesundheitssystem macht die Kubaner krank anstatt gesund” – Zur aktuellen Gesundheits- und Menschenrechtslage auf Kuba

Frankfurt am Main/Havanna, 25. November 2019 – Zum 500-jährigen Jubiläum von Havanna war die kubanische Regierung in Feierlaune. Es gab ein großes Feuerwerk und Gratiskonzerte – auch um von der Wirtschaftskrise im Land abzulenken. Doch besonders den Regimekritikern und Bürgerrechtlern war nicht zum Feiern zumute. Denn Andersdenkende werden in dem kommunistischen Inselstaat seit Jahrzehnten unterdrückt, eingeschüchtert, diskriminiert und verfolgt. „Bei Touristen ist Kuba nach wie vor beliebt – aber Kuba ist nicht nur Sonne, Strand, Salsa, sondern steht auch für politische Gefangene, willkürliche Verhaftungen und die systematische Verletzung fundamentaler Menschenrechte”, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Entgegen der allgemeinen Propaganda sei auch das Gesundheitssystem marode – Kuba stecke in einer Gesundheitskrise.

Mangelernährung und Behandlung nur gegen Bezahlung

Das Regime des kommunistischen Inselstaates brüstet sich seit Jahren damit, dass das kubanische Gesundheitssystem kostenlos ist und einen hohen internationalen Standard aufweist. Dass das nichts als Mythos und pure Propaganda ist, zeigen aktuelle Aussagen von Omara Ruiz Urquiola. Die Schwester des kubanischen Umweltschützers und politischen Gefangenen Dr. Ariel Ruiz Urquiola hat aufgrund ihrer Brustkrebserkrankung, die auf Anweisung der staatlichen Behörden falsch behandelt wurde, einen tiefen Einblick in das hiesige Gesundheitssystem.

Dieses Wissen teilt sie mit der IGFM und verdeutlicht, dass Kuba nicht nur in einer Wirtschafts-, sondern auch in einer Gesundheitskrise steckt. Während es manche Behandlungen auf Kuba ausschließlich gegen Bezahlung gibt, werden viele Ärzte von den Familien der Patienten bestochen, um eine bessere Behandlung zu bekommen. „Bauern verschenken Lebensmittel, wie Schweinefleisch oder Milch, Fischer bringen Fisch. Wer in einer Bäckerei arbeitet, zweigt Mehl oder Brot ab, Automechaniker Ersatzteile und Angestellte der städtischen Omnibusbetriebe Diesel”, so Omara Ruiz Urquiola. Wer zum Beispiel einen Kaiserschnitt nicht bezahlen kann, muss natürlich gebären – auch wenn das gefährlich für Mutter oder Kind ist. Ein Problem sei auch die einseitige Ernährung auf Kuba, da die Löhne und Renten der meisten Menschen sehr niedrig sind. Sie essen überwiegend Reis, Bohnen und Zucker, denn dies steht immer zur Verfügung und ist erschwinglich. „Das Gegenteil ist bei Obst, Gemüse, Milchprodukten und Fleisch der Fall – für Menschen, die kein Zusatzeinkommen in harter Währung bekommen, sind diese Lebensmittel nicht einfach zu bezahlen”, weiß Martin Lessenthin.

Diese Mangelernährung wirkt sich natürlich auf die Gesundheit aus: Viele Kubaner haben im fortgeschrittenen Alter schwache Knochen, krumme Rücken und andere Probleme aufgrund des Vitamin- und Nährstoffmangels. Nicht selten führen diese Mangelernährung und die schwierigen Lebensbedingungen zu Tuberkulose, wie Omara Ruiz Urquiola berichtet: „Von einem Mitarbeiter der Pathologie habe ich gehört, dass man in den Lungen vieler Leichen Tuberkulose-Spuren findet. Offiziell wird dieses Problem natürlich totgeschwiegen.”

Omara Ruiz Urquiola ist Professorin für Kunst und Design in Havanna.

Omara Ruiz Urquiola ist Professorin für Kunst und Design in Havanna. Weil ihr Bruder den kubanischen Staat anprangerte, erlitt auch sie Repressalien.

Blick in ein Krankenhaus auf Kuba. Das Gesundheitssystem Kubas macht Menschen krank anstatt gesund.

