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Umweltschützerin: Niloufar Bayani

Niloufar Bayani

Iranische Umweltschützerin Niloufar Bayani

Die Biologin Niloufar Bayani und andere Umweltaktivisten stehen in direktem Konflikt mit der Führung der Islamischen Republik, denn große Teile der iranischen Wirtschaft werden von den Islamischen Revolutionsgarden kontrolliert.

Iranische Umweltschützerin zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt

Niloufar Bayani ist eine international bekannte Umweltschützerin. Nach rund zwei Jahren im Gefängnis, in denen sie mehrfach bedroht und körperlich sowie psychisch gefoltert wurde, verurteilte sie das Teheraner Revolutionsgericht am 20. November 2019  zu einer zehnjährigen Haftstrafe. Ihr
werden „Spionage” und „Kontakte zur feindlichen US-Regierung” vorgeworfen.

Weite Teile des Iran leiden zunehmend unter erheblichen Umweltproblemen. Die Antwort der Islamischen Republik darauf besteht darin, Naturschützer zu verhaften. Die Biologin Niloufar Bayani gehört zu den Umweltaktivisten, die den Mut haben, auf Probleme hinzuweisen und Lösungsvorschläge zu machen. Große Teile der iranischen Wirtschaft werden von den Islamischen Revolutionsgarden kontrolliert. Bayani und viele ihrer Kollegen stehen dadurch in direktem Konflikt mit der Führung der Islamischen Republik.

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Zur Person, Haft und Folter

Niloufar Bayani wurde 1986 in Teheran geboren und studierte an der McGill University in Kanada Biologie. Sie begann im Jahr 2012 ihre Arbeit als Beraterin im Bereich Umwelt-Krisenmanagement bei den Vereinten Nationen in Genf. Im Juni 2017 kehrte sie in den Iran zurück, um für die Persian Wildlife Heritage Foundation (PWHF) zu arbeiten. Diese Stiftung ist Teil einer internationalen Zusammenarbeit zum Schutz des asiatischen Geparden.

Sie wurde im Februar 2018 zusammen mit Kollegen von Islamischen Revolutionsgardisten verhaftet und ins Evin-Gefängnis gebracht. Im selben Monat beschuldigte ein islamisches Revolutionsgericht Bayani und ihre Kollegen der Spionage, weil sie in Wildgebieten Kameras zur Beobachtung von Geparden installiert hatten. Sogar der Geheimdienstminister und der Leiter der iranischen Umweltschutzbehörde verneinten die Möglichkeit von Spionage durch die Biologen. Am 11. November 2018 gab ein Sprecher der Justiz bekannt, dass die Anklage von “Spionage” zu „Verderbenstiften auf Erden“ geändert wurde – ein Delikt des Scharia-Rechts, das mit dem Tod bestraft werden kann.

Im Dezember 2018 bezeugten 300 Umweltaktivisten aus aller Welt, darunter Jane Goodall, in einem offenen Brief, dass die Umweltschützer mit höchster moralischer Integrität gearbeitet hatten. Nach mehr als einem Jahr Haft fanden im Januar und Februar 2019 schließlich zwei Verhandlungen des Islamischen Revolutionsgerichtes gegen die Umweltschützer statt.

Bayani berichtete dem Gericht, dass sie körperlich und psychisch gefoltert wurde. Beamte hatten ihr unter anderem damit gedroht, ihr halluzinogene Drogen zu injizieren und Familienangehörige von ihr zu verhaften und zu ermorden. Im Februar 2019 verkündete der Oberste Nationale Sicherheitsrat in einem Bericht, dass es „keine Beweise gegen die Umweltaktivisten“ gebe. Javed Rahman, der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte im Iran, äußerte seine Besorgnis über die Situation iranischer Umweltschützer, die weiter willkürlich gefangen gehalten werden.

Die Umweltschützer hatten seit ihrer Inhaftierung im Februar 2018 kaum Zugang zu anwaltlicher Hilfe. Sie wurden lediglich mündlich über die Urteile vom 20. November 2019 informiert. Dies ist eine gängige Praxis in politisch motivierten Fällen im Iran – die Behörden gewährleisten bei unbegründeten Anschuldigungen bewusst keine Transparenz.

Hintergrund: Verfolgung von Umweltschützern im Iran

Seit Jahren spitzen sich im Iran Umweltprobleme zu. Besonders augenfällig sind die Folgen von nicht nachhaltiger Wassernutzung und zunehmenden Dürren. Die Führung der Islamischen Republik zeigt sich nicht gewillt, die Ursachen dieser Probleme anzugehen. Stattdessen werden systematisch Umweltaktivisten eingeschüchtert, bedroht und verhaftet, die sich friedlich für den Schutz der natürlichen Ressourcen einsetzen und die auf Umweltprobleme aufmerksam machen.
Die iranische Führung hat im Januar 2018 mit der Verhaftung von neun Umweltaktivisten die Verfolgung von Umweltschützern deutlich verstärkt. Dazu gehört auch der ungeklärte Tod des Direktors der Persian Heritage Wildlife Foundation, Dr. Kavous Seyed Emami, in Einzelhaft. Gefängnisbeamte „fanden“ seinen Leichnam am 8. Februar 2018 im Evin-Gefängnis. Weitere Verhaftungen von Umweltschützern folgten, insbesondere in Kurdistan und anderen westlichen Provinzen des Iran.

Haftadresse

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein. Deshalb: Schreiben Sie aufmunternde Worte direkt an Niloufar Bayani ins Evin-Gefängnis. Porto: Brief International bis 20 g aus Deutschland: 1,10 Euro.

To Ms. Niloufar Bayani
Evin Prison
Kachoui Alley
Tehran
Islamic Republic of Iran

Wie schreibe ich einem Gefangenen?

Bitte kontaktieren Sie die iranischen Botschaften per Post oder Telefon:

Bitte schreiben Sie an das iranische Staatsoberhaupt, Ayatollah Sayed Ali Khamenei, an den Präsidenten Irans, Hassan Rohani, und an die Botschaften des Iran. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der Umweltschützerin:

Hier finden Sie die Appell-Adressen für den Iran

Wie schreibe ich einen Appell?

Appellvorschlag

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um sie auf die willkürliche Gefangenschaft der iranischen Biologin Niloufar Bayani aufmerksam zu machen. Sie ist im Februar 2018 von Angehörigen der Islamischen Revolutionsgarden festgenommen worden. Ihr wurde „Spionage“ vorgeworfen, weil sie Kameras zur Beobachtung von Geparden aufgestellt hatte. Sogar der Geheimdienstminister und der Leiter der iranischen Umweltschutzbehörde verneinten die Möglichkeit von Spionage durch sie und andere, mit ihr verhaftete Naturschützer. Im Februar 2019 verkündete der Oberste Nationale Sicherheitsrat in einem Bericht, dass es „keine Beweise gegen die Umweltaktivisten“ gebe.

Niloufar Bayani wurde während ihrer Haft mehrfach körperlich und psychisch gefoltert. Außerdem wurde ihr gedroht, dass Angehörige verhaftet und umgebracht werden würden.

Ich appelliere an Sie, Frau Niloufar Bayani wegen erwiesener Unschuld umgehend und ohne Auflagen freizulassen. Außerdem appelliere ich an Sie, die Folter und Haftbedingungen in einem transparenten Verfahren zu untersuchen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Ich danke Ihnen für Ihr Verständnis und bitte Sie herzlich, mir zu schreiben, was Sie unternehmen werden.

Hochachtungsvoll

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