Zum Inhalt springen

Menschenrechte verteidigen beginnt mit Hinsehen.

Aktuelle Fälle
IGFM Internationale Gesellschaft
für Menschenrechte
Jetzt Spenden

Neli Alfiorawa

Die belarusische Künstlerin und Kunsthandwerkerin Neli Alfiorava wurde wegen angeblicher „Beleidigung eines Amtsträgers" strafrechtlich verfolgt. Am 3. Juni 2024 ordnete ein Gericht ihre zwangsweise Unterbringung und Behandlung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Wo sie derzeit festgehalten wird, ist nicht öffentlich bekannt. 

Psychiatrische Zwangsbehandlung wegen angeblicher Beleidigung

Politische Patin: Eva Bredow-Cordier, Stadtverordnete Darmstadt Bündnis 90/Die Grünen

Neli Alfiorawa
Geburtsdatum: 28. August 1985

Festnahme: nicht bekannt

Inhaftiert in: psychiatrische Einrichtung

Vorwurf: “Beleidigung eines Amtsträgers”

Urteil: stationäre psychiatrische Zwangsbehandlung

Neli Alfiorawa ist Künstlerin, Kunsthandwerkerin und Autorin aus Polazk. Sie ist Mutter eines minderjährigen Sohnes mit einer Beeinträchtigung. 2020 war Neli als unabhängige Beobachterin bei der belarusischen Präsidentschaftswahl tätig. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde sie von den Strafverfolgungsbehörden intensiv überwacht.

Festnahme und Gerichtsverfahren
Nach der Präsidentschaftswahl wurde Neli wiederholt politisch verfolgt und es wurden mehrere Verfahren gegen sie dokumentiert. Einige dieser Vorfälle schilderte sie selbst 2021 in einer Videobotschaft an Präsident Lukaschenko und andere hochrangige Staatsvertreter.

Die genauen Umstände ihrer Festnahme sind nicht bekannt. Gegen Neli wurde ein unrechtmäßiges Strafverfahren wegen der angeblichen “Beleidigung eines Vertreters der Staatsgewalt” (Art. 369 StGB Belarus) eingeleitet. Welche konkrete Äußerung die Grundlage der Anklage bildete und gegen welchen Amtsträger sie dies geäußert haben soll, wurde nicht öffentlich bekannt gegeben.

Am 3. Juni 2024 wurde Nelis Fall von Richter Uladzimir Biasetski verhandelt. Das Gericht verhängte keine zeitlich festgelegte Haftstrafe, sondern ordnete eine Zwangsbehandlung in einer psychiatrischen Einrichtung an. Ein psychiatrisches Gutachten als Grundlage für dieses Urteil lag nicht vor.

Neli wurde am 19. Juli 2024 von den belarusischen Behörden in die staatliche Liste von Personen, die angeblich an “extremistischen Aktivitäten” beteiligt seien, aufgenommen. In der Liste wird bei Neli auf die Anwendung von “zwingenden Sicherheits- und Behandlungsmaßnahmen” verwiesen.

Es ist weder bekannt, in welcher Einrichtung Neli festgehalten wird, noch unter welchen Bedingungen sie dort festgehalten und behandelt wird.

Psychiatrische Zwangsbehandlung als Mittel der Repression
Bei einer psychiatrischen Zwangsbehandlung ist die Dauer des Freiheitsentzugs im Voraus nicht eindeutig festgelegt, wodurch Betroffene über einen unbestimmten Zeitraum hinweg festgehalten werden können.

Unabhängige Menschenrechtsexpertinnen und –experten der Vereinten Nationen äußerten im April 2025 ernsthafte Besorgnis über den zunehmenden Einsatz psychiatrischer Zwangsbehandlungen gegen politisch Verfolgte in Belarus. Berichten zufolge wurden seit 2020 mindestens 33 Personen wegen der Ausübung ihrer politischen und gesellschaftlichen Rechte in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen. Die UN-Expertinnen und –Experten sehen darin eine erniedrigende Praxis, die die persönlichen Rechte schwerwiegend verletzen.

Stand: Juli 2026

So können Sie Neli helfen:

Post an politische Gefangene ist oft ein wirksamer Schutz gegen Misshandlungen, denn die Post zeigt dem Gefängnispersonal und den Behörden, dass ein Gefangener im Ausland bekannt ist. Den politischen Gefangenen hilft das Wissen, in der Welt nicht vergessen zu sein.

