Walery Perow

Walery Perow wurde im Oktober 2023 von als Elektriker getarnten FSB-Beamten festgenommen und wegen angeblicher Kontakte zur „Legion Freiheit Russlands“ sowie öffentlicher Rechtfertigung von Terrorismus angeklagt. Trotz seiner Bestreitung der Vorwürfe und erheblicher Zweifel an der Beweislage wurde er zu elf Jahren Haft, einer Geldstrafe und einem Jahr Bewährung nach seiner Entlassung verurteilt.
11 Jahre Freiheitsstrafe für Elektriker
Walery Perow wurde 1984 geboren und lebt in Nischni Nowgorod in der gleichnamigen Oblast. Er ist gelernter Elektriker. Als er am 5. Oktober 2023 festgenommen wurde, gaben sich die beteiligten FSB-Beamten als Elektriker aus, um sich Zugang zu seiner Wohnung zu verschaffen.
Festnahme
Am 5. Oktober 2023 drangen FSB-Beamte, die sich als Elektriker ausgaben, in die Wohnung von Walery und seiner Frau ein. Während der Durchsuchung wurde seine Ehefrau festgehalten, während Walery mit einem Elektroschocker misshandelt wurde. Die Sicherheitskräfte beschlagnahmten unter anderem ein Mobiltelefon, eine Traumapistole und eine ukrainische Flagge. Am folgenden Tag wurde Walery in Untersuchungshaft genommen.
Vorwurf und Urteil
Die Ermittlungsbehörden warfen ihm vor, über Telegram Kontakt zur „Legion Freiheit Russlands“ und zum ukrainischen Projekt „Ich will leben“ aufgenommen zu haben. Er soll angeboten haben, Informationen zu sammeln und russische Soldaten zur Aufgabe zu bewegen. Diese Handlungen wurden nach Artikel 275.1 des russischen Strafgesetzbuches als Zusammenarbeit mit einer ausländischen Organisation zum Zweck der Unterstützung von Aktivitäten gegen die Sicherheit der Russischen Föderation gewertet. Zusätzlich klagte man Walery nach Artikel 205.2, Teil 2 Russisches StGB, wegen öffentlicher Rechtfertigung von Terrorismus an, da er angeblich Beiträge zur Unterstützung der „Legion Freiheit Russlands“ auf Telegram veröffentlicht hatte.
Walery Perow bestritt sämtliche Vorwürfe und erklärte, weder mit den genannten Organisationen Kontakt gehabt, noch Beiträge über die Legion veröffentlicht zu haben. Außerdem gab er an, dass ihm das bei der Durchsuchung sichergestellte Mobiltelefon untergeschoben worden sei. Es bestehen erhebliche Zweifel daran, ob Walery die ihm vorgeworfenen Taten tatsächlich begangen hat.
Am 24. Oktober 2024 verurteilte ein Militärgericht Walery zu elf Jahren Freiheitsstrafe in einer Strafkolonie mit allgemeinem Vollzug, einer Geldstrafe von 500.000 Rubel (ca. 5. 290€) sowie einem Jahr Bewährung nach seiner Entlassung.
Leben im Gefängnis
Maria, die Ehefrau von Walery, ließ der IGFM einen Brief zukommen, welchen sie von ihrem Mann aus dem Gefängnis erhielt. In seinem Brief beschreibt er die Haft als von Isolation, Einsamkeit und einem Gefühl tiefer Ungerechtigkeit geprägt.
Die Situation ändert sich hier nie: die gleichen grauen Wände. Die Zeit blieb stehen oder wurde zu einem endlosen Anfang und Ende. Ich bin völlig von der Welt abgeschnitten. Ich weiß nicht, was hinter diesen Mauern vor sich geht. Ich existiere in einem Vakuum.
Er berichtet von der vollständigen Abschottung von der Außenwelt, eingeschränktem Kontakt zu Angehörigen, fehlender medizinischer Versorgung und unzureichender Ernährung. Besonders schwer belastet ihn der Tod seiner Mutter, von der er sich aufgrund seiner Haft nicht verabschieden konnte. Die Gefängnissituation wirkt sich nach seinen Worten zunehmend auf seinen körperlichen und psychischen Zustand aus und verstärkt das Gefühl, mit seiner Trauer und seiner Situation allein zu sein.
Stand: August 2026


