Menschenrechtslage im Iran

Die Islamische Republik Iran ist ein Unrechtsstaat und missachtet systematisch die Rechte ihrer Bürger. Angehörige ethnischer, religiöser und politischer Minderheiten sind im Iran vielfacher Diskriminierungen ausgesetzt. Die IGFM veröffentlicht hier regelmäßig Berichte und informiert über die Menschenrechtssituation im Iran. 

1.728-stündige Internetblockade und systematische Repression

127. Tag der Revolution

Berichtszeitraum: vom 28. April bis 12. Mai

Allgemeine Lage:

Der Zeitraum vom 28. April und dem 12. Mai 2026 ist weiterhin geprägt durch die anhaltende massive Einschränkung des Internetzugangs durch das Regime. Bei der Menschenrechtslage im Iran gibt es laut Einschätzung internationaler Beobachter und Menschenrechtsorganisationen, wie der IGFM, keine Verbesserungen. Die Internetblockade isoliert die Bevölkerung weitgehend von unabhängigen Informationen und die Dokumentation staatlicher Gewalt ist dadurch erheblich erschwert. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) warnt davor, dass die andauernde digitale Isolation gezielt eingesetzt wird, um Proteste zu kontrollieren, internationale Aufmerksamkeit zu begrenzen und Menschenrechtsverletzungen zu vertuschen.

Parallel dazu veröffentlichen die staatlichen Medien der islamischen Regierung Hinrichtungen von Gefangenen, die laut IGFM keinen fairen Prozess hatten. In den wenigen aus dem Iran kommenden Berichten, die über Umwege ins Ausland gelangt sind, wird von repressiven Maßnahmen gegen politische Gefangene, Demonstrierende und mutmaßliche Regimegegner gesprochen. Zahlreiche Verfahren sollen unter Ausschluss rechtsstaatlicher Standards durchgeführt worden sein. Berichte über Folter, erzwungene Geständnisse und Geheimverfahren häufen sich. Die IGFM spricht von einer systematischen Nutzung der Todesstrafe als Instrument politischer Einschüchterung und Repression. Besonders während der anhaltenden innen- und außenpolitischen Spannungen intensiviert das Regime offenbar seine Maßnahmen gegen jede Form tatsächlicher oder vermeintlicher Opposition.

Opfer der Islamischen Republik: Gewalt und Todesfälle – deren Schicksal bedingt durch die staatliche Internetzblockade erst jetzt im Ausland bekannt wurde

Atefeh Abed war 23 Jahre alt, frisch verheiratete Juristin und kurz davor, als Anwältin tätig zu werden. Am 9. Januar wurde sie in Mashhad (Provinz Razavi Khorasan), als sie sich bei ihren Eltern aufhielt, durch einen Kopfschuss von bewaffneten Einheiten des Mullah-Regimes getötet. 

Der Florist Reza Habibi aus Schiras (Provinz Fars) wurde am Donnerstag, dem 9. Januar 2026, getötet. Während der Massenproteste in seiner Stadt wurde ihm von einem Regimeschergen direkt ins Gesicht geschossen.

Der 19-jährige Saeed Alimardani wurde am 8. Januar, einen Tag vor seinem Geburtstag, in Schahrud (Provinz Semnan) durch einen gezielten Kopfschuss ermordet.

Willkürliche Festnahmen und Hinrichtung:

Die Justiz der Islamischen Republik gab bekannt, dass das Todesurteil gegen Erfan Shakourzadeh vollstreckt wurde. Der 29-Jährige war der Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst und dem Mossad beschuldigt worden. Laut der Justiz-Nachrichtenagentur unterhielt er angeblich Verbindungen zu diesen zwei ausländischen Geheimdiensten und gab Verschlusssachen weiter. Laut Berichten war Shakourzadeh Masterstudent im Fachbereich Luft- und Raumfahrttechnik sowie Satellitentechnik an der Iranischen Universität für Wissenschaft und Technologie. Die IGFM berichtete darüber.