Die belarusische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja sagte der IGFM: „Schreibt Briefe, schreibt an die politischen Gefangenen. Sie freuen sich zum Teil wirklich wie kleine Kinder, wenn sie Post bekommen, man kann es sich kaum vorstellen. Es ist enorm wichtig. Nehmt Euch vor: Einmal in der Woche schreibt jeder eine Karte, damit die Menschen wissen, dass sie nicht vergessen werden“

Der genaue Aufenthaltsort ist uns aktuell nicht bekannt.

Wichtig: Wegen behördlicher Auflagen ist es nur möglich, auf russisch oder belarusisch zu schreiben. 

Bitte wenden Sie sich an die Regierung von Belarus und an die Botschaften der Republik Belarus. Fordern Sie die sofortige und bedingungslose Freilassung der/s Gefangenen.

Press Secretary of the Prime Minister of the Republic of Belarus
Tel.: +375 17 222 41 73
E-Mail: [email protected] 

Botschaft der Republik Belarus in Deutschland:
z. Hd. Herrn Konstantin Chizhik
Gesandter-Botschaftsrat, Geschäftsträger a. i.
Am Treptower Park 31–32
12435 Berlin

E-Mail: [email protected]
Tel. Zentrale: +49 30 536 359 0
Politische Abteilung: +49 30 536 359 48

Sehr geehrter Herr …,

ich schreibe Ihnen, um Ihre Aufmerksamkeit auf die willkürliche Inhaftierung der Künstlerin, Kunsthandwerkerin und Autorin Neli Alfiorawa zu lenken. Sie wurde in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen, obwohl keine unabhängigen Beweise für eine psychische Erkrankung vorliegen.

Gegen Neli Alfiorawa wurde ein Strafverfahren wegen der angeblichen „Beleidigung eines Vertreters der Staatsgewalt“ nach Art. 369 des belarusischen Strafgesetzbuches eingeleitet. Weder wurde öffentlich bekannt gegeben, welche konkrete Äußerung ihr vorgeworfen wird, noch gegen welchen Amtsträger sich diese gerichtet haben soll. Am 3. Juni 2024 ordnete das Gericht statt einer Freiheitsstrafe ihre stationäre psychiatrische Zwangsbehandlung an. Ein psychiatrisches Gutachten als Grundlage für diese Entscheidung lag nicht vor.

Neli Alfiorawa war 2020 als unabhängige Wahlbeobachterin bei der Präsidentschaftswahl tätig und wurde seitdem wiederholt politisch verfolgt. Ihre Einweisung in eine psychiatrische Einrichtung steht im Zusammenhang mit dieser Verfolgung und fügt sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein, bei der psychiatrische Zwangsbehandlungen zunehmend als Mittel gegen Regimekritiker eingesetzt werden. Besonders alarmierend ist, dass die Dauer einer solchen Unterbringung nicht im Voraus festgelegt ist und der Freiheitsentzug somit auf unbestimmte Zeit erfolgen kann.

Ich appelliere an Sie, Neli Alfiorawa unverzüglich aus der psychiatrischen Zwangsunterbringung zu entlassen und ihre grundlegenden Menschenrechte zu achten.

Hochachtungsvoll

Machen Sie in den sozialen Medien auf Neli aufmerksam und nutzen Sie diese Hashtags:

#freeallpoliticalprisoners
#NeliAlfiorawa
#Neli_Alfiorawa

Teilen Sie diesen Beitrag und setzen sich für die Freiheit von Neli ein!

Weitere politische Gefangene in Belarus

Aksana Shaliapina

Aksana Shaliapina wurde in Belarus wegen der Unterstützung politischer Gefangener zu drei Jahren Haft in einer Strafkolonie verurteilt. Die Behörden werteten ihre Briefe und Hilfe für politisch Verfolgte als angebliche „Förderung extremistischer Aktivitäten“.

Valery Pazniakevich

Valery Pazniakevich wurde in Belarus wegen seiner Gedichte und Meinungsäußerungen zu drei Jahren Freiheitsbeschränkung in einer offenen Vollzugseinrichtung verurteilt. Die Behörden warfen dem Dichter und Journalisten eine angebliche „Beleidigung des Präsidenten“ vor.

Aleh Khamenka

Aleh Khamenka wurde in Belarus zu drei Jahren Haft verurteilt, weil er für den unabhängigen Radiosender Racyja arbeitete. Die Behörden werteten seine journalistische Tätigkeit als angebliche „Förderung extremistischer Aktivitäten“ und verlegten ihn im Juli 2026 in die Strafkolonie Nr. 17 in Schklou.

Teilen Sie diesen Beitrag!

Nach oben