Landesweite Massenproteste

In allen großen kubanischen Städten kam es zu Massenprotesten, hier zu sehen Proteste in der Hauptstadt Havanna. Zahlreiche Demonstrationsteilnehmer wurden verschleppt oder verhaftet. Vermisst wird seit Sonntagnacht unter anderem der Vorsitzende der Bürgerrechtsbewegung UNPACU, Daniel Ferrer, der an den Protesten in Santiago de Cuba teilgenommen hatte.
Deutschland soll Verbundenheit mit der Demokratiebewegung zeigen
IGFM: Kubaner wollen Ende von Diktatur und Polizeistaat – Demonstrationsteilnehmer verschleppt und verhaftet
Havanna / Santiago de Cuba / Frankfurt am Main, 12. Juli 2021 – Die landesweiten Proteste zeigen, dass Kubas Bevölkerung sich der Demokratiebewegung und dem kreativen Widerstand der Künstler anschließt. Zahlreiche Demonstrationsteilnehmer wurden verschleppt oder verhaftet. Vermisst wird seit Sonntagnacht unter anderem der Vorsitzende der Bürgerrechtsbewegung UNPACU, Daniel Ferrer, der an den Protesten in Santiago de Cuba teilgenommen hatte. Deutschland muss jetzt seine Verbundenheit mit der Demokratiebewegung zeigen, erklärt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
„Die totalitäre Herrschaft der seit 61 Jahren alleinregierenden Kommunistischen Partei wird von den Kubanern nicht länger akzeptiert. Armutsbekämpfung, medizinische Versorgung und persönliche Freiheit sind den Menschen wichtig, nicht ein sozialistischer Staat. Die castristische Staatsführung um Diaz-Canel muss dies erkennen. Jetzt darf es nicht zu Gewaltexzessen kommen. Der Missbrauch der kubanischen Polizei zur Unterdrückung der Menschen muss beendet werden“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Der IGFM, die auf Kuba mit einer Sektion vertreten ist, sind 152 politische Gefangene bekannt. Die meisten gehören der Demokratiebewegung und regimekritischen Künstlergruppen an oder waren als regimekritische Journalisten tätig. Bei den gestrigen Protesten in mindestens 14 Städten protestierten Tausende Kubaner für ein Ende der Diktatur, zahlreiche Personen wurden dabei verhaftet. Genauere Zahlen sind aufgrund von blockiertem Internetzugang in Teilen Kubas noch nicht bekannt. Die IGFM befürchtet daher Dutzende weitere politische Gefangene. Präsident Díaz-Canel drohte in einer Ansprache den Demonstranten mit Gewalt, in dem er die „Revolutionäre“ – gemeint sind gewalttätige Rollkommandos – aufforderte, auf die Straße zu gehen und die Revolution zu schützen.
Der kubanische Kommunismus kreiert aus sich selbst heraus Mangel und Armut. Dies zeigt sich bei der Versorgung mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs ebenso wie bei der medizinischen Versorgung. Das Hauptproblem der Kubaner ist die totale Unfreiheit im Polizeistaat.
Die IGFM hofft, dass sich die geringe Berichterstattung deutscher Medien über die Menschenrechtslage in dem Urlaubsland Kuba ändert. Trotz der verheerenden Menschenrechtssituation spülten die Urlauber lange Zeit Geld in die Kassen der kubanischen Machtelite. Jetzt gehen die Kubaner auf die Straße oder fliehen in Booten von der Insel, so die IGFM. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert die verlogene Tourismuswerbung („Perle der Karibik“, „Trauminsel“) und das die kubanischen Menschen missachtende Verhalten vieler unkritischer Touristen.

Kubaner protestierten am 12. Juli vor der kubanischen Botschaft in Pankow. Mit dabei IGFM-Vorstandsmitglied Michael Leh (in der Mitte neben Maria del Carmen Ares Marrero). Bild: IGFM