16 Jahre Gefängnis für ehemaligen Geschichtslehrer

Der Oberste Gerichtshof Russlands bestätigte am 1. April die Strafe von 16 Jahren Haft gegen den 68-jährigen Dissidenten Alexander Skobov aufgrund „Rechtfertigung des Terrorismus“.
Russland: 16 Jahre Gefängnis für ehemaligen Geschichtslehrer
Oberster Gerichtshof Russland bestätigt Haftstrafe nach Revision
Frankfurt am Main, 2. April 2026 – Der Oberste Gerichtshof Russlands bestätigte am 1. April die Strafe von 16 Jahren Haft gegen den 68-jährigen Dissidenten Alexander Skobov aufgrund „Rechtfertigung des Terrorismus“. Dessen Anwalt hatte zuvor ein Revisionsverfahren angestrengt. Wohl aus einem Akt der Verzweiflung äußerte der politische Gefangene vor Gericht, die NATO solle gegen Russland in den Krieg ziehen, und bezeichnete Putin als den neuen Hitler. Nach Einschätzung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist nicht damit zu rechnen, dass er den russischen Strafvollzug lebend verlassen wird.
Mit dem Vorwurf, er habe in seinem Telegram-Kanal den Krieg gegen die Ukraine als faschistisch bezeichnet, die Krim-Brücke als legitimes Ziel ukrainischer Militäraktionen bezeichnet und das Ende des Putin-Regimes gefordert, wurde er vom russischen Justizministerium im Jahr 2024 als „ausländischer Agent“ gelistet und am 2. April 2024 in St. Petersburg festgenommen. Anschließend wurde er unter Ausschluss der Öffentlichkeit vom Moskauer Militärgericht am 21. März 2025 zu 16 Jahren Haft und zu einer Geldstrafe verurteilt.
Trotz gesundheitlicher Einschränkungen lehnte er eine Ausreise aus Russland stets ab. Er erklärte wiederholt, seine Stimme habe innerhalb des Landes mehr Gewicht. Skobow, der schon in der Sowjetunion als Mitglied der Freien Gewerkschaftsbewegung in der UdSSR (SMOT) die Politik der Kommunistischen Partei auf Flugblättern kritisiert und dafür in den achtziger Jahren aus politischen Gründen in dem psychiatrischen Krankenhaus Nikolskoje im Leningrader Gebiet weggesperrt wurde, engagierte sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR für politische Freiheiten und soziale Gerechtigkeit.
In der Ära Gorbatschow und Jelzin war er als Geschichtslehrer tätig und gab 1997 ein Lehrbuch zur politischen Geschichte Russlands für die Oberstufe heraus. Seit der Machtübernahme Putins kritisierte er in Zeitungsartikeln die erneute systematische Repression in Russland, die Zerstörung rechtsstaatlicher Strukturen und die Gleichgültigkeit gegenüber den Menschenrechten.

Skobow per Video zur Verkündung des Urteils zugeschaltet





