Pakistan: Diskriminierung der Ahmadis

Das Weiße Minarett und die Ahmadiyya-Flagge in Qadian, Indien. Für die Ahmadi-Muslime symbolisieren diese beiden das Erscheinen von Mirza Ghulam Ahmad. Foto: Wikipedia / Canva
Pakistan: Ahmadis erleben systematische Entrechtung
IGFM fordert pakistanische Behörden auf, Verbote religiöser Handlungen gegen religiöse Minderheit unverzüglich aufzuheben
Frankfurt am Main, 9. Juni 2026 – Wenn man am Opferfest selbst zum Opfer wird: Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) beobachtet seit dem muslimischen Opferfest Ende Mai eine Zunahme der systematischen Entrechtung von Anhängern der islamischen Reformbewegung Ahmadiyya Muslim Jamaat in Pakistan. Die in Frankfurt ansässige Menschenrechtsorganisation hat unter anderem von verschiedenster Einschüchterungstaktiken sowie vom Verbot privater Gebete erfahren und fordert von den pakistanischen Behörden die Einhaltung der Religionsfreiheit.
„Wir beobachten mit Sorge, wie die staatlichen und institutionellen Repressionen gegen Angehörige der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Pakistan immer mehr eskalieren. Gerade im Vorfeld und während des höchsten islamischen Feiertags, des Opferfests war die Gemeinschaft in diesem Jahr massiven Eingriffen ihrer religiösen Freiheit ausgesetzt, die bis in den privaten Lebensbereich gereicht haben. Das Ausmaß ist alarmierend und zeigt, dass Religionsfreiheit für Minderheiten in Pakistan stark eingeschränkt ist“, erklärt Valerio Krüger, Sprecher des Vorstands der IGFM.
Religionsausübung kriminalisiert
Bereits Tage vor dem Fest wurden Ahmadis in mehreren pakistanischen Provinzen aufgefordert, schriftlich zu erklären, dass sie weder an den Gebeten zum Opferfest teilnehmen noch die rituelle Opferung durchführen werden. Wie die IGFM berichtet, stützt sich dies auf die Paragraphen 298-B und 298-C des pakistanischen Strafgesetzbuchs, die jede Form islamischer Religionsausübung durch Ahmadis kriminalisieren. Die Polizei ist in zahlreichen Distrikten angewiesen, die Einhaltung dieser Verbote zu überwachen. Betroffene berichten von unangekündigten Hausbesuchen, Vorladungen und Befragungen, die der Einschüchterung dienen.
Eingriffe auch in privaten Wohnungen
Besonders schwerwiegend seien nach Angaben der IGFM aktuelle Vorfälle aus Punjab und Sindh, wo Polizisten am Morgen des Opferfestes Opfertiere aus Haushalten der Ahmadiyya Muslim Jamaat mitgenommen hätten. Die Beamten rechtfertigten ihr Vorgehen mit der Behauptung, Ahmadis dürften kein Opferfest begehen, und bezeichneten die Beschlagnahmungen teils als religiös geboten. Diese Eingriffe erfolgten nicht nur im öffentlichen Raum, sondern auch in privaten Wohnungen. Ahmadis ist es selbst dort untersagt, Gebete zu verrichten – ein Verbot, das die Behörden mit den genannten Strafrechtsbestimmungen begründen.
Staatliche Strukturen zur Entrechtung genutzt
Die Entwicklungen rund um das Opferfest verdeutlichen, dass es in Pakistan ein strukturelles Muster institutioneller Diskriminierung gebe, betont die IGFM. Behörden, Polizei und Berufsverbände greifen ineinander und schaffen ein Umfeld, in dem die Ahmadiyya Muslim Jamaat aus dem religiösen, gesellschaftlichen und beruflichen Leben ausgeschlossen werde. So werden staatliche Strukturen genutzt, um die Entrechtung einer religiösen Minderheit systematisch zu organisieren. Die IGFM fordert daher die pakistanischen Behörden auf, die Verbote religiöser Handlungen gegen Ahmadis unverzüglich aufzuheben, Zwangserklärungen zu beenden und die jüngsten Eingriffe in private Haushalte unabhängig zu untersuchen.




