Nasrin Sotoudeh droht erneut Haft

Die bekannteste Menschenrechtsverteidigerin des Irans, Nasrin Sotoudeh, war 2019 zu 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt worden, davon werden 12 Jahre vollstreckt. Das iranische Regime verweigerte ihr seit Monaten jegliche medizinische Versorgung. Im November 2020 wurde sie vom Evin-Gefängnis ins südlich von Teheran gelegene Qarchak-Gefängnis verlegt. Dadurch ist ihrer Familie der Kontakt massiv erschwert.
Menschenrechtsverteidigerin Sotoudeh droht erneute Haft trotz Krankheit
IGFM: Wir fürchten um das Leben von Nasrin Sotoudeh
Teheran / Frankfurt am Main, 19. Januar 2022 – Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) erfahren hat, droht Nasrin Sotoudeh erneut ein Gefängnisaufenthalt. Die bekannteste iranische Menschenrechtsverteidigerin befindet sich aufgrund einer Corona-Erkrankung und Herzproblemen seit Juli 2021 im medizinischen Hafturlaub. Im Januar 2022 verlängerte man den Hafturlaub, der weitere Verlauf ist jedoch ungewiss. Nun wird ihr vorgeworfen, sich mit Personen getroffen zu haben, die dem iranischen Regime missfallen. Die IGFM fordert, dass Nasrin Sotoudeh weiterhin medizinischer Hafturlaub gewährt und eine Behandlung der gesundheitlich angeschlagenen Rechtsanwältin ermöglicht wird.
„Nach Informationen der IGFM hat Nasrins Anwältin gestern beim zuständigen Gerichtsarzt eine Bescheinigung angefordert. Diese soll belegen, dass Nasrin aus gesundheitlichen Gründen haftunfähig ist. Es gibt keine Alternative zur medizinischen Behandlung. Wir fürchten um das Leben der mutigen Menschenrechtsverteidigerin, sollte sie in ihrem Zustand wieder in Haft müssen“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM.
Auch der Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour, Pate von Nasrin Sotoudeh im IGFM-Patenschaftsprogramm sowie im Programm „Parlamentarier schützen Parlamentarier“ des Deutschen Bundestages, fordert eine Verlängerung ihres Hafturlaubs. „Die Haftbedingungen im berüchtigten Shar-e Rey-Gefängnis sind schlichtweg menschenunwürdig, ausreichende medizinische Versorgung wird den Gefangenen verwehrt, auch Schutz vor Corona ist nicht existent. Nasrin ist deshalb schwer erkrankt. Die medizinische Behandlung ist für sie lebenswichtig. Aufgrund ihrer Vorerkrankungen und in Folge ihrer Hungerstreiks kommt eine erneute Inhaftierung einem Todesurteil nahe“, so der Parlamentarier.
Anhaltende Herz- und Atembeschwerden
Die Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh war 2019 wegen ihres Engagements für Frauenrechte und gegen den Kopftuchzwang im Iran zu 38 Jahren Haft und 148 Peitschenhieben verurteilt worden. Nasrin Sotoudeh wurde durch zahlreiche internationale Preise geehrt, sie ist Trägerin des Menschenrechtspreises des Deutschen Richterbundes und gehört dem Kuratorium der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte an. Um auf die schlimmen Zustände in iranischen Gefängnissen während der Coronavirus-Pandemie aufmerksam zu machen, trat die Menschenrechtlerin zwischen August und September 2020 in einen 46-tägigen Hungerstreik. Dieser hatte ihre Gesundheit stark in Mitleidenschaft gezogen – seitdem leidet die 58-Jährige an Herz- und Atembeschwerden. Nasrin Sotoudeh war im berüchtigten Evin-Gefängnis inhaftiert, bevor sie am 20. Oktober 2020 unter dem Vorwand eines Krankenhausbesuchs ohne ihr Wissen ins Qarchak-Gefängnis – bekannt für seine katastrophalen hygienischen Verhältnisse – verlegt wurde. Die IGFM setzt sich seit Jahren mit den unterschiedlichsten Kampagnen für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh ein.