Dmytro Kutscherjawij

Der junge ukrainische Soldat wurde in Russland strafrechtlich u.a. wegen angeblichen terroristischen Aktivitäten angeklagt. Aufgrund dieser strafrechtlichen Verfolgung zählen wir ihn zu inhaftierten politischen Gefangenen in Russland und nicht zu Kriegsgefangenen, wie andere inhaftierte ukrainische Soldaten. Dmytro wurde unrechtmäßig zu 29 Jahren und 4 Monaten in einem Hochsicherheitsgefängnis verurteilt.
Fast 30 Jahre Haft im Zusammenhang mit den Kämpfen um Mariupol
Dmytro Kutscherjawij ist ein ukrainischer Staatsbürger und Soldat. Er wurde im Mai 2022 von russischen Streitkräften gefangen genommen, nachdem sein Regiment sich bei Kämpfen ergeben hatte. Aufgrund von verschiedenen Vorwürfen wurden strafrechtliche Verfahren gegen Dmytro geführt und man verurteilte ihn zu insgesamt 29 Jahren und vier Monaten Haft in einem Hochsicherheitsgefängnis.
Festnahme
Zum Zeitpunkt seiner Festnahme befand sich Dmytro in Mariupol im besetzten Gebiet Donezk. Dort verließen am 18. Mai 2022 während der Kämpfe im Werk Asowstal mehr als 300 Personen das Werksgelände, legten ihre Waffen nieder und ergaben sich den russischen Streitkräften.
Unter ihnen waren zehn ukrainische Soldaten eines Regiments: Artem Wyschnjak, Iwan Noschetschkin sowie die ihnen unterstellten Soldaten Serhii Samochwal, Serhii Haikowytsch, Semen Seweryn, Dmytro Klusenko, Jewhen Lawrenko, Denys Fedirko, Jehor Jakowenko und Dmytro Kutscherjawij.
Anklage, Prozess und Urteil
Gegen die Soldaten wurde ein unrechtmäßiges Strafverfahren wegen “versuchten Mordes an zwei oder mehr Personen auf gemeingefährliche Weise aus Hass- und Feindschaftsmotiven” (Art. 30 Abs. 3; Art. 105 Strafgesetzbuch der Russischen Föderation), die “Anwendung verbotener Mittel und Methoden in einem bewaffneten Konflikt” (Art. 356 Abs. 1 StGB RF) sowie die “vorsätzliche Beschädigung fremden Eigentums” (Art. 167 Abs. 2 StGB RF) eingeleitet.
Nach Darstellung der russischen Ermittlungsbehörden und der Staatsanwaltschaft der nicht anerkannten “Donezker Volksrepublik” beschossen die Soldaten auf Anweisung zwischen dem 7. März und 15. April 2022 Wohnhäuser sowie gesellschaftlich bedeutende zivile Infrastruktureinrichtungen in Mariupol mit Steilfeuergeschützen. Dabei wurden drei Wohnhäuser beschädigt. Zivilpersonen konnten sich durch das Aufsuchen von Schutzräumen zuvor in Sicherheit bringen.
Am 22. März 2024 befand das, im Namen der Russischen Föderation agierende, Oberste Gericht der “Republik Donezk” die Angeklagten für schuldig und verurteilte sie zu Freiheitsstrafen zwischen 22 Jahren und zwei Monaten sowie 22 Jahren und sechs Monaten in einer Strafkolonie. Das Urteil wurde nicht angefochten und trat “rechtskräftig” in Kraft.
Weitere Strafverfahren
Gegen Dmytro wurden weitere Strafverfahren eingeleitet – wegen der vermeintlichen “Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung” (Art. 205.4 Abs. 2 StGB RF) und der “Absolvierung einer Ausbildung zum Zweck der Ausübung terroristischer Tätigkeiten” (Art. 205.3 StGB RF).
Am 4. September 2024 befand das Südliche Bezirksmilitärgericht Dmytro für schuldig und verhängte eine weitere Freiheitsstrafe von 18 Jahren gegen ihn. Durch die anteilige Zusammenrechnung mit dem Urteil des Obersten Gerichts der “DVR” setzte das Gericht die Strafe auf 29 Jahre Haft fest.
In einem dritten Verfahren warfen die russischen Behörden Dmytro vor, an einem separaten mutmaßlichen Angriff mit Steilfeuergeschützen auf das Dorf Berdjanskoje beteiligt gewesen zu sein. Obwohl sich die Staatsanwaltschaft weitgehend auf dieselben strafrechtlichen Bestimmungen wie im Urteil von März 2024 stützten, betrafen die Vorwürfe einen anderen Vorfall und einen anderen Ort.
In einem weiteren Urteil am 30. Mai 2025 wurde das endgültige Urteil gegen Dmytro schließlich auf 29 Jahre und vier Monate in einem Hochsicherheitsgefängnis festgesetzt.
Entwicklungen
Am 5. Februar 2026 wurde einer der Soldaten des Regiments, Denys Fedirko, im Rahmen eines Gefangenenaustauschs zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine freigelassen.
Stand: Juli 2026


