Neli Alfiorawa

Die belarusische Künstlerin und Kunsthandwerkerin Neli Alfiorava wurde wegen angeblicher „Beleidigung eines Amtsträgers" strafrechtlich verfolgt. Am 3. Juni 2024 ordnete ein Gericht ihre zwangsweise Unterbringung und Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Wo sie derzeit festgehalten wird, ist nicht öffentlich bekannt.
Psychiatrische Zwangsbehandlung wegen angeblicher Beleidigung

Politische Patin: Eva Bredow-Cordier, Stadtverordnete Darmstadt Bündnis 90/Die Grünen
Neli Alfiorawa ist Künstlerin, Kunsthandwerkerin und Autorin aus Polazk. Sie ist Mutter eines minderjährigen Sohnes mit einer Beeinträchtigung. 2020 war Neli als unabhängige Beobachterin bei der belarusischen Präsidentschaftswahl tätig. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde sie von den Strafverfolgungsbehörden intensiv überwacht.
Festnahme und Gerichtsverfahren
Nach der Präsidentschaftswahl wurde Neli wiederholt politisch verfolgt und es wurden mehrere Verfahren gegen sie dokumentiert. Einige dieser Vorfälle schilderte sie selbst 2021 in einer Videobotschaft an Präsident Lukaschenko und andere hochrangige Staatsvertreter.
Die genauen Umstände ihrer Festnahme sind nicht bekannt. Gegen Neli wurde ein unrechtmäßiges Strafverfahren wegen der angeblichen “Beleidigung eines Vertreters der Staatsgewalt” (Art. 369 StGB Belarus) eingeleitet. Welche konkrete Äußerung die Grundlage der Anklage bildete und gegen welchen Amtsträger sie dies geäußert haben soll, wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.
Am 3. Juni 2024 wurde Nelis Fall von Richter Uladzimir Biasetski verhandelt. Das Gericht verhängte keine zeitlich festgelegte Haftstrafe, sondern ordnete eine Zwangsbehandlung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Ein psychiatrisches Gutachten als Grundlage für dieses Urteil lag nicht vor.
Neli wurde am 19. Juli 2024 von den belarusischen Behörden in die staatliche Liste von Personen, die angeblich an “extremistischen Aktivitäten” beteiligt seien, aufgenommen. In der Liste wird bei Neli auf die Anwendung von “zwingenden Sicherheits- und Behandlungsmaßnahmen” verwiesen.
Es ist weder bekannt, in welcher Einrichtung Neli festgehalten wird, noch unter welchen Bedingungen sie dort festgehalten und behandelt wird.
Psychiatrische Zwangsbehandlung als Mittel der Repression
Bei einer psychiatrischen Zwangsbehandlung ist die Dauer des Freiheitsentzugs im Voraus nicht eindeutig festgelegt, wodurch Betroffene über einen unbestimmten Zeitraum hinweg festgehalten werden können.
Unabhängige Menschenrechtsexpertinnen und –experten der Vereinten Nationen äußerten im April 2025 ernsthafte Besorgnis über den zunehmenden Einsatz psychiatrischer Zwangsbehandlungen gegen politisch Verfolgte in Belarus. Berichten zufolge wurden seit 2020 mindestens 33 Personen wegen der Ausübung ihrer politischen und gesellschaftlichen Rechte in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen. Die UN-Expertinnen und –Experten sehen darin eine erniedrigende Praxis, die die persönlichen Rechte schwerwiegend verletzen.
Stand: Juli 2026


