FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 05 – Mai 2026
Chancen für gefährdete junge Menschen stärken

„Unser lieber Steven ist derzeit in Ambato und bereitet sich auf die Paralympischen Spiele in Kolumbien vor. Er absolviert sein letztes Schuljahr im Fernunterricht, was es ihm ermöglicht, voll und ganz am Training teilzunehmen“, schreibt Teresita Moncada per E-Mail am 6. Mai 2026 an die IGFM. Sie leitet das Kinderheim Casa Hogar de Jesús in der ecuadorianischen Provinz Santo Domingo de los Tsáchilas. Steven ist in der Casa aufgewachsen und inzwischen 17 Jahre alt. Trotz seiner körperlichen Beeinträchtigung gelang es dort, sein sportliches Talent mit herausragendem Erfolg zu fördern: Bei den „Juegos Parapanamericanos Juveniles“, auf Deutsch den Gesamtamerikanischen Paralympischen Juniorspielen, im vergangenen Herbst in Chile gewann er drei Goldmedaillen als Leichtathlet. Ambato, wo er sich derzeit aufhält, liegt rund 200 Kilometer in südlicher Richtung entfernt vom Ort des Kinderheims und seiner Schule. Ein Computer, der aus Spenden angeschafft wurde, ermöglicht ihm die Teilnahme an dem Fernunterricht.
Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren konnten noch weitere Rechner für einen Computerraum in der Casa angeschafft werden, wo sie ihre Hausaufgaben erledigen und sich auf Prüfungen vorbereiten. Die jungen Bewohner können auf diese Weise mit daheim lebenden Altersgenossen mithalten, auch mit Blick auf die Zeit nach dem Schulabschluss, um Ausbildungs- oder Studienplätze zu bekommen.
Seit rund einem Jahrzehnt besteht der Kontakt zu dieser Einrichtung bereits. Mitglieder des IGFM-Vorstands sowie Mitarbeiter der Geschäftsstelle konnten sich schon mehrfach vor Ort davon überzeugen, was dort geleistet wird: Benachteiligten Jungen, insbesondere aus armen Familien, wird durch die pädagogische Begleitung eine Lebensperspektive ermöglicht, die sie sonst wohl nicht gehabt hätten: Jeder dritte junge Ecuadorianer zwischen 15 und 25 Jahren befindet sich weder in einer Ausbildung noch in einem Job. Auf viele junge Leute entsteht großer Druck, sich als Drogenkuriere anheuern zu lassen. Ecuador ist ein bedeutender Umschlagplatz für diesen Handel und 2025 sogar durch die Gewaltverbrechen entsprechender Banden zum zweitgefährlichsten Land Lateinamerikas geworden. Nach Diktaturen und Terrormilizen zählt die Organisierte Kriminalität, die den Rechtsstaat aushöhlt, zu den Hauptverantwortlichen massiver Menschenrechtsverletzungen.
Angesichts solcher Rahmenbedingungen ist die pädagogische Arbeit in der Casa Hogar de Jesús umso wichtiger. „Wenn wir die positiven Fortschritte unserer Kinder miterleben, gibt uns das die Kraft, mit neuer Hoffnung weiterzumachen – und das verdanken wir Ihrer Großzügigkeit“, heißt es in einem Schreiben der Leitung vom April 2026. Teresita Moncada berichtet zusammen mit Padre Martin Gondra, wie sie den Zusammenhalt der 34 Jungen sowie auch deren Selbstwertgefühl durch gemeinsame kleine Ferien einschliesslich eines Theatertags sowie handwerkliche Projekte gestärkt haben.
Nicht jeder Junge kann so talentiert wie der Leichtathlet Steven sein, aber jeder Bewohner der Casa erhält die realistische Chance, dass sein Leben gelingt. Wir möchten dazu einen Beitrag leisten. Für die Anschaffung und Instandhaltung technischer Hilfsmittel sowie von Schulmaterial fallen weitere Kosten in der Casa an. Wir bitten daher um Ihre Hilfe.
Dieser Artikel wurde publiziert in der Mai 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘
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