FÜR DIE MENSCHENRECHTE – Mitteilungen an Freunde und Förderer, Nr. 05 – Juni - 2026

Pakistan: Angriff auf christliche Friedhofswärter-Familie

Wir stehen den Opfern bei

„Wir kümmern uns als Familie seit über acht Jahren um den christlichen Friedhof hier. Es werden da nicht nur Tote begraben, sondern die Menschen kommen hier zusammen, um gemeinsam zu beten. Trotzdem belästigen Jungen aus der Nachbarschaft andauernd die Besucher und drohen ihnen. Doch nun gab es einen schlimmen Vorfall, der schlimmer war als sonst.“ So lautet die Aussage des pakistanischen Christen Javed Farzand.

Eine Gruppe muslimischer junger Männer griff am 18. April 2026 auf dem Friedhof von Asif Town im Stadtgebiet von Lahore, der Hauptstadt der Provinz Punjab, die christliche Wärter-Familie brutal an und schändete die Begräbnisstätte. Pervaiz Farzand, ein Sohn der Familie, hatte einige der Angreifer zuvor zur Rede gestellt, weil sie obszöne Lieder laut abgespielt und weibliche Angehörige vulgär beschimpft hatten. Als Reaktion rief die Gruppe Verstärkung herbei. „Daraufhin stürmte rund ein Dutzend Männer das Gelände. Sie verwüsteten Gräber und Kreuze, rissen unseren Mädchen ihre Kleider vom Leib und verletzten Mitglieder der Familie, zwei davon schwer. Ein Täter stach meinem Bruder Pervaiz mehrfach mit einem Messer in die Brust und verletzte ihn lebensgefährlich. Mir schlug ein Angreifer einen schweren Holzstock auf den Kopf“, heißt es weiter in der Aussage.

Zeugen verständigten die IGFM-Partnerorganisation „The Voice Society“, deren Koordinatorin Aneeqa Anthony sich am 22. April per E-Mail an die IGFM wandte. Noch am Tag des Geschehens hatte ihr Team vor Ort Betroffene medizinisch versorgen lassen und ihre Aussagen sowie Verletzungen dokumentiert. „The Voice Society“ verurteilt den Angriff als religiös motiviertes Hassverbrechen. Die Organisation setzt sich für die Erweiterung des Strafverfahrens auf weitere Straftatbestände wie in Paragraph 295 des pakistanischen Strafgesetzbuchs ein, der die Beschädigung oder Schändung einer Kultstätte unter Strafe stellt „Unser Rechtsteam kämpft aktiv dafür, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und der christlichen Gemeinschaft Gerechtigkeit widerfährt“, schrieb Anthony.

Zudem will „The Voice Society“ die Verletzten unterstützen, damit alles medizinisch Notwendige zur Heilung veranlasst werden kann und mithelfen, dass der Friedhof wieder hergerichtet wird und die Organisation bereitet sich darauf vor, dass die Familie für den Zeitraum des Verfahrens wegen zu erwartender neuer Angriffe in einem Safehouse untergebracht und versorgt werden muss. Die IGFM möchte sich an den Kosten mit 5.000 Euro beteiligen. Dafür bitten wir um Ihre Spende.

Dieser Artikel wurde publiziert in der Juni - 2026-Ausgabe der Zeitschrift ‚Für die Menschenrechte‘

Jetzt spenden

Pakistan (46)

Zum Spendenformular

Weitere Beiträge der Juni - 2026-Ausgabe

  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte05 - 2026

    Trotz des anhaltenden Krieges leistet die ukrainische IGFM-Sektion unter Anastasija Aleksejewa wichtige Arbeit: Neben humanitärer Hilfe für über 100.000 Menschen überwacht das Juristenteam Gerichtsverfahren, um den Rechtsstaat und europäische Werte zu stärken. Die IGFM bittet um Spenden für diese Projekte.

    Published On: Montag, Juni 1, 2026
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte05 - 2026

    Das ecuadorianische Kinderheim Casa Hogar de Jesús schützt Jugendliche vor Kriminalität und fördert Talente wie den paralympischen Sportler Steven. Die IGFM bittet um Spenden für Schulmaterial.

    Published On: Montag, Juni 1, 2026
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte05 - 2026

    Dank der IGFM und „Flamme de Charité“ konnte die Autoreparatur eines libanesischen Taxifahrers bezahlt werden, was das Überleben seiner Familie und die Versorgung seiner kranken Töchter sichert. Trotz Kriegsnähe in Beirut schöpfen sie neue Hoffnung. Die Organisationen bitten um Spenden für rund 200 bedürftige Familien.

    Published On: Montag, Juni 1, 2026
  • Zeitschrift: Für die Menschenrechte05 - 2026

    Die 16-jährige Schülerin Aliaksandra Pulinovich wurde 2024 in Minsk verhaftet. Das Regime warf ihr Terrorplanung vor, laut Eltern malte sie jedoch nur Antikriegs-Graffiti. Man wartete ihre Volljährigkeit ab, um sie im Oktober 2025 unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu über 10 Jahren Haft zu verurteilen.

    Published On: Montag, Juni 1, 2026