Der Blick in ein Krankenhaus, so wie es viele Kubaner und Kubanerinnen kennen

Fachärzte sind Mangelware, Touristen kommen in Vorzeigekliniken

So halte das kubanische Gesundheitssystem viele Kubaner in Elend und mache sie sogar krank anstatt gesund. Besonders prekär ist die Lage demnach, wenn jemand an einer Krankheit leidet, die ein Mindestmaß an Spezialisierung erfordert. Denn laut der ehemaligen Universitätsprofessorin für Kunst und Design setzt der kubanische Staat bei der Ausbildung seiner Mediziner auf Masse statt auf Klasse. Fachärzte sind in dem Inselstaat Mangelware – so hat das „angeblich kostenlose Gesundheitssystem einen negativen Einfluss auf die Gesundheit der Kubaner”. Regimekritikern werden oft Behandlungen und Medikamente vorenthalten. Ruiz Urquiola hat dies am eigenen Leib erfahren: „Bevor mein Bruder in den Hungerstreik getreten ist, um für mich eine bessere Behandlung durchzusetzen, wurde mir aus politischen Gründen die Behandlung verweigert, selbstverständlich unter dem Deckmantel des allgemeinen Mangels an Medikamenten.”

Um das Bild einer exzellenten Gesundheitsversorgung auf internationaler Ebene zu wahren, werden erkrankte Touristen nur in speziellen Ausländerkliniken, so genannten Clinica Internacional, behandelt, die einen hohen Standard aufweisen. Hier haben normale Kubaner keinen Zutritt. In den regulären Krankenhäusern sind die hygienischen Zustände dagegen äußerst schlecht. Es mangelt an den einfachsten Dingen, wie zum Beispiel sauberer Bettwäsche, Verpflegung oder funktionierenden medizinischen Geräten. Auch die vielfach propagierte niedrige Säuglingssterblichkeit erreiche Kuba nur, indem die Kliniken im Auftrag der Regierung Statistiken fälschen. „Stirbt ein Säugling, wird er einfach als Totgeburt deklariert. Wenn bereits im Mutterleib entdeckt wird, dass das Neugeborene eventuell zu schwach sein könnte, werden die Mütter zur Abtreibung gedrängt”, erläutert Lessenthin.

Die kubanische Regierung entledigt sich seit Jahren unbequemer Bürgerrechtler

Neben der Gesundheitsversorgung schlägt die IGFM auch bezüglich der aktuellen Menschenrechtssituation auf Kuba Alarm. Menschenrechtsverletzungen, Diskriminierung Andersdenkender und willkürliche Verhaftungen sind immer noch an der Tagesordnung. Besonders oft trifft es die so genannten „Damen in Weiß”. Die Mütter, Frauen und Töchter von aktuellen oder früheren politischen Gefangenen marschieren traditionell nach der Sonntagsmesse in weiß gekleidet und mit einer Gladiole in der Hand für die Freilassung aller politischen Gefangenen auf Kuba und für die Einhaltung der Menschenrechte. Für ihren friedlichen Protest wurden sie im Juni 2006 mit dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit des Europaparlaments ausgezeichnet. Immer wieder werden die Frauen daran gehindert, zusammen durch die Stadt zu ziehen, gewaltsam festgenommen und auf brutale Weise daran erinnert, dass es der kommunistische Staat immer noch weit davon entfernt ist, seinen Bürgern Meinungs- oder Versammlungsfreiheit zu gewähren.

Auch der Tod von Laura Pollán, der früheren Vorsitzenden der international bekannten Menschenrechtsgruppe, ist bis heute ungeklärt. Offiziell soll die Gründerin der „Damen in Weiß” an einem Herzinfarkt gestorben sein. Ihre Mitstreiter, Regimekritiker und auch die IGFM gehen aber davon aus, dass sie Opfer eines politischen Mordes geworden ist. „Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die kubanische Regierung seiner lautesten Kritiker auf grausame Weise entledigt”, sagt Lessenthin und erweist auf den Tod von Oswaldo Payá. Der bekannte Bürgerrechtler kam im Juli 2012 unter mysteriösen Umständen ums Leben. Zeugen berichteten, dass dessen Wagen von einem anderen Auto von der Straße abgedrängt wurde. Bis heute ist der Unfall nicht unabhängig untersucht worden, weil die kubanischen Behörden das zu verhindern wussten.

Kubanische Polizei verhaftet immer wieder Oppositionelle und Bürgerrechtler

Verfolgung Andersdenkender und willkürliche Verhaftungen sind immer noch an der Tagesordnung

WEITERE INFOS ZU MENSCHENRECHTEN AUF KUBA