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Menschenrechte verteidigen beginnt mit Hinsehen.

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Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

Zwischen politischer Gewalt und wirtschaftlicher Krise

147. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: vom 26. Mai bis 2. Juni

Allgemeine Lage:

Vom 26. Mai bis zum 2. Juni 2026 bleibt die Menschenrechtslage im Iran alarmierend. Laut Berichten von Menschenrechtsorganisationen hat die Zahl der Hinrichtungen weiter zugenommen. Sie werden nach wie vor als Mittel zur Einschüchterung und Kontrolle der Bevölkerung eingesetzt. Laut HRANA wurden seit Januar 2026 bis heute 40 Häftlinge im Zusammenhang mit dem Vorwurf „Krieg gegen Gott” hingerichtet. Zwar wurde der Internetzugang in Teilen des Landes wiederhergestellt, es bestehen jedoch weiterhin erhebliche Einschränkungen, Filtermaßnahmen und Blockaden zahlreicher Plattformen, wodurch der Zugang zu unabhängigen Informationen begrenzt bleibt. Gleichzeitig verschärft sich die wirtschaftliche Krise: Hohe Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und der Wertverlust der Landeswährung belasten große Teile der Bevölkerung. Die Kombination aus politischer Repression, eingeschränkter Informationsfreiheit und wachsendem wirtschaftlichem Druck prägt den Alltag vieler Iraner weiterhin.

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle:

Während der Proteste in Naziyabad wurde die 39-jährige Schneiderin Somayeh Ghobadi, Mutter einer 12-jährigen Tochter, am Abend des 8. Januar 2026 gegen 19 Uhr auf dem Heimweg von der Arbeit von Sicherheitskräften erschossen.

Amir Bashiri Chelkasari, Jahrgang 2007, wurde während der Proteste im Januar 2026 in Rasht in der Provinz Gilan, von Regierungskräften getötet. Seine Leiche wurde in der Nacht seines Geburtstags heimlich in seinem Heimatort Chelkasar in Rudbar beigesetzt.

Reza Rahmati wurde in der Nacht des 8. Januar 2026 in Aryashahr, Teheran, zusammen mit seinem jüngeren Bruder von Regimekräften getötet. Seine Leiche wurde erst zwei Wochen später zurückgegeben. Seine Frau schrieb auf seinem ehemaligen Twitter-Account: „Reza war fest entschlossen, den Platz in Yazd nicht leer stehen zu lassen. Er nahm an allen Protesten teil. Dem Aufruf für den 8. Januar konnte er nicht widerstehen und fuhr nach Teheran, um bei seinem Bruder zu sein. “

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

Die zur Justiz der Islamischen Republik gehörende Nachrichtenagentur Mizan gab bekannt, dass die Todesurteile gegen Mehrdad Mohammadinia und Ashkan Malekiin den frühen Morgenstunden des 1. Juni 2026 vollstreckt wurden. Beide waren im Dezember 2026 bei Protesten festgenommen worden. Der Oberste Gerichtshof hatte die Todesurteile bestätigt. Das Medienorgan der Justiz hat keine unabhängigen Beweise zu den Anklagepunkten veröffentlicht, sondern nur auf Aufnahmen von Überwachungskameras verwiesen. Laut Berichten wurden Mehrdad Mohammadinia und Ashkan Maleki vor der Vollstreckung des Urteils im Qezel-Hesar-Gefängnis in Karaj festgehalten.

Am Morgen des 1. Juni 2026 nahmen staatliche Kräfte den Aktivisten Yashar Darol-Shafa ohne richterlichen Haftbefehl in seinem Elternhaus fest. Die zivilen Beamten durchsuchten zudem seine Wohnung. Bis heute liegen keine Informationen über die Gründe für die Festnahme oder seinen Haftort vor. Yashar Darol-Shafa war bereits zuvor wegen seiner Aktivitäten inhaftiert worden.

Samira Norouz-Nasseri wurde auch am Morgen des 1. Juni 2026 von Regimekräften ohne Haftbefehl festgenommen. Die Beamten durchsuchten zudem die Wohnung der Regisseurin in Teheran. Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts liegen der IGFM keine Informationen über ihren Haftort, die Gründe für ihre Festnahme oder die gegen sie erhobenen Vorwürfe vor.

Mehran Ansari, ein angesehener Anwalt und Mitglied der Anwaltskammer der Provinz Fars, ist vom Revolutionsgericht in Schiraz zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Der Anwalt wurde wegen Propaganda gegen das Regime verurteilt. Mehdi Ansari, ebenfalls Mitglied der Anwaltskammer der Provinz Fars und Cousin von Mehran Ansari, wurde kürzlich vom Revolutionsgericht in Schiraz zu fünf Jahren Haft und einem zweijährigen Reiseverbot verurteilt.

Weitere Menschenrechtsverletzungen:

Am Sonntag, dem 31. Mai, veranstaltete eine Gruppe von Bürgern aus dem Dorf Dehnoo im Bezirk Dorud in der Provinz Lorestan eine Protestkundgebung, um gegen die anhaltende Wasserabschaltung im Dorf zu protestieren. Laut einem Bericht, der in den staatlichen Medien veröffentlicht wurde, ist das Dorf Dehnoo im Bezirk Dorud seit etwa zwei Wochen vollständig ohne Trinkwasser, was das Leben von mehr als fünftausend Einwohnern stark beeinträchtigt.

Am selben Tag veranstalteten mehrere entlassene Professoren der der Kulturuniversität Farhangian University eine Kundgebung vor dem Gebäude des Bildungsministeriums in Teheran. Die Dozenten protestierten gegen die Entlassung von mehr als 300 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität und die Aussetzung ihrer Gehälter und Sozialleistungen für etwa zehn Monate. In Ahvaz in der Provinz Khuzestan wurden am Morgen des 1. Juni 2026 vier Personen während der Arbeit vergiftet, nachdem eine pulverförmige Substanz aus einem Industriereaktor ausgetreten war und sich verteilt hatte. Grund dafür waren unzureichende Arbeitssicherheit und ungeeignete Arbeitsbedingungen.

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich Abgeordnete für ihre Freilassung einsetzen.

Parsa Najafi

Parsa Najafi ist Angehöriger der Glaubensgemeinschaft der Bahá’í im Iran und wurde am 6. Juni 2026 in der Stadt Isfahan ohne Anklage festgenommen. Seitdem sitzt er im Gefängnis Dastgerd in Isfahan und erhält keinen anwaltlichen Beistand.

Pejman Zareh

Pejman Zareh, Angehöriger der Bahá'í-Gemeinschaft im Iran, sitzt seit dem 14. März 2026 ohne Anklage in Haft. Fordern Sie mit uns seine Freilassung und den Zugang zu dringend notwendiger medizinischer Versorgung.

Elke Zimmer übernimmt politische Patenschaft

Todesstrafe abgewendet, doch weiterhin in Haft: Die baden-württembergische Landtagsabgeordnete Elke Zimmer (Bündnis 90/Die Grünen) unterstützt die iranische Arbeitsrechtsaktivistin Sharifeh Mohammadi gemeinsam mit der IGFM. Mit der Übernahme einer politischen Patenschaft setzt die Politikerin ein klares Zeichen gegen die drakonische Justiz des iranischen Regimes und fordert die sofortige Freilassung der im Lakan-Gefängnis inhaftierten Mutter.

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