Am 1. Februar 2026 wurde Ghazal Ghalandari, ein 16-jähriges Mädchen aus Yasudsch in der Provinz Kohgiluyeh und Boyer-Ahmad, von Geheimdienstkräften festgenommen. Zwölf Beamte in Zivil, deren Gesichter verdeckt waren, drangen ohne Durchsuchungsbefehl in das Haus ihres Vaters ein. Sie nahmen die Jugendliche fest, bis heute hat ihre Familie keine Informationen über ihren Aufenthaltsort.

Mohammad Zeyghami ist 18 Jahre alt und wurde wegen „Moharebeh” (Krieg gegen Gott) verurteilt. Die Behörden informierten die Angehörigen des jungen Mannes darüber, dass sie sich bei ihnen melden würden, um ihnen seine Leiche zu übergeben. Sollte die Familie den Fall jedoch weiterverfolgen, drohte das Regime damit, den einzigen Bruder des Gefangenen zu töten.

Der 16-jährige Balutsche Abbass Niyo wurde am 8. und 9. Januar während der landesweiten Proteste in Azadschahr (Provinz Golestan) festgenommen. Er wurde von Mitgliedern des Regimes schwer gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen. Dabei verlor er mehrfach das Bewusstsein. Er befindet sich derzeit in der Jugendstrafanstalt von Golestan.

Weitere Menschenrechtsverletzungen: 

Im Iran hat die Zahl der Festnahmen, Drohungen und Repressionen gegen Zivilisten drastisch zugenommen. Die Situation hat sich durch den fehlenden Internetzugang, der eine Berichterstattung über die Fälle ermöglichen würde, weiter verschlechtert. Zu denjenigen, die derzeit vom islamischen Regime aufgrund unklarer Vorwürfe inhaftiert sind, gehören Narges Mohammadi (Friedensnobelpreisträgerin), Nasrin Sotoudeh (Rechtsanwältin und Menschenrechtsaktivistin), Abdulrahim Soleymani (Forscher und Universitätsprofessor) und Fatemeh Sepehri (Aktivistin).

Einige Gefangene befinden sich in einem kritischen Gesundheitszustand und benötigen dringend eine medizinische Versorgung außerhalb des Gefängnisses. Die sich in den Monaten nach dem Krieg verschärfende Medikamentenknappheit hat dazu geführt, dass viele Medikamente nicht mehr über offizielle Apotheken, sondern über inoffizielle Märkte und Telegram-Kanäle vertrieben werden. Patienten, die ihre Medikamente noch vor wenigen Monaten mit ärztlichem Rezept über das offizielle Netz erhielten, irren nun oft stundenlang von Apotheke zu Apotheke. Letztendlich greifen sie dann häufig auf den Schwarzmarkt zurück, auf dem die Preise um ein Vielfaches höher sind und auf dem es keine Garantie für die Echtheit der Medikamente gibt.

Die Internetblockade im Iran dauert nun bereits seit 73 Tagen an, wobei die Gesamtdauer inzwischen 1.728 Stunden überschritten hat. Der freie Zugang zum Internet ist ein Grundrecht. Durch dessen Einschränkung sind die Möglichkeiten der Öffentlichkeit erheblich begrenzt, Verstöße gegen grundlegende Menschenrechte zu dokumentieren und zu bekämpfen.

Bisherige Berichte, nach Datum sortiert

Politische Gefangene im Iran sind auf unsere Unterstützung angewiesen. Informieren Sie sich über ihre Schicksale und wie sich als Privatperson oder als Abgeordnete/r für ihre Freilassung einsetzen können.

Verisheh Moradi

Verisheh Moradi ist Mitglied des Verbands „Gemeinschaft der freien Frauen Ostkurdistans“ (KJAR). Sie wurde am 1. August 2023 gewaltsam in Sanandaj (Provinz Kurdistan) festgenommen. In einem Brief berichtet sie von Folter und Misshandlung in der Haftanstalt. Anfang November 2024 wird die Iranerin zum Tode verurteilt.

Pakhshan Azizi

Pakhshan Azizi war bei einer Hilfsorganisation tätig und wurde am 4. August 2023 von Angehörigen des Geheimdienstministeriums Pakhshan willkürlich in ihrer Wohnung in Teheran festgenommen. Der Oberste Gerichtshof des Iran hat den Berufungsantrag gegen das Todesurteil am 6. Februar 2025 abgelehnt. Sie kann jeden Moment hingerichtet werden!

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben