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Frauenrechtlerin: Mojgan Keshavarz

Mojgan Keshavarz

Die iranische Frauenrechtlerin Mojgan Keshavarz wurde am 25. April 2019 vom Geheimdienst verhaftet.

Die iranische Frauenrechtlerin Mojgan Keshavarz wurde am 25. April 2019 vom Geheimdienst verhaftet und zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie friedlich gegen den Verschleierungszwang protestierte.

Iranische Frauenrechtlerin für 16 Jahre ins Gefängnis – weil sie Blumen verteilt hat

Mojgan Keshavarz – auch „Maya“ genannt – ist eine Frauenrechtlerin und Aktivistin, die sich für die Aufhebung der in der Islamischen Republik Iran gesetzlich erzwungenen Verschleierung von Frauen und Mädchen engagiert. Sie organisierte Bildungskurse für Frauen, leitete in sozialen Medien Informationen über friedliche Proteste gegen den Schleierzwang weiter und verteilte am 8. März 2019, dem Internationalen Frauentag, Blumen in der U-Bahn in Teheran, ohne dabei ein Kopftuch zu tragen.

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Der Geheimdienst verhaftete Mojgan Keshavarz am 25. April 2019. Das Islamische Revolutionsgericht in Teheran verurteilte sie und zwei weitere Frauenrechtlerinnen am 31. Juli 2019 in einem Berufungsverfahren zu 16 Jahren Gefängnis wegen “Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit”, “Propaganda gegen das System” und “Förderung von Verderbenstiften und Prostitution”. Unabhängig davon verhängte das Revolutionsgericht eine Gefängnisstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten gegen sie wegen “Beleidigung von Heiligkeiten”. Nach dem iranischen Strafrecht muss (theoretisch) nur die längste Haftstrafe verbüßt werden. Das ursprüngliche Urteil lautete auf insgesamt 24 Jahre Gefängnis. Die Behörden verweigern ihr den Zugang zu einem Anwalt.

Mojgan wird im Gefängnis Shar-e Rey südlich von Teheran gefangen gehalten. Die Wachen stacheln kriminelle, psychisch kranke und drogenabhängige Häftlinge auf, die politischen Gefangenen zu schlagen und zu misshandeln. Mojgan und die übrigen politischen Gefangenen fürchten, dadurch mit Hepatitis, HIV oder anderen schweren Krankheiten infiziert zu werden.

Harte Strafen für Proteste gegen Schleierzwang

Seit dem Jahr 2017 hat eine spürbare Zahl von Iranerinnen begonnen, gegen den Kopftuchzwang in der Islamischen Republik zu protestieren. Es beteiligen sich Frauen in jedem Alter, indem sie in der Öffentlichkeit demonstrativ ihr Kopftuch komplett abnehmen und z.B. einige hundert Meter eine Straße entlang gehen. Werden die Frauen von Islamischen Revolutionsgarden, „Tugendwächtern“ oder der Polizei aufgegriffen, drohten ihnen schon bisher vorübergehende Verhaftung, Geldstrafen und erniedrigende Behandlung. An der Menschenrechtsverteidigerin Nasrin Sotoudeh wollte die iranische Justiz ein abschreckendes Beispiel statuieren. Sie wurde im Jahr 2010 zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, weil sie in einer Videobotschaft, die im Iran nie gezeigt wurde, ohne Kopftuch zu sehen war. Seit dem Jahr 2019 gehen die Behörden der Islamischen Republik Iran systematischer, mit größerer Härte und auch mit körperlicher Gewalt gegen protestierende Frauen vor. Die “Polizei für moralische Sicherheit“ in Teheran lud eine größere Zahl von Frauen vor, weil sie in ihren Autos kein Kopftuch trugen.

Am 12. August 2019 erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, Bärbel Kofler: “Ich bin bestürzt über die Verurteilung der drei Frauenrechtsaktivistinnen Mojgan Keshavarz, Yasaman Aryani und Monireh Arabshahi in Iran zu langen Haftstrafen. Sie haben sich friedlich und mit großem Engagement für die Rechte der Frauen im Iran eingesetzt. Sie haben gegen die Kopftuchpflicht protestiert und Blumen verteilt! Ich fordere ihre sofortige Freilassung und die aller anderen festgehaltenen Frauenrechtsaktivistinnen und appelliere an die iranische Regierung, die von ihr eingegangenen menschen- und bürgerrechtlichen Verpflichtungen einzuhalten.”

Haftadresse

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein. Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Mojgan Keshavarz ins Gefängnis Shahr-e Rey. Porto: Brief International bis 20 g aus Deutschland: 1,10 Euro

To Ms. Mojgan Keshavarz

Shahr-e Rey Prison
Tehran-Varamin Highway, Gharchak
Islamic Republic of Iran

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte kontaktieren Sie die iranischen Botschaften per Post oder Telefon:

Bitte schreiben Sie an das iranische Staatsoberhaupt, Ayatollah Sayed Ali Khamenei, an den Präsidenten Irans, Hassan Rohani, und an die Botschaften des Iran. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der Frauenrechtlerin:

Hier finden Sie die Appell-Adressen für den Iran

Wie schreibe ich einen Appell?

Appellvorschlag

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um Sie auf die willkürliche Gefangenschaft der iranischen Frauenrechtlerin Mojgan Keshavarz aufmerksam zu machen.

Sie ist am 25. April 2019 vom Geheimdienst  festgenommen worden und wird seither gefangen gehalten. Sie hatte zuvor am Weltfrauentag Blumen in der U-Bahn in Teheran verteilt. Sie hat lediglich friedlich ihr Recht auf Meinungsfreiheit wahrgenommen und sich für die Aufhebung des Verschleierungszwanges eingesetzt.

Die Behörden verweigern ihr den Kontakt zu einem Anwalt und halten sie zusammen mit psychisch kranken und drogenabhängigen Häftlingen gefangen. Dadurch drohen ihr gefährliche Infektionen wie z.B. mit Hepatitis oder HIV.

Ich appelliere an Sie, Frau Mojgan Keshavarz umgehend und ohne Auflagen freizulassen. Nach internationalen Rechtsstandards hat sie in keiner Weise eine strafbare Handlung begangen, sondern im Gegenteil lediglich das Menschenrecht auf Meinungsfreiheit ausgeübt. Dieses Recht garantiert auch der Iran, u.a. in völkerrechtlich bindenden Verträgen wie dem internationalen Pakt für bürgerliche und politische Rechte.

Außerdem appelliere ich an Sie, die Haftbedingungen in einem transparenten Verfahren zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ich bitte Sie herzlich, mir zu schreiben, was Sie unternommen haben.

Hochachtungsvoll

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